Peter Seidel

Erich-Kästner-Schulleiter fällt der Abschied schwer

Fast 30 Jahre lang war Peter Seidel der Leiter der Erich-Kästner-Schule. Mit 69 Jahren soll jetzt Schluss sein. Am 31. Januar wird er verabschiedet.

Wenn Peter Seidel durch das Schulgebäude oder den Schulhof eilt, kommt er nicht weit. Kinder grüßen ihn, Eltern fragen, wie es ihm geht und die Kolleginnen haben einen kurzen Redebedarf. Für jeden von ihnen hat der Pädagoge ein nettes Wort, ein Lächeln oder auch fachliche Hilfe. Seit 1989 ist der studierte Mathe-, Chemie- und Physikpädagoge Schulleiter an der Erich-Kästner-Schule in Sprendlingen. Schon vor zehn Jahren hätte er aufhören können, 2013 hat er schon fast Abschied gefeiert – und jetzt, mit 69 Jahren ist endgültig Schluss.

„Ich habe fünf Mal über das Hessische Kultusministerium verlängert, jetzt nehme ich meinen Hut“, sagt Seidel lächelnd, aber er schiebt sofort hinterher: „Es fällt mir so schwer.“ Und das nimmt man ihm auch sofort ab. Die Arbeit mit Kindern ist für ihn viel mehr als Beruf, es ist Berufung. „Sie geben mir meine Wertschätzung ihnen gegenüber sofort zurück“. Das große Glas auf dem Schreibtisch im Büro des Schulleiters fällt sofort ins Auge. Darin sind süße Köstlichkeiten aufbewahrt – und noch viel wichtiger: In bunten Lettern steht darauf geschrieben „Ich mag dich so“.

„Wenn hier mal ein Kind sitzt, das sich gerade verletzt hat, oder auch eines, das vielleicht etwas ausgefressen hat, so schlimm, dass es zum Direktor muss. Dann gibt es auch mal eine Süßigkeit. Dann reden wir und finden eine Lösung.“ Kinder, so sagt er, brauchen heute vor allem eines: Zuverlässigkeit des Bezugsraums und emotionale Wärme. Und diese beiden Werte schaffe er vor allem durch ein gutes und vertrauensvolles Klima zwischen den Schülern, dem Kollegium und den Eltern. Damit hat die Erich-Kästner-Schule in fast 30 Jahren mit Peter Seidel als Schulleiter eine große Entwicklung genommen. Die Schule hat mit Unterstützung der Volkshochschule zunächst Hausaufgabenhilfe angeboten, heute sind feste Öffnungszeiten, verlässliche Betreuung am Nachmittag, ein täglich frisch gekochtes Mittagessen und Förderstunden am Nachmittag durch die Lehrer Standard an der Sprendlinger Schule. Mit der Gründung des Fördervereins und der guten Zusammenarbeit konnte ein abwechslungsreiches Nachmittagsprogramm für die 300 Schüler gestemmt werden. Qualität geht Seidel immer vor Quantität.

„Kinder müssen sich wohlfühlen, um motiviert lernen zu können“, ist der Pädagoge überzeugt. Die Erich-Kästner-Schule ist heute offene Ganztagsschule im Profil zwei. „Das ist ein Konzept, wie es mir es gefällt. Wir haben das umfassende Angebot ohne am Nachmittag verpflichtend zu sein.“

Seine persönliche Lehrerlaufbahn startete Peter Seidel schon früh. Bereits als er zehn Jahre alt war, hat er für 50 Pfennig Nachhilfeunterricht gegeben. Nach dem Abitur in Offenbach folgte das Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und Realschule und seit 1971 ist er im Schuldienst. Er hat eine Förderstufe aufgebaut, hat zehn Jahre „knackige Hauptschule“, wie er selbst nennt, erlebt und dabei viel gelernt, wurde Konrektor der Goetheschule in Mühlheim und wechselte nach Sprendlingen. Er hat viel Engagement in die Ausbildung von jungen Kollegen investiert.

Vom 31. Januar an – natürlich nach einer rauschenden Abschiedsparty – soll endgültig Schluss sein. „Ich fürchte mich nicht, ich werde keine Langeweile haben“, ist er sich sicher. Der sehr agile Seidel ist Schlagzeuger in zwei Bands und Kickers Fan. „Ich liebe außerdem Museumsbesuche, dazu werde ich jetzt hoffentlich endlich mehr Zeit finden“, so der scheidende Schulleiter.

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