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Freiheit und Familie sind Max Mutzkes Glück

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Ein Castingshow-Gewinn muss nicht mit einer Eintagsfliegen-Karriere enden – und Max Mutzke ist der beste Beweis dafür. Nach seinem Erfolg bei „Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“ im Jahre 2004 hat er sich längst in der deutschen Poplandschaft etabliert. Mit Michael Forst sprach Mutzke über Heimatgefühle auf Rastplätzen, Lust am Mischen musikalischer Farben und seine Liebe zu den Burgfestspielen, wo er am 26. Juli auftreten wird.

Ein Castingshow-Gewinn muss nicht mit einer Eintagsfliegen-Karriere enden – und Max Mutzke ist der beste Beweis dafür. Nach seinem Erfolg bei „Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“ im Jahre 2004 hat er sich längst in der deutschen Poplandschaft etabliert. Mit Michael Forst sprach Mutzke über Heimatgefühle auf Rastplätzen, Lust am Mischen musikalischer Farben und seine Liebe zu den Burgfestspielen, wo er am 26. Juli auftreten wird.

Max Mutzke, wie sehr nervt es Dich, wenn Leute Deinen Namen hören und sagen: „Max Mutzke, das ist doch der aus der Casting-Show mit dem Raab . . .“?

MAX MUTZKE: Nerven tut es mich nie. Wobei darüber leicht vergessen wird, dass ich viel mehr Jahre meiner Karriere ohne Stefan Raab bestritten habe. Aber der Zeit habe ich ganz viel zu verdanken. Der Name Max Mutzke ist durch diese vehemente Werbe-Zeit, dem Grand Prix und der Show davor richtig bekannt geworden. Dazu hatten wir das große Glück, einen Song zu haben, der ein Evergreen in Deutschland geworden ist, den alle mitsingen können und der auf allen Radiostationen bis heute gespielt wird. Andererseits liegt das alles so weit zurück wie mein Abitur. Und über mein Abitur spreche ich ja auch nicht mehr.

Von außen betrachtet, erscheint Deine Abkehr vom Erfolgsgaranten Stefan Raab nach zwei gemeinsamen Alben wie ein sehr mutiger Schritt. Wie viele Menschen haben Dir damals davon abgeraten?

MUTZKE: Meine inneren Stimmen waren die stärksten, die auch dagegen gesprochen haben. Es hätte ja auch der Anfang vom Ende sein können, diese ganze Maschinerie dahinter mit den Redakteuren, Anwälten und Sendungen zu verlassen. Aber wenn der Leidensdruck zu groß wird, ändert man einfach Dinge. Auch wenn man dafür aus der Komfortzone raus muss. Es war aber nie etwas Persönliches, Stefan und ich haben uns davor und danach immer gut verstanden. Aber Stefan hatte damals gerade „Schlag den Raab“ entwickelt, zusätzlich zu seiner Daily Show und den anderen Sachen, die er machte. Ich merkte, dass er keine Zeit mehr für mich hatte und wollte kein Hobby für ihn sein. Nach diesem Schritt hat es sich für mich schnell eingerenkt und gut angefühlt.

Du wagst oft Neues: Für das selbst produzierte Jazz-Album „Durch Einander“ 2012 hast Du den Jazz-Award in Platin erhalten. Du bist mit Klaus Doldingers legendärer Band aufgetreten, hast vor zwei Jahren ein Album mit der NDR Radiophilharmonie aufgenommen und mit Rapper Eco Fresh im Duett gesungen. Wie wichtig ist es, sich selbst neu zu erfinden?

MUTZKE: Neue Dinge auszuprobieren, zieht sich durch mein ganzes Leben. Beim Essen beispielsweise waren meine Eltern immer experimentierfreudig, und ich bin es ebenso. Wenn etwa jemand im Urlaub am Strand stand, einen noch zuckenden Seeigel in der Mitte durchhackte, Zitrone drauf träufelte und uns einen Löffel hinhielt, drehten sich alle Kinder weg. Außer mir, ich bin nach vorne gesprungen und habe probiert. So ist es auch mit der Musik: Ich liebe es, Stile zu mischen wie Farben. Diese Freiheit und Abwechslung machen mich glücklich. Wobei das immer meine eigenen Songs sind, vom gelegentlichen Cover mal abgesehen.

Neugier auf die unterschiedlichsten Gerichte ist ja das eine. Aber Du hast doch auch ein musikalisches Leibgericht . . .

MUTZKE: Genau, das ist meine Musik mit den Jungs von ,monoPunk’ aus Holland. Das ist ein Rhythm ’n’ Blues-Trio, wie ich es in Deutschland noch nie gehört habe. Das sind krasse Typen. Aber wenn Du Lasagne liebst, isst Du die drei Tage. Am vierten Tage hast Du Lust auf was anderes.

Wer sind Deine musikalischen Vorbilder?

MUTZKE: Vorbilder ist ein schwieriges Wort, weil es danach klingt, dass man so sein will wie jemand anderes. Aber es gibt unglaubliche Inspirationsquellen wie Otis Redding, James Brown, Marvin Gaye, Donny Hathaway oder Stevie Wonder. Diese hellen, gesegneten Stimmen haben mich immer inspiriert. Aber nicht nur Sänger tun das. Eigentlich bin ich ja Schlagzeuger und habe auch in Instrumentalisten meine Vorbilder gesehen: Klaus Doldinger mit seiner Filmmusik etwa. Entsprechend war es ein Ritterschlag, von ihm gefragt zu werden, ob wir zusammen spielen können. Aber auch ein Nils Landgren an der Posaune, Trompeter Chet Baker oder Charlie Parker am Saxofon haben mich immer wieder beeindruckt.

Du hast einmal gesagt: „Mein Heimweh ist größer als mein Fernweh“. Wie wichtig sind Dir Heimat und Deine Wurzeln im Schwarzwald?

MUTZKE: Heimat ist ein Gefühl. Wenn ich von einer Tour nach Hause komme und meine Familie ist nicht da, ist das Haus für mich wie das nächste Hotelzimmer. Oder Du bist nachts im Tourbus mit deiner Band unterwegs, hältst an einer Raststätte und denkst: „Hey, da vorne auf der Bank habe ich mit meiner Familie mal eine Pause eingelegt. Und auf dem Tisch dort haben wir unser Kind gewickelt.“ Dann kann sogar ein Rastplatz Heimat sein. Plötzlich spürst Du eine Wärme in Dir aufsteigen.

So klingt ein leidenschaftlicher Vater . . .

MUTZKE: Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und mir war immer klar: Ich wollte selber eine Riesenfamilie gründen und das Leben haben, das damit verbunden ist: Bunt, krass und emotional. Als ich noch keine Kinder hatte, war meine Karriere der Stamm – alles andere hing daran. Wenn die Karriere mal gewackelt hat, wackelte gleich der ganze Baum. Ich hatte immer Angst: Wenn der Blitz einschlägt, ist dein Leben zu Ende. Als wir Eltern wurden, war der Stamm sofort ersetzt durch die Familie. Mein Baumstamm steht total fest, mit starken Wurzeln – da könnte die Karriere noch so wackeln.

Was empfiehlst Du heute einem Nachwuchsmusiker, der bekannt werden will: Castingshow, YouTube-Channel oder die Ochsen-Tour durch die Clubs?

MUTZKE: Es muss kein Entweder-Oder sein. Aber man muss schon wissen: Was will ich überhaupt? Den schnellen Aufstieg oder eine langlebige Musikerkarriere? Bei vielen Castingshows ist es das Schlimmste, wenn du gewinnst. Denn dann wirst du immer auf dieses Format reduziert. Bei den allermeisten Shows verschwinden die Sieger noch vor der ersten Tour, weil sie nicht genug verkaufen.

Am 26. Juli spielst Du bei den Burgfestspielen. Ihr habt eine besondere Beziehung zur Veranstaltung . . .

MUTZKE: Ja, ich fühle mich den Burgfestspielen emotional sehr verbunden. Das liegt an den wahnsinnig netten Veranstaltern, die uns seit Jahren ihr Vertrauen schenken. Außerdem hatten wir dort immer dieses unglaublich gute Wetter. So stabil, wie unser Sommer gerade ist, wird es auch diesmal so sein.

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