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Plakativer Protest: Anwohner setzen sich gegen das geplante Neubauprojekt in einer Sackgasse der Straße Am Alten Berg zur Wehr.

Bebauungsplan gefordert

Geplantes Neubauprojekt in der Straße Am Alten Berg stört Nachbarn

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Ein geplantes Sechsfamilienhaus Am Alten Berg in Götzenhain sorgt für Ärger. Anwohner monieren, dass ein Bau dieser Dimension nicht in die Umgebung passt, und fürchten, dass das Projekt nur der Anfang ist.

Das Viertel in Götzenhain gehört zu den exklusivsten in Dreieich. Veränderungen werden von vielen Anwohnern mit einer gehörigen Portion Skepsis begleitet. Ein in der Straße Am Alten Berg geplanter Neubau erregt seit Monaten die Gemüter vor allem der Nachbarn. In einem Stichweg soll ein Sechsfamilienhaus entstehen – dagegen hat sich Widerstand formiert.

Früher stand ein Einfamilienhaus auf dem Grundstück. Inzwischen haben die Bagger Platz für ein Neubauprojekt gemacht, das Anwohnern ein Dorn im Auge ist. Sie verstehen nicht, warum das Kreisbauamt in Dietzenbach das Vorhaben genehmigt hat. Mit Laken, die sie zwischen den Häusern und an Gartenzäunen befestigt haben, protestieren sie und fordern einen Bebauungsplan, der das Wohngebiet Am Alten Berg auf Ein- und Zweifamilienhäuser begrenzt. Es sind nicht nur die unmittelbaren Nachbarn, die den Neubau für überdimensioniert halten, insgesamt stören sich 20 der Redaktion namentlich bekannte Anwohner an den Plänen. Insgesamt sollen es mehr als 50 Unterstützer sein.

Zu wenig Parkplätze

„Bereits im Frühjahr 2017, als wir von den Plänen für das Grundstück erfahren haben, haben wir uns zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um uns dagegen zu wehren“, sagt Wolf Radermacher, der im Haus gegenüber wohnt. Ein anderer Anwohner berichtet, dass es auch Gespräche mit der Stadt gegeben habe. „Wir wehren uns ja nicht gegen eine Nachverdichtung. Wir wissen, dass die Grundstücke groß sind und Bauland teuer ist. Wir finden nur, dass ein solcher Klotz in dieser Größe hier überhaupt nicht hinpasst“, sagt der Familienvater.

Neben diesem optischen Aspekt befürchten die Anwohner auch eine Verschärfung des ohnehin schon großen Parkdrucks in der Sackgasse. „Bei sechs Parteien können wir von zwölf zusätzlichen Autos ausgehen. Die geplante Tiefgarage hat aber nur acht Parkplätze, und es ist die Frage, ob die Bewohner ihr Auto nicht aus Bequemlichkeit sowieso lieber draußen stehen lassen“, sagt eine andere Nachbarin.

In der Vergangenheit hätten schon etliche Nachbarn versucht, Änderungen an ihren Häusern genehmigen zu lassen, etwa Gauben oder kleinere Anbauten. Das sei meist am Kreisbauamt gescheitert: „Umso weniger verstehen wir, dass jetzt ein solches Projekt genehmigt wird“, sagt Wolf Radermacher. Ärgernis am Rande: Bei den vorbereitenden Arbeiten für den Abriss wurde ein Baum auf einem Nachbargrundstück abgeholzt.

Wie steht es um die gesetzlichen Vorschriften in einem solchen Fall? Wenn es für ein Wohngebiet keinen Bebauungsplan gibt, gilt der Paragraf 34 Baugesetzbuch. Dieser besagt, dass „ein Vorhaben zulässig ist, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist“. Mit ihren Zweifeln, ob sich das Mehrfamilienhaus in die bestehende Bebauung einfügt, haben sich die Anwohner an Ersten Stadtrat Martin Burlon (parteilos) gewandt. Die Gespräche mit ihm empfanden sie als konstruktiv. Auch beim Kreisbauamt haben die Götzenhainer vorgesprochen.

„Jetzt ist es so, dass wir dieses Projekt vermutlich nicht mehr verhindern können. Aber es ist nicht das einzige Haus, das in den nächsten Jahren zur Disposition stehen wird. Wir wollen einen Bebauungsplan, der klar regelt, dass künftig nicht ganz viele Mehrfamilienhäuser hier Am Alten Berg entstehen“, erklärt der Familienvater.

Muss ins Bild passen

Kreisbauamtschef Albrecht Becker kennt die Sachlage in Götzenhain. Er sagt aber, dass die Planungshoheit bei einem solchen Projekt bei der Stadt liege. „Als Verantwortliche müssen wir im Kreis aber natürlich prüfen, ob bei dem Vorhaben die rechtlichen Regeln eingehalten sind“, erläutert Becker. Das sei in Götzenhain kein sonderlich komplizierter Fall. Der Paragraf 34 besage nicht, dass Mehrfamilienhäuser in einem Einfamilienhausviertel nicht genehmigungsfähig sind – sie müssten eben ins Bild passen. „Ein Bebauungsplan schafft natürlich Rechtssicherheit.“

Martin Burlon erklärt, dass er bei einem privaten Bauvorhaben nicht zur Auskunft berechtigt sei, ob die Stadt grünes Licht für das Sechsfamilienhaus gegeben habe. „Aber wir haben uns sehr intensiv und gewissenhaft mit dem Grundstück beschäftigt.“ Die Forderung nach einem Bebauungsplan kann der Erste Stadtrat verstehen. Gerade gebe es ja einige Verfahren, bei denen die Stadt einen Bebauungsplan in einem bestehenden Wohngebiet auf den Weg bringen wolle. „Ich will nicht ausschließen, dass wir am Alten Berg auch tätig werden, aber ich werde jetzt keine zeitnahe Aufstellung eines Bebauungsplans zusagen“, stellt der Erste Stadtrat klar.

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