Burgfestspiele

Interview mit "Alte Bekannte"-Chef Dän Dickopf: "Da fliegt dir die Mütze weg"

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Er war der Kopf der erfolgreichsten A-Cappella-Gruppe Deutschlands – bis das plötzliche Ende seiner „Wise Guys“ die Fans schockierte. Mit der Nachfolgeband „Alte Bekannte“ setzt Daniel „Dän“ Dickopf (37) weiter auf die geballte Kraft starker Stimmen und deutscher Texte. Im Interview mit Michael Forst verrät er, welche Lektionen er aus den „Wise-Guys“-Zeiten gelernt hat – und warum er sich auf den Auftritt bei den Burgfestspielen am Freitag, 13. Juli, besonders freut.

Dän, Ihr nennt Euch auch auf Eurer Homepage die „Nachfolgeband der Wise Guys“. Wie viel „Wise Guys“ steckt in den „Alten Bekannten“?

DÄN DICKOPF: Grundsätzlich sind wir eine A-Cappella-Band mit fünf Herren, die deutschsprachige Songs singen. Die Texte sind in der Regel von mir, und es ist Popmusik. Insofern ist alles deckungsgleich mit den „Wise Guys“. Ansonsten ist es aber auch sehr unterschiedlich: Wir haben zwei fantastische Sänger, die nicht bei den „Wise Guys“ waren. Der eine, Clemens Schmuck, ist zudem ein fantastischer Vocal Percussionist. Da fliegt einem die Mütze weg.

Was hat sich sonst noch geändert?

DICKOPF: Clemens und Ingo sind auch beide großartige Komponisten. Dadurch haben wir eine viel größere musikalische Bandbreite als bei den „Wise Guys“. Ich darf das sagen, weil bei den „Wise Guys“ fast alle Songs von mir waren. Gerade bei unserer Abschiedstournee haben wir oft Abend für Abend vor Tausenden von Leuten gespielt. Dagegen sind die „Alten Bekannten“ doch eine kleinere Nummer. Wir treten im Moment vor 500 bis 1000 Zuschauern auf. Aber das ist wunderschön. Ich finde auch, dass gerade die Darbietungsform A cappella sehr stark von gemütlichen, intimen Auftrittsorten lebt.

Wie zufrieden bist Du mit dem ersten Album der „Alten Bekannten“?

DICKOPF: Erstmal hat mich der Erfolg von „Wir sind da!“ überrascht. Wir kamen damit in der Vorweihnachtszeit raus und landeten auf Platz 23 der deutschen Albumcharts. Vorher hätte ich nicht mal drauf gewettet, dass wir in die Top 100 kommen. Ich bin aber auch künstlerisch sehr zufrieden mit dem Album: Es hat eine große musikalische Bandbreite, die trotzdem einem Stil folgt, eine eigene „Alte Bekannte“-Handschrift trägt.

Auf dem Album ist der Song „Verboten“ drauf, den Du schon vor langer Zeit geschrieben hast. Wie ist der jetzt aus der Versenkung aufgetaucht?

DICKOPF: Wir hatten uns mit den „Alten Bekannten“ schon zusammengefunden, als die „Wise Guys“ noch auf Abschiedstour waren. Das waren irrsinnig viele Termine; über 150 Konzerte in zwölf Monaten. In der wenigen verbleibenden Zeit mussten wir erstmal das neue Album schreiben. Eine große Herausforderung. Ich habe dafür mein Archiv gesichtet und bin auf viele Texte gestoßen, die ich sehr gut fand, die jedoch aus verschiedenen Gründen nicht auf „Wise-Guys“-Platten gekommen waren. Bei „Verboten“ war es so, dass ich eine Musik dazu komponiert hatte, die ich selber nicht so toll fand. Also warf ich das Lied in die Runde: „Wenn einer von Euch das vertonen will, macht mal!“ Von dem Ergebnis mit der Musik von Clemens war ich total von den Socken. Ich finde den Song großartig!

Wenn sich eine Band wie die „Wise Guys“ nach vielen Jahren trennt, werden oft Analogien zu einer gescheiterten Liebesbeziehung oder Ehe bemüht. An welchem Punkt bist Du emotional in diesem Trennungsprozess?

DICKOPF: Ein paar Sachen muss ich immer noch verarbeiten. Als wir das „Wise-Guys“-Büro auflösten, hat die Bürochefin jedem von uns eine große Plastikkiste randvoll gefüllt mit Erinnerungsstücken geschenkt. Mit CDs, Zeitungsartikel, Fotos, Fanbriefen, Magazinen, die wir rausgebracht haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut, habe die Kiste aber mit verschlossenem Deckel in den Keller gestellt. Irgendwann, frühestens in einem, spätestens in 10 oder 15 Jahren werde ich sie mal auspacken, vielleicht mit meinen Söhnen zusammen. Im Moment wäre mir das noch zu früh.

Von welchen Gefühlen war die Abschiedstour der Wise Guys begleitet?

DICKOPF: Von sehr unterschiedlichen. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass es zwischen uns Gründungsmitgliedern Eddi, Sari und mir Streit gab. Wir haben uns oft noch fünf Minuten vor dem Auftritt gestritten. Dabei ist A-Cappella-Musik ein Teamsport, da muss man sich idealerweise sehr gut verstehen. Natürlich ging es trotzdem, dafür sind wir Profis genug. Aber schön war das nicht. Gleichzeitig empfand ich Trauer darüber, dass vieles endet. Ich habe ja über 250 Songs für die „Wise Guys“ geschrieben. Viele davon werden nie wieder aufgeführt werden. Bei den „Alten Bekannten“ machen wir ja viel Neues und singen nur noch eine Handvoll „Wise-Guys“-Lieder. Und schließlich tat es mir für die Fans wahnsinnig leid. Einige habe ich weinen sehen, so nahe ging ihnen das Ende unserer Band.

Gibt es Lektionen, die Du gelernt hast aus der Erfahrung mit den „Wise Guys“ – Fehler, die Du nun bei der neuen Band versuchst zu vermeiden?

DICKOPF: Ja. Bei den „Wise Guys“ waren Eddi, Sari, Nils und ich ja die Firmenchefs. Wir trugen eine Riesenverantwortung und haben uns diesen Schuh auch komplett angezogen. Vor allem in den letzten zwei, drei Jahren hatten wir wöchentlich Geschäftstreffen, wo wir über Dinge wie Verträge diskutierten. Und das mit der Prämisse, dass keiner von uns richtig Ahnung vom Geschäftlichen hatte. Unsere Bürochefin kannte sich in vielen Dingen besser aus. Die haben wir leider oft dennoch überstimmt, was teils nachweislich falsch war. Bei den „Alten Bekannten“ bin ich Musiker, kann mich aus dem Geschäftlichen raushalten. Hätten wir die Zeit, die wir damit bei den „Wise Guys“ verbracht haben, stattdessen in Kreativität, Proben und Spaßhaben gesteckt, hätte es uns wohl noch einige Jahre länger gegeben.

Am 13. Juli erwartet Euch bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain eine malerische Burgkulisse und schönes Open-Air-Flair. Wie empfänglich seid Ihr als Künstler für so eine besondere Stimmung?

DICKOPF: Sehr. Open Air ist immer schön. Allein schon, in die Gesichter der Leute schauen zu können. Es gibt ja düstere Konzertsäle, wo Du nur das Publikum in den ersten beiden Reihen siehst. Wenn Du dann noch in einer malerischen Burg auftrittst und das Wetter spielt mit, dann geht einem das Herz auf!

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