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Von der Brutalität des Krieges

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Zwei Jahre lang hatten sich Jugendliche aus Europa mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs beschäftigt. Zum Abschluss trafen sie sich auf den Schlachtfeldern an der Somme.

Während des zweijährigen Comenius-Projekts „World War I and European Identity“ („Der Erste Weltkrieg und die europäische Identität“) wurden mit Partnerschulen aus Frankreich, England und den Niederlanden die Schrecken des Ersten Weltkriegs und die kulturellen Folgen für Europa – ebenso die mittlerweile enge Verbundenheit und Freundschaft der Völker – erforscht. Auch die Dreieicher Heinrich-Heine-Schule war dabei. Nun gab es ein Abschlusstreffen auf den Schlachtfeldern der Somme in Frankreich.

Nicht identifiziert

Der Ort dieses letzten Treffens wurde von Juni 1916 an sehr in Mitleidenschaft gezogen. Hauptsächlich England und Australien, Südafrika oder Neufundland schickten ihre Soldaten in den Krieg, um die die Deutschen aufzuhalten. Noch heute ist die Umgebung von Kratern und Schützengräben durchzogen. Immer wieder finden Bauern Minen auf den Feldern.

Entlang des Flusses Somme befinden sich nahezu alle fünf Kilometer Friedhöfe von Alliierten oder Deutschen. Oft konnten die Leichen aufgrund der groben Verstümmelungen nicht identifiziert werden, weshalb einfach nur der Vermerk „soldier“, also „Soldat“, auf den Grabsteinen zu lesen ist. Um den Schülern die Grausamkeit und Brutalität dieses Krieges vor Augen zu führen, wurde dieser Ort als letzte Begegnungsstätte des Projekts Identität gewählt.

Alle Teilnehmer wurden in der Kleinstadt Péronne, die im Ersten Weltkrieg nahezu gänzlich zerstört worden war, untergebracht. Am ersten Tag lernten die Schüler diese Stadt bei einer Rallye kennen und konnten das Ausmaß der Zerstörungen mittels der 100 Jahre alten Fotos erahnen. Danach wurde eines der größten Museen zum Ersten Weltkrieg in multinationalen Kleingruppen besichtigt. Die Teilnehmer hatten den Auftrag, sich eine Lebensgeschichte zu einem australischen Soldaten, einem französischen Jungen, einer englischen Frau oder einem deutschen Soldaten zur Zeit des Ersten Weltkriegs zu überlegen.

Größter Soldatenfriedhof

Nach der Theorie wurden die Projektteilnehmer mit der Realität konfrontiert. Entlang des Circuit de Souvenir besichtigten sie Friedhöfe, Denkmäler der Waliser und Neufundländer und einen 20 Meter tiefen Krater – ein Versuch der Engländer, die Schützengräben der Deutschen von unter der Erde aus zu bombardieren. Ziel war der größte Soldatenfriedhof der Gegend, das Denkmal von Thiepval, auf dem mehr als 72 000 Namen von gefallenen Soldaten eingemeißelt sind, die nie gefunden wurden. Einzeln traten die Jugendlichen vor und rezitierten in ihren Sprachen Propaganda-Zitate der Zeit, welche die Glorifizierung der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts veranschaulichten. Anschließend wurde das Lied „Mad world“ von Gary Jules angestimmt, das die Schüler anlässlich des Ereignisses selbst umgeschrieben hatten.

(fnp)

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