Klangvolle Premiere

Der "Italienische Opernabend" macht den Auftakt der Burgfestspiele

  • schließen

Premiere geglückt: Das Wetter spielte mit und auch diejenigen unter den Gästen, die keine Opernfans sind, genossen die Arien unter freiem Himmel zum Auftakt der Burgfestspiele.

Noch während die Großpolnische Philharmonie Kalisch den Gefangenenmarsch aus Verdis Oper „Nabucco“ dramatisch in Szene setzt, hält Programmchef Wolfgang Barth das Handy in der Hand und beobachtet die Wetter App. Die dunklen Wolken, die sich über der Burgruine auftürmen, bereiten Barth Kopfzerbrechen. „Wir haben uns viel über das Wetter gesorgt in den vergangenen Tagen. Seit Sonntag war für heute Regen angesagt. Aber es hat sich mal wieder bewiesen: Der liebe Gott ist ein Haaner“, sagt Wolfgang Barth mit erleichtertem Grinsen. Das Wetter hat gehalten, fast jeder Stuhl im Burggarten ist besetzt, und am Ende des Abends spenden die Besucher begeistert Applaus: Die Burgfestspiele sind glänzend in die Saison gestartet.

Auf Einladung der Sparkasse Langen-Seligenstadt und der Dreieicher Stadtwerke tummelt sich die Dreieicher Politik-, Wirtschafts- und Vereinsszene am Donnerstagabend im Burggarten. Auf dem Programm steht die „Italienische Opernnacht“. Verdi, Ponchielli und Puccinis „Tosca“ – ein gewagtes Programm für ein Premierenpublikum, das nicht unbedingt zu den klassischen Opernfreunden zählt.

„Oper war der ausdrückliche Wunsch der Sponsoren“, erzählt Burgfestspielleiter Benjamin Halberstadt. Es war wohl ein kleines Wagnis, aber das Konzept ging durchaus auf. Ist bei Schnittchen und Sekt vielleicht das Getuschel vor dem Konzert noch groß, „ob Oper wohl so richtig Spaß macht, wir hätten uns was Fetziges gewünscht“, gelingt es Rainer Zagovec mit seiner amüsanten Moderation doch sehr gut, das Publikum auf die Oper einzustimmen. Er erzählt launig, wie sich Abigaille und Fenena in Nabucco um den geliebten Ismaele bekriegen, und das Publikum weiß damit schon mal, worum es bei den italienischen Gesangsduetten geht.

Nach der Pause nimmt der Abend noch mehr Fahrt auf, und als die Solisten Soojin Moon (Sopran), Elena Suvorova (Mezzosopran) und Manfred Fink (Tenor) mit dem dritten Akt in „Tosca“ glänzen und es zum großen Finale noch ein „O Sole Mio“ gibt, schallen Bravo-Rufe und viel Applaus durch den Burggarten.

Zwei Herzen schlagen an diesem Abend in der Brust von Bürgermeister Dieter Zimmer. „Ich bin eigentlich kein Opernfan, aber das war sehr schön“, sagt der Rathauschef. Ihm sei an diesem Abend sehr wohl bewusst, dass es seine letzte Festspieleröffnung als Bürgermeister ist. „Da schwingt auch ein bisschen Melancholie mit hinein“, gibt Zimmer zu, der zum Ende des Jahres den Rathaussessel räumen wird.

Für Benjamin Halberstadt und Wolfgang Barth ist die geglückte Premiere eine Erleichterung. Überhaupt ist die Stimmung in der Burg sehr gelassen, das ganze Team kennt seinen Weg, der Aufbau hat trotz der Bauarbeiten an der Burgkirche reibungslos funktioniert. „Wir haben inzwischen Routine“, merkt Barth an. Und Benjamin Halberstadt ergänzt: „Ich bin erstaunlich entspannt. Das mag auch an dem guten Wetter der vergangenen Tage gelegen haben.“ Die Sonne sorgte für ein sonniges Gemüt bei den Akteuren.

Worauf freuen sich die beiden Profis am meisten, wenn sich bis zum 19. August die kulturelle Szene in Dreieichenhain trifft, um unter freiem Himmel die Konzerte, das Kabarett und das Schauspiel in seinen vielseitigen Facetten zu genießen? „Es fällt mir echt schwer, da etwas heraus zu suchen, weil ich eigentlich alles mag. Aber ich bin sehr gespannt, wie 20 000 Meilen unter dem Meer umgesetzt ist, und ich freue mich auch sehr auf „Footloose“, sagt Halberstadt. Barth muss nicht lange überlegen: „Ich erfreue mich sehr an Rainald Grebe und bin gespannt auf die neuen Künstler, die wir noch nicht hier hatten.“

Wer die Premiere mit der „Italienischen Opernnacht“ verpasst hat, hat am Sonntag, 5. Juli um 19 Uhr und auch am 7. August noch einmal die Gelegenheit, das Programm zu sehen. Und auch sonst gibt es noch Karten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare