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Imker fürchten um das Ökosystem

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Von: Nicole Jost

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Die Bienenzüchter Britta Dietz und Dieter Hanke appellieren an die Stadt, das Insektizid Dipel ES gegen den Eichenprozessionsspinner erst als letzte Möglichkeit zur Bekämpfung einzusetzen. Das Mittel beeinträchtige das tierische Ökosystem.

Volles Rohr gegen die Eichenprozessionsspinner hieß es Ende April allerorts. Auch die Städte Dreieich und Neu-Isenburg hatten eine Firma beauftragt, die den Raupen den Garaus machen sollen. Die Nesselhaare der Tiere verursachen bei Hautkontakt einen unangenehmen, juckenden Ausschlag und in Einzelfällen kommt es zu weiteren allergischen Reaktionen, insbesondere der Atemwege.

Bis zu 30 Meter hoch wird das Mittel Dipel ES in die Eichen gesprüht. Es ist ein Bacillus thuringiensis-Präparat, das von den Raupen beim Fressen der Blätter aufgenommen wird und dann ihr Absterben bewirkt. „Der Bacillus befällt den Darm der Tiere, sie bekommen Durchfall und sterben“, erklärt Britta Dietz, Vorstandsmitglied der Dreieicher Bienenzüchter.

Frostspanner und Goldafter

Gemeinsam mit ihrem Vorstandskollegen Dieter Hanke, Bienensachverständiger des Kreises Offenbach, äußert sie jetzt Kritik an der breit gestreuten Prävention gegen den Eichenprozessionsspinner. „Wir haben dabei erst einmal keine Sorgen um unsere Bienen. Das Mittel ist schon das schonendste, das überhaupt eingesetzt werden kann und schadet den Bienen nicht“, betont Dieter Hanke. Aber natürlich beeinträchtige das biologische Insektizid das tierische Ökosystem rund um die gespritzten Bäume.

Nicht nur der Eichenprozessionsspinner ist auf den Eichen unterwegs. Auch andere Falter bekommen das Gift ab und verenden daran. Der Eichenwickler, der Goldafter, der Schwammspinner oder der kleine und der große Frostspanner – all diese Tiere sterben an dem Gift. Damit sei auch die Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere gefährdet, wie beispielsweise die des Kuckucks oder der Pirols, die sich sehr gerne von den Raupen ernähren.

Bäume absaugen

Dazu kommt, dass der Einsatz des Insektizids nicht zu 100 Prozent zielgenau dosiert werden kann. „Im Sportpark in Neu-Isenburg beispielsweise stehen die Eichen direkt neben den Robinien, die gerade blühen“, erklärt Britta Dietz. Die Bienen nehmen beim Nektarsammeln das Insektizid auf und die Imker befürchten, dass sie damit auch den Honig in kleinen Mengen anreichern. Und die fleißigen Insekten haben einen großen „Arbeitsumkreis“, sie sammeln innerhalb von fünf Kilometern den Nektar ein. „Niemand will Dipel ES mit in seinem Honig auf dem Frühstücksbrot essen“, ist Dietz überzeugt.

Die beiden Bienenzüchter appellieren an die Städte, das Insektizid erst als letzte Möglichkeit zum Schutz vor dem Eichenprozessionsspinner einzusetzen. Es gebe so viele andere Möglichkeiten, sich vor den allergischen Haaren der Raupe zu schützen. „Wir regen an, wenn die Bäume tatsächlich befallen sind, sie dann abzusperren, mit Schildern zu kennzeichnen und sie dann abzusaugen. So können die Fachleute auch alle allergischen Haare entfernen“, so Britta Dietz. „Das Insektensterben ist in aller Munde, und hier wird so großflächig gegen viele Raupenarten geschossen“, bedauert die Imkerin. Überhaupt, so betont Dieter Hanke, sei die Population des Eichenprozessionsspinners derzeit eher rückläufig. Und ganz ausschließen, könne man den Befall der Bäume in der Region sowieso nicht. Privatleute spritzten ihre Bäume ohnehin nicht, und auch der Hessen Forst verwende keinerlei Pflanzenschutzmittel.

Natürlich haben die Imker auch Verständnis für die Sorgen der Bürger, die sich vor den allergischen Reaktionen fürchten. Aber vielleicht gebe es ja auch einen Kompromiss. Dietz und Hanke denken auch über den politischen Weg nach und hoffen, dass sie einen Partner finden, der einen Antrag zum Thema ins Stadtparlament einbringen kann. „Wir arbeiten sehr gut mit den beiden Städten zusammen, und das soll auch so bleiben. Wir hoffen einfach darauf, dass wir im Sinne des Naturschutzes eine Lösung finden“, so die beiden Imker.

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