In der Tempelstraße entsteht derzeit ein Neubau, der nach Auffassung vieler Anwohner nicht in das Ortsbild passt.
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In der Tempelstraße entsteht derzeit ein Neubau, der nach Auffassung vieler Anwohner nicht in das Ortsbild passt.

Freunde Sprendlingens

"Brutale Eingriffe verhindern"

Nach Auffassung der Freunde Sprendlingens reichen die Regelungen des Baugesetzbuchs nicht aus, um Bausünden in der Altstadt zu verhindern. Deshalb plädiert der Verein wie auch Erster Stadtrat Martin Burlon für eine Gestaltungssatzung. Die Freien Wähler kritisieren den geplanten Supermarkt in der Hauptstraße.

Die Freunde Sprendlingens begrüßen das Ergebnis einer Untersuchung des Magistrats, wonach eine Gestaltungssatzung für die Sprendlinger Altstadt sinnvoll sein kann (wir berichteten). Eine solche Satzung sei von den Freunden Sprendlingens schon vor mehr als 30 Jahren gefordert worden. Das Baugesetzbuch besage, dass ein Bauvorhaben nur dann zulässig ist, wenn es sich nach Art und Maß in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und das Ortsbild nicht beeinträchtigt.

In der oberen Tempelstraße werde derzeit ein Flachdach-Neubau errichtet, der nach Auffassung vieler Anwohner das Ortsbild wesentlich beeinträchtige. Es sei ihnen unverständlich, dass dieser Bau – im Einvernehmen mit der Stadt Dreieich – vom Kreis genehmigt wurde. Mit dem Baugesetzbuch alleine könne offenbar nicht verhindert werden, dass „unsensible Bauherren und Architekten ihre Vorstellungen von modernem Bauen ohne Rücksicht auf das Umfeld durchsetzen“, so die Freunde Sprendlingens. Eine Gestaltungssatzung für die Sprendlinger Altstadt mache es einfacher, solche „brutalen Eingriffe in gewachsene bauliche Strukturen zu verhindern“. Der Verein fordert die Stadtverordneten daher auf, möglichst rasch eine Gestaltungssatzung auf den Weg zu bringen.

Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos), der sich in einem Brief an die Freunde Sprendlingens gewandt hat, teilt die Auffassung des Vereins. „Ich möchte die Darstellung der Freunde Sprendlingens ausdrücklich unterstützen, dass die derzeitige alleinig heranzuziehende Rechtsgrundlage des Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs vieles nicht verhindern kann“, so Burlon.

Der Magistrat habe sich mit dem Vorhaben in der Tempelstraße intensiv befasst, jedoch auch die rechtlichen Grenzen der Einflussnahme seitens der Kommune und des Landkreises erkennen müssen. Ein Instrument, die Diskrepanz zwischen baulicher Praxis und dem, was gemäß Baugesetzbuch derzeit als Maßstab gelte, zu verringern, sei eine Gestaltungssatzung. Allerdings bleibe eine jede Wahrnehmung und Bewertung auch künftig subjektiv.

Auch die Freien Wähler (FWG) Dreieich melden sich mit Blick auf die Sprendlinger Altstadt zu Wort. „Wir wollen vorrangig gutes Wohnen im Kern von Sprendlingen“, erklärt FWG-Vorsitzender Holger Gros in einem Schreiben an die Bürgerinitiative Altstadtbewohner. Dabei spricht sich Gros klar gegen die Planung eines großflächigen Einzelhandels auf dem Gelände der Hauptstraße 22-38 aus.

„Die gesamten Unverträglichkeiten der Bauleitplanung ,Neue Stadtmitte’ resultieren aus der Ideologie, einen Frequenzbringer in Form eines großflächigen Einzelhandels in der Innenstadt zu schaffen“, so die FWG. Übersehen werde dabei aber, dass ein solcher Vollsortimenter das Verkehrsaufkommen deutlich erhöhe und die räumlichen Voraussetzungen für einen Supermarkt solchen Ausmaßes nicht gegeben seien. Die jetzige Bauleitplanung sei ein Kraftakt zulasten der Anwohner.

Die Freien Wähler plädieren vielmehr für eine Wohnbebauung. Mit jeder Wohnung werde der Ortskern belebt, denn jeder Mensch, der dort lebe, frage Waren und Dienstleistungen nach und sei so der beste Frequenzbringer. „Geschäfte sind die natürliche Folgewirkung des Wohnens. Der Kraftakt eines großflächigen Einzelhandels ist nicht notwendig, um die Innenstadt zu beleben“, meint Gros.

(fnp)

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