Sportplatznutzungsgebühr

Dreieich: Vereine finden keine Lösung

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Die Geduld aller Beteiligten in der Diskussion um die Sportplatznutzungsgebühr für Dreieicher Fußballclubs ist fast am Ende. Die Lösung dieses Problems wurde nun auf die zweite Magistratssitzung Ende März vertagt.

Die Diskussion um die Sportplatznutzungsgebühr für die Dreieicher Fußballvereine beschäftigt den Magistrat, die Vereine und die Parteien nun schon über Jahre. Langsam sollte eine Lösung her, denn bereits im Dezember 2013 hatte die Stadtverordnetenversammlung nach einem Gutachten der Kienbaum Unternehmensberatung beschlossen, 140 000 Euro für die Sportplätze einzusparen und eine Sportplatznutzungsgebühr zu erheben. Ein Paket, das die Vereine nicht tragen können und wollen. Denn obwohl die Vereine für die Reinigung der Sportanlagen selbst aufkommen und damit die Kosten bereits reduziert haben, bleiben die Belastungen für sie hoch. Viele Sitzungen der eigens gegründeten Sportplatzkommission, in der die Vereine ebenso vertreten sind wie die Dreieicher Fraktionen, brachten noch nicht den entscheidenden Durchbruch.

Ein von den Fußballern initiiertes Gutachten belegt, dass es in den fünf Stadtteilen zu viele Sportplätze mit zum Teil niedriger Auslastung gibt. Bei dem Vorschlag, zwei Plätze zu schließen, gab es von den betroffenen Vereinen dann auch einen Aufschrei. Richtig problematisch wurde es, als im März 2015 bekannt wurde, dass die in Aussicht gestellte Unterstützung der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM) nicht an die Vereine fließen werde.

Jetzt drängen Peter Helmich und Klaus Lenhardt, beide im Jugendfußballverein 2014 aktiv, auf eine schnelle Lösung. Aufgrund der gestrichenen Sponsorengelder sei der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für das Jahr 2015 voll umgesetzt worden und die Stadt habe den Fußballvereinen eine Rechnung von insgesamt 66 000 Euro präsentiert. „Somit beläuft sich der finanzielle Aufwand für die einzelnen Fußballvereine im Durchschnitt auf weit über 1000 Euro im Monat. Selbst die Jugendfußballvereine werden mit etwa 450 Euro pro Monat belastet“, erklären die beiden.

Die Kosten seien von den Vereinen nicht tragbar, gerade die Jugendfußballvereine könnten diese Summen nicht erwirtschaften. „Hat man in Dreieich vergessen, welchen sozialen und kulturellen Stellenwert die Fußballvereine haben? Man muss sich fragen, ob der Magistrat überhaupt noch Interesse am Amateurfußball in Dreieich hat. So macht Ehrenamt in Dreieich nicht wirklich Spaß. Man kann sich nur noch wünschen, dass jetzt schnell eine Lösung gefunden wird und auch die Sportanlagen in Dreieich für die Zukunft auf moderne Füße gestellt werden“, so Helmich und Lenhardt abschließend.

Wo stehen die Verhandlungen denn nun mit den Vereinen und den Parteien? Klar ist, eine Abschaffung der Sportplatznutzungsgebühren wird es nicht geben. „Es gilt die beschlossene Gebührensatzung“, betont SPD-Fraktionschef Rainer Jakobi. Es sei das Ziel der Stadtverordnetenversammlung, die laufenden Kosten langfristig zu reduzieren. Den Vereinen seien viele Hände gereicht worden, in der Sportplatzkommission wurde auf Wünsche Rücksicht genommen.

„Wir verzichten auf die Gebühr, wenn es einen anderen Weg gibt, die Einsparungen zu erzielen.“ Optionen gebe es, wie Plätze zu schließen oder Vereine zu übernehmen, so Jakobi weiter. Es habe in der jüngsten Sitzung einen Vorschlag für die Vereine gegeben, zu dem sie jetzt Stellung beziehen sollen. Eine ganz offizielle Variante dieses Vorschlags gibt es bislang nicht aus dem Rathaus. Aber es geht wohl um die Übertragung von Plätzen an die Vereine gegen ein Budget von der Stadt. Im Gespräch ist ein Platz in Dreieichenhain, einer in Offenthal und einer in Sprendlingen.

Heiko Lenhard, Vorstand vom Turnverein Dreieichenhain, deutete an, dass er mit dem Sportverein Dreieichenhain schon in Gesprächen sei. „Ich denke, wir könnten eine Lösung finden, wir wären auch bereit, auf einen unserer alten Hartplätze zu verzichten“, sagte Lenhard. Verhärtet sind die Fronten dagegen offensichtlich in Offenthal. Ein im Raum stehender Verzicht des Rasenplatzes des Fußball Clubs Offenthal (FCO) an der Sandkaut bringe den Verein an den Rand der Existenz, sagte FCO-Vorsitzender Peter Grundmann. Derzeit spielten nur die beiden verbliebenen ersten Mannschaften auf dem Gelände, in diesem Jahr sollen aber auch die Jugendmannschaften des Jugendfußballvereins Offenthal und Sprendlingen an der Sandkaut spielen. „Außerdem brauchen wir die Einnahmen aus dem Spielbetrieb, die wir mit Essen und Trinken erzielen. Wenn wir auch noch auf dem Platz bei der Sport- und Sängergemeinschaft Offenthal spielen müssten, wäre das Gedränge groß und die Belastung für den Platz immens“, so Grundmann. Über eine Übernahme des Platzes könne der FCO nachdenken. „Das wäre besser als der komplette Verlust dieses schönen Platzes. Mit einem angemessenen Budget von der Stadt müssen wir das berechnen“, so Grundmann weiter.

Die Auseinandersetzung mit den konkreten Kosten sei bislang noch nicht geschehen, kritisierte CDU-Fraktionsmitglied Joachim Greul, der für seine Fraktion in der Sportplatzkommission sitzt. Dass die politische Diskussion um die Sportplätze durchaus noch spannend wird, deutet sich im Gespräch mit Greul an: „Eigentlich wäre es schizophren, ausgerechnet den FCO-Platz aufzugeben. Denn schließlich spielt die erste Mannschaft des Vereins in der höchsten Liga aller Dreieicher Vereine – ausgenommen dem SC Hessen“, sagte der Offenthaler. Auch er betonte, dass eine Entscheidung herbeigeführt werden müsse: „Es wird Zeit, dass das Thema vom Tisch kommt.“

Peter Graff von den Grünen, der einen Sitz in der Sportplatzkommission hat, hatte gemeinsam mit Alexander Kowalski (FDP) versucht, als Mediator zwischen den Sportvereinen zu vermitteln. Jetzt hofft er, dass die Politik eine gemeinsame Entscheidung treffen kann. Falls nicht, habe er einen fertigen Antrag „in der Schublade“.

Der Antrag des Magistrats soll jetzt Klarheit und eine Lösung bringen. Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) kündigte an, dass die Vorlage leider nicht, wie ursprünglich vereinbart, in der ersten Sitzungsrunde, am 21. Februar, komme, sondern erst Ende März zur zweiten Sitzungsrunde.

Dass die Vereine intern einen Konsens finden und eine Lösung präsentieren, damit rechnet der Stadtrat nicht mehr. „Das ist kein Vorwurf, vielleicht sind die Ideen der einzelnen Vereine einfach zu individuell.“ Sicher sei aus städtischer Sicht, dass an den Konsolidierungsplänen festgehalten werde.

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