Ermittler im Zeugenstand

  • vonWalter Scheele
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Beim Prozess gegen ein Ehepaar geht es um angeblichen Steuerbetrug in Millionenhöhe. Mit einem Ende des Prozesses ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen.

Auf einen Prozess-Marathon selten erlebten Ausmaßes stellt sich die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Darmstadt ein. Es geht um den angeblichen Millionenbetrug um ein Pharmaunternehmen in Dreieich. Finanzamt und Kripo hatten einen anonymen Tipp erhalten. Im Raum stand eine Summe von mehr als 115 Millionen Steuern, die dem Fiskus entgangen sein sollen.

Woher der Tipp gekommen ist, steht in den Sternen. Vorsitzender Richter Marc Euler ist nur in einem Punkt sicher: „Bis Dezember werden wir wohl nicht fertig werden.“ Begonnen hat der Prozess mit der Anklageverlesung am 4. Juni. Auf der Anklagebank sitzen eine 53-jährige Frau mit Wohnsitzen in Moskau und Langen sowie ihr Ehemann. Über die Privatkonten der Frau und eine Firma ihres Ehemanns (54) soll nicht nur der Handel mit den Medikamenten aus Dreieich, sondern auch der Vertrieb im ganzen Ostblock abgewickelt worden sein. Dafür hatte die Frau alle Vollmachten des Pharmaunternehmens, Firmen zu gründen, Konten zu eröffnen und hohe Summen zu transferieren.

Was sie mit ihrem Ehemann weidlich ausnutzte, sagt die Anklage. Über von dem Paar kontrollierte Konten liefen Millionensummen bei Banken in Lettland, Litauen und als Steueroasen bekannten exotischen Inseln.

An den beiden Verhandlungstagen dieser Woche berichteten Ermittler über die Geschäftsabläufe in Dreieich und in Moskau. Dabei erhärtete sich, deren Angaben nach, der Verdacht, dass die Geschäftsleitung ebenso wie der Aufsichtsrat des Unternehmens in Dreieich über Details dieser Geschäfte und ihrer Abwicklung genau informiert gewesen sein müssen. „Ohne das Wissen der Chefs konnte das nicht laufen“, sagte ein Zeuge eher beiläufig. Der Prozess wird im November fortgesetzt.

(sc)

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