1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Offenbach
  4. Dreieich

Dreieich: Diese Bürger kämpfen um ihre Haltestellen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Forst

Kommentare

Kämpferisch geben sich die Mitstreiter der IG Dreieichenhain Pro Bus 661, hier an der Haltestelle Heckenweg.
Kämpferisch geben sich die Mitstreiter der IG Dreieichenhain Pro Bus 661, hier an der Haltestelle Heckenweg. © Leo F. Postl

Am 10. Dezember soll es soweit sein: Die Buslinie 661, die von Langen nach Dreieich über Neu-Isenburg bis nach Offenbach fährt, wird gestrichen. Haltestellen in Dreieichenhain werden nicht mehr angefahren. Doch eine Gruppe betroffener Anwohner will sich das nicht gefallen lassen.

Die alte Frau am anderen Ende der Leitung kämpft mit den Tränen: „Ich bin doch extra wegen der nahen Bushaltestelle vor drei Wochen hierher gezogen. Wie soll ich denn nun vom Fleck kommen?“, fragt die gehbehinderte Seniorin aus der Dreieichenhainer Wohnanlage Amselweg und appelliert: „Bitte kämpfen Sie weiter!“ Es sind Gespräche wie dieses am vergangenen Dienstag, die Petra Schoch-Schmitt in ihrer Mission bestätigen. Sie lautet: Kämpfen um den Erhalt der Haltestellen Säuruh, Heckenweg und Alter Friedhof im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain. „Wir werden hier abgehängt“, fürchtet die Rechtsanwaltsgehilfin.

Behinderte benachteiligt

Denn dass sowohl der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Betreiber als auch die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach – sie koordiniert den öffentlichen Nahverkehr im Kreis Offenbach – die betroffenen Bürger auf die Anruf-Sammeltaxilinie 66 (AST) verweisen, kann sie und ihre Mitstreiter keinesfalls beruhigen. Schließlich fahre das AST nur, wenn Fahrgäste eine halbe Stunde vorher anrufen. Zudem stehe es lediglich von 8.30 Uhr bis 18 Uhr zur Verfügung und verkehre sonntags gar nicht. Momentan, so rechnet Petra Schoch-Schmitt vor, komme man mit der Linie 661 von der Haltestelle Säuruh in zwölf Minuten direkt zum Bahnhof. „Zukünftig müssten wir Dreieichenhainer das Taxi rufen, zum Bahnhof Weibelfeld fahren und den Anschluss nach Langen nehmen. Das Ganze dauert dann 45 Minuten.“

Was für die einen noch als aufwendige Alternative durchgehen könnte, ist für die anderen ein Ding der Unmöglichkeit. Denn in die Sammeltaxen passen weder Kinderwagen, Rollatoren noch Rollstühle oder Fahrräder. Menschen mit Behinderung kämen so schlicht nicht mehr vom Fleck weg, warnt Petra Schoch-Schmitt. Davon betroffen wären sowohl die Bewohner der Altenwohnanlage als auch die Rollstuhlfahrer, die in behindertengerechten Wohnungen in der Staffordstraße leben. Derweil verteidigt RMV-Pressesprecher Maximilian Meyer gegenüber dieser Zeitung die Einführung der neuen Schnellbus-Linie, die den „Wünschen der großen Mehrheit der Fahrgäste“ entspräche. Die Fahrzeit der X83 verkürze sich gegenüber der bisherigen Linie 661 um bis zu 20 Minuten. „Mit dem stärkeren Fokus unserer Linie auf ihren regionalen Charakter entsprechen wir auch dem Nahverkehrsplan unseres lokalen Partners, der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach.“

Von dort kommt jetzt eine Botschaft, die nach leiser Hoffnung für die Leidtragenden der Linienstreichung klingt. Man werde, so Geschäftsführer Andreas Maatz, „überprüfen, wie sich die neue Linienführung entwickle – zusammen mit den Dreieicher Verkehrsbetrieben, die das Sammeltaxi betreiben und der Buslinie OF-64, die Dreieichenhainer Kinder zur Schule bringt. Wir werden uns die Situation in der kommenden Woche und in der Woche nach dem Fahrplanwechsel vor Ort anschauen“, so Maatz. Vorsichtig zuversichtlich stimmt Petra Schoch-Schmitt auch ein Treffen gestern mit Dreieichs Erstem Stadtrat Martin Burlon. „Es war ein gutes Gespräch.“

„Nicht 1:1 ersetzbar“

Das bekräftigt auch Burlon gegenüber dieser Zeitung. Er erinnert daran, dass die Stadt seinerzeit den Nahverkehrsplan des Kreises Offenbach abgelehnt habe. Nun versuche man, „für den Wegfall der RMV-Leistung in die Bresche zu springen, indem wir über unsere Verkehrsbetriebe ein Anrufsammeltaxi anbieten und morgens Schulbusse in diesem Bereich einsetzen“. Dies sei einerseits ein Zeichen, „dass es uns nicht egal ist, was da passiert“. Andererseits gehöre es „zur Ehrlichkeit, einzuräumen, dass dieses Angebot den Wegfall der Linie 661 nicht 1:1 ersetzen könne, da es nicht für alle Bürger geeignet ist, wie Senioren mit Rollatoren“. Das könne die Stadt leider aber auch nicht leisten. Allerdings kündigt Burlon an, die Situation nach dem Fahrplanwechsel genau zu beobachten. Um gegebenenfalls das eigene Angebot zu verbessern. Aber auch, „um zu sehen, ob die neue Situation uns nicht Argumente an die Hand gibt, um den zuständigen Stellen deutlich zu machen, dass die Streichung nicht richtig war“.

Ein Signal könne etwa sein, „wenn das Sammeltaxi-Angebot erkennbar nicht ausreiche“.

Auch interessant

Kommentare