Magistrat will einige Anlagen aufgeben

Drei Sportplätze auf der Kippe

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Die Aussetzung der Sportplatznutzungsgebühren für die Vereine fordert ihre Opfer: Während der Magistrat die am stärksten genutzten Sportanlagen in der Stadt erhalten und teilweise umbauen will, sollen die Plätze des SV Dreieichenhain, des FV 06 Sprendlingen und des FC Offenthal aufgegeben werden.

Nach Jahren der Diskussion um die Sportplatznutzungsgebühr, Sitzungsrunden mit eigens gegründeter Sportplatzkommission und öffentlich geführten Auseinandersetzungen der Vereine, die keine Lösung hervorbrachten, legt der Magistrat nun einen Zukunftsplan für die städtischen Sportanlagen vor. Demnach will die Stadt Dreieich künftig auf jene Sportanlagen setzen, die am meisten genutzt werden. Das sind „An der Maybachstraße“ (Sprendlingen), „Breite Haagwegschneise“ (Dreieichenhain), „Rheinstraße“ (Götzenhain) und „Am Sportplatz“ (Offenthal). Um das Einsparpotential zum Wegfall der Nutzungsgebühren für die Vereine rückwirkend zum 1. Januar 2016 zu erreichen, müssen der Fußballclub Offenthal (FCO), der Fußballverein 06 Sprendlingen (FV 06) und der Sportverein Dreieichenhain (SVD) dagegen eine bittere Pille schlucken: Ihre Plätze sollen von der Stadt aufgegeben werden.

„Es wird auch kritische Stimmen geben, aber es hat keine einvernehmliche Idee gegeben, wie wir die Sportplatznutzungsgebühren vom Tisch bekommen“, sagt Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos). Er, wie auch Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD), hofft dennoch, dass die drei Plätze künftig nicht brach liegen, sondern die Vereine sie für einen symbolischen Euro pachten und die Pflege selbst übernehmen. Möglicherweise könnten auch andere Vereine die Plätze pachten. Für die Spielfelder des SVD und FCO stehen langfristig noch jeweils 11 500 Euro als Zuschuss im Haushalt, für den FV 06 sind 26 200 Euro eingeplant. „Der FV 06 ist ein Sonderfall, denn das Gelände ist sowieso schon seit 2009 an den Verein verpachtet“, erläutert Burlon. Für die Vereine wird das ein ordentliches „Päckchen“ zu tragen, denn bislang hat die Stadt mit Personal- und Sachleistungen 38 000 Euro in Dreieichenhain, 43 000 Euro in Offenthal und 78 000 Euro in Sprendlingen investiert.

Dafür soll sich auf den in städtischer Hand verbleibenden Plätzen einiges tun. Die Kommune plant, in Plätze und Funktionsgebäude zu investieren. Die Sportanlage „An der Maybachstraße“ ist mit Kunstrasen und Naturrasenplatz gut aufgestellt, beansprucht aber mit sehr großzügigen Nebenflächen, weitläufigen Stehtribünen und einer 400-Meter-Laufbahn samt Weitsprunggrube, die altersbedingt kaum noch nutzbar und auch nicht mehr sanierbar ist, viel Platz. Auch das Funktionsgebäude sei in einem nicht mehr zeitgemäßen Zustand und nicht mehr rentabel zu sanieren, so Burlon. Hier könnte der Platz mit veränderter Struktur besser nutzbar gemacht werden, um entlang der Maybachstraße Flächen für städtische Einrichtungen wie einen Kindergarten oder eine U 3-Betreuung zu schaffen. Um diese Möglichkeiten auszuloten, sind für die Beauftragung eines externen Büros vom Magistrat 15 000 Euro für den Nachtragshaushalt 2017 eingeplant.

Die Fußballplätze an der „Breite Haagwegschneise“ beim Turnverein Dreieichenhain (TVD) liegen zentral und werden schon jetzt vom TVD, SVD und dem Jugendfußballverein JFV 2014 genutzt. Neben dem Rasenplatz soll einer der beiden Tennenplätze in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden. Der Stadt stünde damit dann ein weiterer Kunstrasenplatz zur Verfügung, der mittels der zentralen Steuerung der Belegung auch von mehr Seniorenmannschaften genutzt werden könnte. Der zweite – nach Inbetriebnahme des Kunstrasenplatzes aufzugebende – Tennenplatz auf dieser Sportanlage könnte mit interessierten Vereinen in eine multifunktionale Rasenfläche umgewandelt werden, die neben Hobbyfußballern beispielsweise auch Cricket- und Baseball- beziehungsweise Softballspielern als Fläche dienen könnte.

Für den Bau des Kunstrasenplatzes in Dreieichenhain müssten die Stadtverordneten gemäß einer Kostenschätzung des Dienstleistungsbetriebs Dreieich und Neu-Isenburg, der auch mit der ausschreibungsreifen Planung des Platzes beauftragt werden soll, 900 000 Euro im Nachtragshaushalt bewilligen. Darin sind Planungs- und Abbruchkosten, Ausgaben für vorbereitende und begleitende Arbeiten sowie der Neubau einer LED-Flutlichtanlage enthalten.

Für den Götzenhainer Standort an der Rheinstraße sind zunächst keine Investitionen vorgesehen. Martin Burlon ließ gestern durchblicken, dass der Rasenplatz langfristig sogar aufgegeben werden könnte und die Fußballfelder an einer anderen Stelle – „möglicherweise“ an der Anlage des Handballsportvereins – zentralisiert werden könnten. Für das Gelände an der Rheinstraße habe die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung, bestehend aus Verwaltung, Magistrat und Stadtparlament, verschiedene Szenarien auf dem Plan. Die Anlage „Am Sportplatz“ in Offenthal sei in einem zeitgemäßen Zustand, so dass hier bis auf Weiteres keine Investitionen vorgesehen sind.

Für die Vereine bedeutet dies, dass die Sportplatznutzungsgebühr zunächst einmal rückwirkend zum 1. Januar 2016 vom Tisch ist. Allerdings behält sich der Magistrat in der Vorlage für das Parlament vor, die Aussetzung der Gebühren bis zum 31. Dezember 2018 zu befristen. „Wir weichen nicht von unserer Zielsetzung ab, zu konsolidieren. Wenn wir die geplanten Einsparungen nicht erreichen, können wir die Sportplatznutzungsgebühren auch nicht streichen“, betonte Bürgermeister Dieter Zimmer.

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