Bürgermeisterwahl Dreieich

Erster Schlagabtausch der Bewerber um den Chefsessel

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Die vom Jugendparlament organisierte Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten fiel wenig konfrontativ aus. Dennoch bezogen die Amtsanwärter zu einigen Punkten klar Stellung. Die Schüler hatten sich gut vorbereitet.

Es ist das erste Aufeinandertreffen aller vier Kandidaten zur Bürgermeisterwahl – Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt (CDU), Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos), Christian Kurz (parteilos) und Thomas Schüller (parteilos) stellten sich auf Einladung des Jugendparlaments den Fragen der Dreieicher Jugendlichen. Die Podiumsdiskussion der Bewerber um das Amt des Rathauschefs im Bürgerhaus fällt nicht unbedingt durch kritische Auseinandersetzungen oder scharfe Trennungen in der Haltung zu den unterschiedlichen Themen auf, aber die Kandidaten vermeiden es alle vier, zu den Wünschen der Jugendlichen große Versprechungen abzugeben.

Rund 450 Jugendliche aus den Jahrgängen sieben bis zehn der drei weiterführenden Schulen in der Stadt (Ricarda-Huch-, Weibelfeld- und Heinrich-Heine-Schule) sowie einige Erwachsene folgen der Diskussion interessiert und stellen spannende Fragen. Die anschließende „inszenierte Wahl“ über ein Online-Portal fällt bei 141 abgegeben Stimmen mit 90 Stimmen klar für Burlon aus, Schmitt wird von 20 Schülern gewählt, Kurz bekommt 19 Stimmen, Schüller 12.

In der gut von den Mitgliedern des Jugendparlaments vorbereiten Diskussion haben Schmitt, Burlon, Kurz und Schüller Gelegenheit, sich mit einem Eingangsstatement kurz vorzustellen und dann zu den Themen Digitalisierung, Sport und Freizeit, Jugendbeteiligung sowie Verkehr und Mobilität Stellung zu beziehen. Anschließend sind Fragen der Jugendlichen erlaubt.

Zum Thema Digitalisierung steht schnell das freie WLAN in der Stadt im Mittelpunkt. Burlon erklärt, dass schon bald ein Pilotprojekt für die Altstadt von Dreieichenhain startet, dass in der Stadt eine punktuelle Versorgung mit freiem Zugang zum Internet gewünscht ist, aber eine Realisierung flächendeckend ein schöner Traum bleibe. Auch Schmitt berichtet vom vorliegenden Antrag im Parlament und dem Wunsch, Sponsoren mit ins Boot zu holen. Kurz, als Inhaber einer Digitalagentur ein Profi auf diesem Gebiet, fordert eine engere Zusammenarbeit mit den Gewerbevereinen und erläutert, dass die Einrichtung von WLAN-Hotspots günstiger werde, wenn es mehr seien. Schüller kündigt an, er werde sich als Bürgermeister mit den Fachleuten zusammensetzen und für dieses wichtige Thema eine Lösung finden.

Die Forderung der Jugendlichen nach mehr Sporthallen und -plätzen lehnen alle Kandidaten aus Kostengründen ab. Burlon plädiert für die Modernisierung bestehender Anlagen. Er sei schon dabei, auszuloten, wie die bestehenden Hallenkapazitäten durch bessere Planung sinnvoller zu genutzt werden könnten. Schüller betont, dass der Bau einer neuen Halle zwischen drei und sechs Millionen Euro koste – plus die Unterhaltung. Das sei Geld, dass die Stadt nicht habe. Schmitt erinnert dran, dass die Fußballer in der Stadt mit dem Neubau eines Kunstrasenplatzes in Dreieichenhain schon ganz glücklich sind.

Der Frage nach einer Parkour-Anlage für die Jugendlichen stehen alle Bewerber positiv gegenüber. Hier punktet Kurz mit einer guten Übersicht zu den Kosten. Burlon und Schmitt betonen, dass es gelingen sollte, die Differenz von 30 000 Euro – den gleichen Betrag würde auch die Stadt übernehmen – über Sponsoren einzuwerben.

Einen einzigen Punkt gibt es, in dem sich die Kandidaten voneinander deutlich unterscheiden: die Frage nach einer parlamentarischen Beteiligung des Jugendparlaments. Während Burlon und Schmitt einem grundsätzlichen Antragsrecht kritisch begegnen, fordert Schüller ein solches Recht. Kurz will die Anliegen der Jugendlichen über einen kurzen Dienstweg und eine offene Tür des Bürgermeisterbüros lösen. Burlon kann sich zumindest ein „Agreement“ für ein Vorschlagsrecht des Jugendparlaments für ein Jahr auf Probe vorstellen. Schmitt verweist auf das Rederecht in der Bürgersprechstunde, sieht ein Antragsrecht wegen des ohnehin engen Zeitplans in den Ausschüssen und im Parlament kritisch.

Zum Thema Mobilität, Verkehr und Klimaschutz werben Burlon und Schmitt für mehr Radfahren. Schmitt fordert ein Verkehrskonzept für Sprendlingen und ganz Dreieich, Burlon erwidert, dass sich die Verwaltung damit bereits beschäftige. Das langfristige Ziel müsse es sein, mehr Verkehr auf ÖPNV und Fahrrad zu verlagern, umso für Entspannung besonders in Sprendlingen zu sorgen.

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