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Von gelungenen Sanierungen und Passivhaus-Neubauten

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Beim „Tag der Architektur“ gab es in den Landkreisen Groß-Gerau und Offenbach viel zu entdecken. Präsentiert wurden unter anderem Schulgebäude und Privathäuser.

Das neue Schulgebäude der Bertha-von-Suttner-Schule, die sich zwischen den beiden Stadtteilen Mörfelden und Walldorf sozusagen „im freien Feld“ befindet, steht schon und wird von Lehrern und Schülern genutzt. Weil es modern ist und es sich um ein Passivhaus handelt, führte der Architekt, Diplom-Ingenieur Tom Nieper aus Darmstadt, am „Tag der Architektur 2015“ an zwei Tagen Besucher durch das Gebäude.

In den breiten Fluren, Klassenzimmern mit Smartboard, das die frühere Tafel ersetzt und Kreide überflüssig macht, dem Schüleraufenthaltsraum bis zu „Raum 002“, dem „Lehrerstützpunkt“, konnten die Anwesenden schauen, anfassen und Fragen stellen. Einige drehten sich um die Raumakustik, andere um das Heizen während der kalten Jahreszeit. Die Passivbauweise hat es möglich gemacht, die Heizkörper auf ein Minimum zu reduzieren. „Warm im Winter, kühl im Sommer“, konstatierte Architekt Nieper. Schallschutzbewährt habe sich die eingebaute Rasterdecke, Vorteile bringe die Lüftungsanlage. Das Gebäude sei „wie vom Kreis Groß-Gerau bestellt“, der für die Immobilien der Schulen, sofern keine einene Schulträgerschaft besteht, zuständig ist. Und bestellt worden war für die größte Schule im Kreis ein Passivhaus, das schon von außen seine Eigenheiten offenbart. Eine glasverschalte Überdachung, umrahmt von bunten Lamellen, ziert den Haupteingang, helle Töne, grauer Beton und eine stark dominierende Farbe, nämlich rot, bemühen die Augen des Betrachters im Inneren.

„Wir lagen gut in der Kostenrechnung, in einem Fall sogar knapp darunter“, erklärte Nieper. Anhand der Baupläne erläuterte er die Dachkonstruktion. Stefan Hirschfeld, selbst Architekt von Beruf, vom Amt für Projektentwicklung und Bauen/Hochbauamt Mainz, war einer der Besucher. Er wollte sich inspirieren lassen und bemerkte, dass „überraschenderweise die Anforderungen an den Brandschutz von Bundesland zu Bundesland offensichtlich unterschiedlich ausgelegt“ würden.

Im Kreis sitzen

Die Schüler sitzen während des Unterrichts auf roten Bürostühlen, rollbar, nicht ganz leicht, und nach allen Richtungen zu kippen. Die Zimmerdecke verläuft zum Teil schräg. „Es handelt sich hierbei um ein geneigtes Betondach, das sehr selten in dieser Form gebaut wird“, sagte der Konstrukteur und erläuterte die Vorteile. Die großen, runden Tischgruppen in den Freiflächen außerhalb der Unterrichtsräume habe er speziell für die Bertha von Suttner-Schule entworfen. Dort könnten die Schüler ausnahmslos „in einem Kreis sitzen“.

„Diese kleinen Nischen, quasi als Außenerweiterung der Klassenzimmer, werden von den Schülern gut angenommen und genutzt“, meinte Heike Buth. Sie ist Fachbereichsleiterin mit einem Arbeitsplatz im neuen Gebäude. „Es ist toll hier. Welch ein Unterschied zu den zwei vergangenen Jahren in den beengten Containern“, freute sie sich. Übergangsweise mussten Lehrer und Schüler der „Bertha“ in Behelfsbauten ihren Unterricht abhalten – bei dauerhaft hohem Geräuschpegel und Kälte im Winter. Das sei nun glücklicherweise vorbei. In den offen gestalteten Außenbezirken, die ebenfalls als „Arbeitskerngebiete“ angesehen werden, würden sich jetzt die Klassen untereinander mischen und austauschen. „Das Gebäude ist wunderbar. Wir sind alle nach wie vor begeistert“, sagte Heike Buth.

Schönes Zuhause

Auch in Dreieich gab es einiges zu sehen. Etwa die große, offene Küche mit einer Kochinsel mit matter Edelstahlplatte, Induktionsherd und eingebautem Teppanyaki, das offene Wohnzimmer, die Kinder- und Elternschlafzimmer, die aus jedem Raum bodentiefe Fenster raus in den wunderschönen Garten haben. Die Familie Grundmann hat ein wunderschönes Zuhause. Am Sonntagnachmittag öffnete sie zum „Tag der Architektur“ ihre Haustür in Buchschlag. Professionell geführt von den Architekten Harald Rikens und Markus Vettermann flanierten rund 70 Interessierte durch die Räume der vierköpfigen Familie.

Rund ein Jahr hat das Dreieicher Architektenduo an dem Haus der Familie gebaut. Bewusst hatten sich die Grundmanns gegen den Abriss des Gebäudes, das aus den 1970er Jahren stammt, entschieden. „Die Bausubstanz war sehr gut und das Haus auch praktisch geschnitten“, erklärte Markus Vettermann. Der „Tag der Architektur“ sei bestens dazu geeignet, genau solche Objekte zu zeigen: „Das ist ein Wohnhaus, das wir mit normaler Architektur – wir zeigen hier ja kein Hochglanzprojekt – zu einem schönen Zuhause gemacht haben.“

Die Gäste erfreuten sich an den großen, hellen Bodenfliesen und dem geölten Eiche-Parkett, das sich im ganzen Haus wiederfindet. Die Aufteilung des Obergeschosses ist mit den beiden Kinderzimmern und einem Kinderbad für die beiden Söhne sehr praktisch. Die Eltern schlafen im hinteren Areal. Deren Badezimmer ist etwas größer und mit frei stehender Wanne, einer frei begehbaren Dusche sowie einer Sauna ein besonders Schmuckstück. Bad und Schlafzimmer sind getrennt von einem begehbaren Kleiderschrank, der sehr bewundert wurde – wohl der Traum jeder Frau.

Die konkreten Fragen zu technischen Lösungen, zu den Bodenbelägen oder auch dem großzügigen Einbauschrank im Flur verrieten, dass es besonders zukünftige oder aktuelle Bauherren waren, die den „Tag der Architektur“ nutzten, um einmal hinter die sonst verschlossenen Türen einer gelungenen Sanierung zu schauen.

(vaw,njo)

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