+
Dorothea Schüttkemper hat keinen leichten Job. Sie braucht Fingerspitzengefühl, Geduld und Überzeugungskraft für ihre Arbeit.

Diplom-Sozialarbeiterin

Dorothea Schüttkemper hilft Schülern wieder in die Spur

Morgens in die Schule zu gehen, ist für die allermeisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland Alltag. Aber eben nicht für alle. Es gibt junge Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Bock auf Unterricht haben. Die städtische Diplom-Sozialarbeiterin Dorothea Schüttkemper kümmert sich um solche Fälle.

Familiäre Probleme, Überforderung, fehlende Motivation – die Ursachen fürs Schwänzen sind vielfältig. Dorothea Schüttkemper, Mitarbeiterin der städtischen Kinder- und Jugendförderung, ist als Ansprechpartnerin für Schulverweigerer da, um sie wieder in die Spur zu bringen. Das gelingt nicht immer. Es gibt Jugendliche, denen jeglicher Antrieb fehlt, morgens aufzustehen.

„Häufig ist die Schule kein fester Bezugspunkt im Leben der Jugendlichen mehr. Sie übernehmen die Betreuung von Geschwisterkindern oder helfen im Betrieb der Eltern mit. Zudem haben viele von ihnen in der Schule Misserfolge erlebt, wurden schlecht bewertet und können damit nicht umgehen“, berichtet Schüttkemper. Andere schlagen sich die Nächte um die Ohren. Statt zu schlafen, sind sie im Internet unterwegs. Stichwort Online-Spiele. Manche schleppen sich in den Unterricht, ohne gefrühstückt zu haben. Ihnen fehlt Energie. Irgendwann meldet sich der Hunger. „Dann geht’s um elf zum Bäcker, und nicht jeder kommt wieder“, ergänzt Schüttkempers Kollege Christoph Stroh.

Oftmals sind es Lehrer und Schulsozialarbeiter, manchmal auch Eltern, die Alarm schlagen. Schon bei der Kontaktaufnahme ist Fingerspitzengefühl gefragt. Schüttkemper kommt auch nach Hause, aber ein neutraler Treffpunkt ist vielen Jugendlicher lieber. Deshalb dient ihr Büro im Jugendzentrum in der Benzstraße als Anlaufstelle. Aktuell begleitet die Sozialarbeiterin zwölf Jugendliche, die nicht zur Schule gehen.

Weckrufe via Handy

„Wichtig ist, erst einmal zuzuhören, die Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht erschließen sich meist recht schnell“, berichtet Schüttkemper. Sie ist Mutmacherin, leistet Hilfestellung und begleitet die Teenager notfalls am Morgen in die Schule. Auch für Weckrufe via Handy ist sie sich nicht zu schade.

Gelingt es, dass sie und die Eltern an einem Strang ziehen, sind die Erfolgsaussichten am größten. Schüttkemper hat sich seit 2015 ein Netzwerk aufgebaut. Neben Beziehungen zu den Schulen pflegt sie Kontakt zu Beratungsstellen, Jugendzentren, Jugendämtern und Arbeitskreisen des Kreises Offenbach.

Der Rahmen für ihre Arbeit ist das Projekt „Jugend stärken in Schule und Beruf“. Viele ihrer Klienten sind sich nicht bewusst, wie wichtig ein Schulabschluss ist. „Für den weiteren Lebensweg ist das ein entscheidender Punkt. Je länger die Jugendlichen das System verlassen haben, desto schwieriger wird die Wiedereingliederung“, so Schüttkemper. „Es lohnt sich, an den Jugendlichen dranzubleiben.“ Diejenigen, die es nicht schaffen, betreut sie früher oder später häufig über ihr zweites Projekt – die Berufswege-Begleitung. Das Angebot ist auf Jugendliche und Erwachsene bis 27 Jahre ausgerichtet, die Unterstützung beim Einstieg in die Berufswelt brauchen. Schüttkemper berät aber auch junge Menschen, die erst einmal festen Boden unter die Füße bekommen müssen.

Imponierende Bilanz

Abgebrochene Ausbildung, Schulden, drohender Verlust der Wohnung, beengte Verhältnisse zu Hause – jeder trägt sein Päckchen mit sich rum. Schüttkempers bisherige Erfolgsbilanz für 2018 imponiert: Von 21 Schützlingen hat sie 8 in eine Ausbildung vermitteln können. Die Finanzierung der Projekte steht auf mehreren Füßen. Der Kreis hat gerade grünes Licht gegeben und ist bis 2020 jährlich mit 46 000 Euro dabei. Der Magistrat hat jüngst einer Verlängerung der städtischen Förderung von jährlich 20 000 Euro zugestimmt. Weiter im Boot sind das Land und die Flughafenstiftung Pro Region.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare