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Hundehalter lehnen Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit ab

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Über die Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit diskutieren heute Abend noch einmal die Dreieicher Stadtverordneten im Haupt- und Finanzausschuss.

Die Fraktion der Grünen hatte den Antrag gestellt, dass Besitzer ihre Vierbeiner in der aus Naturschutzsicht empfindlichen Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli an die Leine nehmen müssen, um die Wildtiere und Vögel in den Wiesen und Wäldern nicht zu stören. In der ersten Ausschussrunde gab es eine Mehrheit für diesen Antrag.

Jetzt findet sich in Dreieich eine Gruppe von rund 20 Hundebesitzern zu einer „Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Hundehaltung“ zusammen, die Interessen der Hunde und Hundebesitzer vertreten wollen. In dem von Evelin Bohlscheid und Elke Oberndorf unterzeichneten Brief an die Stadtverordneten bittet die AG die Verhältnismäßigkeit einer allgemeinen Leinenpflicht zu bedenken. Die Brut- und Setzzeit in Kommunen sei eine willkürliche, nicht einheitlich festgelegte Zeitspanne. Die Gruppe belegt auch die Zahlen des durch die Jagd im Jahr 2017/2018 zu Tode gekommen Rehwild: 83 000 Tiere seien allein in Hessen geschossen und einige Tausend durch Fahrzeuge getötet worden. Eine konkrete Zahl von Hundevorfällen im Zusammenhang mit Wild gebe es hingegen nicht. Die dreimonatige Leinenpflicht würde einen Konflikt mit dem höherrangigen, bundesrechtlichen Tierschutzgesetz bringen, in dem der adäquate Freilauf des Hundes ohne Anbindung gefordert wird.

Falls die Stadtverordneten am 15. Mai im Parlament den Leinenzwang beschließen, fordert die Gruppe große, nicht eingezäunte Freilaufflächen in allen fünf Ortsteilen Dreieichs, die für den Hundehalter zu Fuß erreichbar sein müssen. Katzen müsse der Freigang in dieser Zeit ebenfalls eingeschränkt werden, weil auch Katzen vermehrt Jungtiere in dieser Zeit töten. Außerdem gibt die AG noch den Hinweis, dass die in der Brut- und Setzzeit relevanten Flächen nicht mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen befahren, noch intensiv bewirtschaftet werden dürfen und auch die Maibockjagd eingestellt werden müsse.

„Die Leinenpflicht ist hochemotional und populistisch, aber keine effektive Methode, Artenschutz zu betreiben. Uns wurden keine Zahlen der letzten Jahre zu Wildunfällen mit Hunden in unserem Bereich genannt“, bedauern Bohlscheid und Oberndorf. Ihnen sei bewusst, dass Hundebesitzer verantwortlich mit dem Thema umgehen müssen und ihre Hunde in Feld und Wiesen unter Kontrolle haben müssen. Nur weil es in anderen Kommunen eine partielle Leinenpflicht gibt, heiße das nicht, dass diese für Dreieich nötig wäre. „Aber rigide Maßnahmen helfen nicht. Es wäre wünschenswert, wenn Sie sich für ein Miteinander statt einer Spaltung der Gesellschaft, einsetzen würden“, schließt der Brief der „AG für artgerechte Hundehaltung“.

(njo)

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