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Gänsehautmoment für Museumsleiterin Corinna Molitor (Mitte) und ihre Mitarbeiterin Anna-Mala Kolaß: Sie bekamen von Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung, den Museumspreis überreicht.

Museumspreis

Dreieich-Museum erhält Preis in Höhe von 25 000 Euro - Geld soll in Kinderspielburg fließen

Engagement zahlt sich aus: Der Geschichts- und Heimatverein übernahm 2011 das Dreieich-Museum. Seither wurde es neu aufgestellt. Dafür gab es den Museumspreis.

„Das ist unser ganz persönlicher Museums-Oscar-Moment“, sagte Corinna Molitor, als sie gestern Nachmittag den Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen entgegennahm. Für möglich gehalten hatten es Molitor, ihre Mitarbeiterin Anna-Mala Kolaß und der Geschichts- und Heimatverein (GHV) Dreieichenhain kaum, dass das kleine Heimatmuseum den renommierten Preis gewinnt. Und doch reiht es sich nun ein in die Riege von ausgezeichneten Museen, zu der unter anderem Häuser wie das Deutsche Filmmuseum und das Museum Judengasse in Frankfurt zählen.

Zum einen würdigt der mit 25 000 Euro dotierte Preis, den die Stiftung gemeinsam mit den Museumverbänden Hessen und Thüringen vergibt, die im Mai 2017 eröffnete Dauerausstellung zur Stadtgeschichte. Zum anderen den Mut, den der GHV mit der Übernahme des Hauses bewiesen hat.

27 ehrenamtliche Helfer

„Niemand von uns wusste, wie wir eine Museumsträgerschaft schultern sollen“, erinnerte sich der Vorsitzende Detlef Odenwald. Das Unternehmen sei nur dank viel wechselseitigen Vertrauens zwischen Verein und Kreis gelungen, hebt er hervor. Auch auf die jährlichen Zuschüsse von Kreis und Stadt baut der Verein, der stets um Geld wirbt – und nichts geht ohne die 27 ehrenamtlichen Helfer.

Mit viel Engagement und Mut zur Neuausrichtung habe sich das Dreieicher Museum den Preis gesichert, sagt Jurymitglied und Museumsfachmann Gerhard Lenz. „Das Zusammenspiel von ehrenamtlichem Engagement und professioneller Kompetenz klappt hier hervorragend“, lobte er. Denn nicht nur in der Größe unterscheidet sich das Dreieich-Museum von seiner Konkurrenz, auch in einem grundlegendem Arrangement: 2011 hat der GHV das Heimatmuseum übernommen.

„Vorher durften wir mitreden, aber hatten keine Lasten. Das war eine schöne Situation“, sagte Odenwald. Dennoch wagte der Verein den Schritt und übernahm das Museum mit „sehr vielen unterschiedlichen Sammlungsstücken“. Zu den Exponaten in dem 50er Jahre-Haus gehörten damals noch Spinnrad und Küchengeschirr, erinnerte sich der ehemalige Dreieicher Bürgermeister und Kreistagsvorsitzende Bernd Abeln (CDU).

Haus auf Höhe der Zeit

Was Verein, Museumsleitung und Gestalter aus dem Gebäude gemacht haben, hat mit dem angestaubten Image eines Heimatmuseums nichts mehr zu tun: Helle, offene Räume begrüßen die Besucher, Exponate zeichnen den Weg vom Mittelalter bis zur Entstehung der heutigen Stadt 1977 nach.

„Mit der Neuaufstellung haben Sie ein Haus auf der Höhe der Zeit geschaffen“, würdigte Ulrich Adolphs vom Ministerium für Kunst und Wissenschaft. Denn multimediale Elemente wie Audioaufnahmen und Filme sind behutsam integriert. Da erzählt zum Beispiel ein virtueller Jakob Latscha auf Knopfdruck, warum er die Villenkolonie in Buchschlag gründete. Schönstes Kopfkino trete das Modell der Hayner Reitschul’ los, meinte Laudator Lenz: Die älteren Besucher erinnern sich an ihre Kindheit, die Jungen begeistern sich für das Pferdchen. Auch sonst macht das Museum Kindern Spaß.

Dem Nachwuchs kommt auch das Projekt zugute, dass das Dreieich-Museum mit dem Preisgeld verwirklichen will. „Die komplette Summe soll in eine Kinderspielburg fließen“, sagte Leiterin Molitor. Die einer Burg nachempfundene Holzanlage, für die insgesamt 70 000 Euro veranschlagt sind, soll noch diesen Sommer im Burggraben stehen. Sie ist Teil der Museumspädagogik, erklärte Molitor: „Wenn die Kinder sich austoben, kommen sie entspannter ins Museum.“ Auch abgesehen von diesem Projekt sprudeln die Ideen, betonen die Museumsmacherinnen. „Wir werden uns auf keinen Fall auf dem Preis ausruhen.“

von JULIA RADGEN

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