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Grüne Oasen laden zum Flanieren ein

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Von: Nicole Jost

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Die schönsten Gärten in der Villenkolonie Buchschlag öffneten am Sonntag ihre Pforten für Besucher. Neben der grünen Pracht konnte auch eine musikalische Lesung genossen werden.

Er brachte die „Rolling Stones“ nach Deutschland, Jimi Hendrix spielte seinen Kindern auf der Gitarre vor, und mit einem gewagten Konzertprogramm erinnert sich auch Folksängerin Joan Baez mit Begeisterung an einen gefeierten Auftritt in Deutschland zwischen Frank Zappa und „Genesis“. Konzertveranstalter Fritz Rau wurde am Sonntag im Garten seines Geschäftspartners Horst Lippmann in Buchschlag gehuldigt und auch wieder sehr lebendig.

Die Lebensgefährtin seiner letzten Jahre, Friederike Weisse, las aus den Erinnerungen des Tausendsassas, und die Musiker Hermann Biber und Jürgen Schwab, die Rau schon auf seinen Lesereisen begleitet hatten, spielten dazu Hits der „Stones“, von Bob Dylan, Bruce Springsteen oder eine selbst geschriebene, emotionale Hymne auf Fritz Rau – „So long Fritz“, die erst nach seinem Tod entstanden ist.

Die Besucher der offenen Gärten tauchten am Sonntag ins wilde Leben der beiden Konzertveranstalter ein, die mehr als 6000 Konzerte organisiert, in den 1960er Jahren das „American Folk Blues Festival“ erfunden und etliche Superstars nach Deutschland gebracht hatten. Am Rande des Pools, inmitten des großen, aber sehr gemütlichen Gartens des 1997 gestorbenen Horst Lippmann, lauschten rund 400 Gäste den spannenden Erzählungen. Ergänzt wurden Lesung und Musik mit alten Fotografien und Original-Tonaufnahmen von Fritz Rau.

Programm gekürzt

Die musikalische Lesung war der kulturelle Höhepunkt der offenen Gärten. Aber auch die grüne Pracht kam nicht zu kurz. Zum 13. Mal öffneten die Hausbesitzer in der Villenkolonie ihre gepflegten, zum Teil Parkanlagen ähnlichen Oasen. „Zum zehnten Geburtstag des Geschichtsvereins Buchschlag haben wir die allerschönsten Gärten ausgesucht“, erklärte Kim Bagus, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Trotz Geburtstagsveranstaltung hatten die Organisatoren das Programm empfindlich gekürzt: Statt an zwei Tagen konnten die Gartenfreunde nur noch am Sonntag durch die Gärten flanieren.

„Wir sind ein Team von 15 Leuten, wir werden auch älter. Mit dem ,Buchschlager Open Air’ haben wir inzwischen eine weitere Veranstaltung im Stadtteil. Ich bin erleichtert, dass wir es so geregelt haben. Und ich bin sehr zufrieden mit der guten Stimmung und dem guten Besuch“, so Bagus. Die köstlichen Suppen der kochenden Männer waren um 14 Uhr schon ausverkauft, das Kuchenbuffet im Garten von Lippmann war schwer gefragt und auch die Pflanzentauschbörse wurde wieder sehr gut angenommen. Pony „Krümel“ zog die Kinder vor der Kutsche durch die Straßen, und der Geschichtsverein erzählte mit einer großen Fotowand aus den vergangenen zehn Jahren.

In den geöffneten Gärten im Kohlseeweg, in der Ernst-Ludwig-Allee, im Zaun- und im Falltorweg gab es dann auch sehr viel Publikumsverkehr. Tobias Ballweg hatte in dem verwunschenen Paradies seiner Eltern seine großformatigen Gemälde ausgestellt und erläuterte diese auch gerne.

Treffpunkt für alle

Franz Otto verriet in seinem gepflegten Grün, wie seine Buchsbäume so schön bleiben. Indikationsfallen sind sein Geheimnis, um die gefräßigen Raupen von den Büschen fern zu halten. Wieder und wieder entstanden Gespräche über die richtige Aufzucht von Rosen, wann der passende Zeitpunkt gekommen ist, die Bäume zu schneiden, und wie der Rasen möglichst moosfrei bleibt.

„Längst sind die offenen Gärten ein Treffpunkt für alle Dreieicher geworden“, freut sich Kim Bagus über den anhaltenden Erfolg. Und natürlich weht auch immer ein etwas elitäres Lüftchen um die riesigen Häuser der Villenkolonie und die opulenten Gärten: „Ja, die Häuser sind elitär, und die Gärten sind es auch. Aber die Menschen darin sind es nicht. Wir sind offen, laden sehr gerne ein und wir alle haben auch ein gemeinsames Ziel: Wir wollen eben dieses Besondere von Buchschlag schützen. Wir möchten Werbung machen für diesen schönen Stadtteil. Es gilt einfach Bausünden zu vermeiden, wir möchten, dass Buchschlag seinen Charakter behält, und dafür ist es wichtig, es immer wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren“, betont Bagus.

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