Ausstellung

Formen bewusst wahrnehmen

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Klaus Schneider setzt sich intensiv mit japanischer Lyrik auseinander. Daraus hat er seine Haiku-Arbeiten entwickelt, die derzeit im Dreieich-Museum zu sehen sind.

Die Bilder an den Wänden des Dreieich-Museums sind bestimmt von klaren Linien, manchmal zarten Farben, dann wieder kräftigeren Tönen. Und sie haben eines gemeinsam: Sie bestehen aus 17 Einheiten und 17 Farben.

Der Frankfurter Künstler und Kunstdozent Klaus Schneider zeigt im Jubiläumsjahr der Dreieicher Kunsttage seine Ausstellung „Haiku – wort bild klang“. Schon seit den 1990er Jahren und seit 2010 setzt sich der Künstler sehr intensiv mit der japanischen Lyrik auseinander. „Als Student der Philosophie und der Germanistik hat mich die Sprache und die Kunst in 17 Silben einen poetischen Ausdruck zu finden sehr interessiert. Deswegen habe ich mich künstlerisch damit auseinander gesetzt, weiter geforscht und meine Arbeiten daraus entwickelt“, erläutert der Künstler.

In den 1990er Jahren verarbeitete Klaus Schneider Haikus in den Bildern als Text in Blindenschrift. Mit der Wiederaufnahme der Arbeiten zu Haiku im Jahr 2010 hat sich das geändert: „Ein Haiku-Gedicht erzählt keine Geschichte, sondern evoziert einen aufgeladenen, einen poetischen Moment; es geht nicht um die Übermittlung einer Botschaft oder Information, sondern um die intensive und bewusste Wahrnehmung einer Form“.

Seine neuen Haiku-Arbeiten funktionieren nach demselben poetischen Prinzip. In ihre formgebende Struktur wurde die Regel der Beschränkung auf 17 Einheiten übernommen, ebenso die Vorgabe der Aufteilung in drei „Abschnitte“ im Schema 5-7-5. „Den Bildgegenstand bestimmen immer 17 farbige oder schwarz-weiße Elemente – Linien, Flächen Kreise, Flecken – teils mit, teils ohne Hintergrund oder Zwischenräume“, erläuterte Heike Roller. Sie hielt die Einführungsrede. Die Ausstellung in den hellen Räumen des Dreieich-Museums zeigt die konzeptionellen Arbeiten von Klaus Schneider, zum Teil dreidimensional auch als Skulptur und auf einige kleinere Skizzen und Vorarbeiten zu den Haikus. „Die Werke haben nichts mit einer Faszination für Japan zu tun, sondern viel mehr mit der Faszination für die Sprache“, erklärt Klaus Schneider. Er habe sich mit den Haikus mit seinen künstlerischen Grundfragen nach dem Zusammenhang von Wahrnehmung und Sprache beschäftigt und die Bilder illustrieren keinen Text, sondern bilden ein eigenständiges Kunstwerk.

Die Ausstellungseröffnung war sehr gut besucht und der Künstler stellte sich den vielen Fragen der Vernissagebesucher und erklärte gerne seine Werke.

In einem nächsten Schritt hat Klaus Schneider, der in Frankfurt und Gießen auch schon an den Universitäten gelehrt hat, seine Haikus vertont. Die Uraufführung dieser Kunstwerke ist ebenfalls in Dreieich: am 15. Mai um 20 Uhr spielt Megumi Kasakawa die Haikus mit der Bratsche im Museum, Klaus Schneider liest dazu.

Die Haiku Ausstellung ist noch bis 31. Mai im Dreieich-Museum zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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