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Bremser lassen sich nicht unterkriegen

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Von: Nicole Jost

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Der Verlust des Bürgersaals in Buchschlag war für die Bremser ein herber Schlag. Doch die Narren haben nicht lange gehadert sind in der Dreieicher Fastnacht nach wie vor eine feste Größe.

„Haltlos zieh’n wir durchs Land, aus Buchschlag wurden wir verbannt. Politiker ham uns beschissen, Bürgersaal wird abgerissen!“ Als die Bagger anrollten, um 2009 den Bürgersaal in Buchschlag dem Erdboden gleichzumachen, machten die Bremser noch mit einer kleinen Delegation auf ihre Not aufmerksam. Auch beim Umzug während der närrischen Kampagne wurde der Verlust der jahrzehntelangen Heimat, des Ortes unvergessener „Nächte ohne Bremse“ und des Raums tausender Übungsstunden dokumentiert: Mit dem Nachbau des in Schutt und Asche gelegten Bürgersaals auf dem Motivwagen marschierten die Buchschlager Karnevalisten im Blaumann und mit Bauhelmen durch die Gassen.

„Das war ein schwerer Verlust für Buchschlag und ganz besonders für unseren Verein“, erinnert sich der Bremser-Vorsitzende Marcus Ebert. In der Kampagne 2017/2018 feiern sie jetzt ein närrisches Jubiläum: Vor elf Jahren bekamen sie erstmals Asyl von der Sprendlinger Sport- und Kulturgemeinschaft (SKG). Die Zeiten im Buchschlager Bau allerdings behalten die heute noch Aktiven wohl für immer im Herzen. „Wir alle sind im Bürgersaal groß geworden. Ich habe als kleines Mädchen in den 1970er Jahren dort Garde getanzt. Das ist auf jeden Fall ein Stück Zuhause“, sagt Anja Bohrer, die seit mehr als 40 Jahren Mitglied der Bremser ist.

Unvergessliche Auftritte

Der Saal mit seinen 300 Plätzen hatte genau die richtige Größe, es war gemütlich und heimelig. Und von ganz entscheidendem Vorteil: „Wir hatten den Saal während der Kampagne für uns, wir haben wochenlang im Anbau die Bühnenbilder gebaut, unsere Trainingsräume waren dort untergebracht, wir hatten Lagerplatz im Keller und im Buchschlager Rasthaus und so immer alles zusammen. Das war überaus praktisch“, erinnert sich Karin Schiepe, die noch ein etwas länger als Anja Bohrer im Verein ist.

Die große Sektbar ist dem heutigen Vorstand noch ebenso gut in Erinnerung, wie die Atmosphäre und die unvergesslichen Auftritte. Der 1973 eingeweihte Bürgersaal war 2006 ohne Frage in die Jahre gekommen. Der Brandschutz genügte den Bestimmungen nicht mehr, das Dach war undicht und die Toiletten sanierungsbedürftig. Zunächst wurde der Saal am 1. April 2005 geschlossen und aus dem Betrieb der Bürgerhäuser genommen. Die Bremser feierten in jenem Jahr ein letztes Mal in ihrer Heimstätte. Das Motto lautete damals ironisch „Reißt die Hütte ab“.

Dann die politische Entscheidung: Der Saal kommt weg und das Grundstück wird als Bauland verkauft. Es ging ein Aufschrei durch Buchschlag. Immerhin war der Saal nach dem Brand des alten Rathauses am 30. März 1968 mit der Hilfe von vielen Spenden der Buchschlager neu gebaut worden. Aber aller Protest half nichts, auch Prinz Marcus suchte 2007 noch einmal das Gespräch mit dem gerade in seine erste Amtsperiode gewählten Bürgermeister Dieter Zimmer – vergeblich.

Die Ärmel hochgekrempelt

„Wir haben aus dem Verlust unserer Heimat das Beste gemacht. Das ist wohl ein typisches Bremser-Ding: Wir können uns immer neu erfinden“, sagt Marcus Ebert. Die 1955 als Abteilung des Buchschlager Bürgervereins gegründeten Bremser wurden am 11. Dezember 2013 zu einem eigenständigen Verein und krempelten auch in Sprendlingen die Ärmel hoch: „Wir verdanken dem damaligen SKG-Vorsitzenden Lothar Langen viel. Er hat uns direkt die Türen aufgemacht und die Wege geebnet“, betont Ebert.

Die SKG-Turnhalle ist mit 190 Plätzen etwas kleiner, und anfangs hatten die Bremser mit den Bedingungen zu kämpfen. Inzwischen machen sie sich den Raum während der Hochphase der Kampagne sehr schön. „Wir haben in Technik, Licht und Ton investiert. Die SKG hat den Bühnenaufgang optimiert. Die Zusammenarbeit läuft fantastisch“, so Ebert. Nachteile hat der Verlust des Bürgersaals aber bis heute: Die rund 120 Aktiven proben privat oder in den Räumen der katholischen Gemeinde St. Stephan. Die Bühnenbilder und alles, was es für eine gelungene Sitzung braucht, wird an verschiedenen Plätzen, teils auch privat, gelagert. Und bei den Sitzungen müssen die Gardemädchen mit ihren kurzen Kleidchen Ende Januar aus dem Anbau der Sporthalle raus in die Kälte, um an den Hintereingang der Bühne zu gelangen.

Aber all das kann die Bremser nicht beirren. Mit dem Bembelabend, Weiberfasching und den beiden „Nächten ohne Bremse“ bieten sie auch 2018 ein grandioses Programm auf hohem karnevalistischen Niveau – und das alles selbst gemacht, mit Lokalkolorit und ohne Redner teuer einzukaufen.

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