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Alles andere als ein seltener Anblick für Nutzer der Dreieichbahn. Dieses Bild entstand am vergangenen Freitagabend. Dass die Dreieichbahn um 18.15 Uhr ausfällt, ist kein Einzelfall.

Kein Ende der Pannenserie: Leser machen ihrem Ärger über unzuverlässige neue Bahn Luft

Verärgerung, Unverständnis, Fassungslosigkeit: Die neuen Züge aus Polen, die zwischen Frankfurt und Dieburg pendeln, sind nicht nur bei Bahnhofs-Anwohnern in der Kritik, weil sie massiven Lärm erzeugen. Bei den Modellen lässt auch die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig, wie zahlreiche Nutzer der Dreieichbahn schildern.

Unsere Berichterstattung über genervte Anwohner des Dreieichenhainer Bahnhofs und die Aufforderung an die Leser, ihre Erfahrungen mit der neuen Dreieichbahn zu beschreiben, haben eine kleine Lawine ins Rollen gebracht. Aus vielen Beiträgen spricht der pure Frust. Die Lärmbelästigung bestätigen Anrainer aus anderen Kommunen entlang der Strecke. Hinzu kommen gravierende technische Mängel, Passagiere klagen reihenweise über Verspätungen und Ausfälle. Lob gibt’s von ein paar Lesern für den verbesserten Komfort, das Beschleunigen und das größere Platzangebot im Modell Pesa Link. Unter dem Strich aber fällt das Urteil vernichtend aus. Eine Auswahl:

„Wir wohnen direkt am Bahnübergang Trinkbrunnenstraße in Ober-Roden und sind über die neue Dreieichbahn und deren Lärmpegel geschockt“, schreibt Familie Marquard. „Hier muss etwas geschehen!“ In die gleiche Kerbe schlägt Dierk Kallendorf. „Was ich aktuell erlebe, ist unglaublich. Neue Züge, die wesentlich lauter sind als alles, was bisher gefahren ist, heulen und quietschen mit schlagenden Rädern, so dass die Gläser im Schank vibrieren“, kritisiert der Anwohner aus Münster.

Laute Bremsen

Die neuen Triebwagen erzeugten beim Einfahren in den Bahnhof ein extrem lautes Bremsgeräusch, berichtet Peter Gabler aus Dreieichenhain. Er hat sich bereits an die Bahn AG gewandt, wartet aber noch auf Antwort. Gablers Forderung: „Bitte stellen Sie sicher, dass diese nicht zumutbare Ruhestörung durch Änderung der Fahrweise zeitnah abgestellt wird. Auch Lärm ist eine Umweltbelastung!“

Auch aus Eppertshausen kommt Protest. „Wir haben vorher ohne Probleme im Garten sitzen können. Die Bahn wurde kaum wahrgenommen. Jetzt saßen wir im Garten und genossen die Sonne – die Bahn kam und wir haben unsere Unterhaltung unterbrechen müssen, weil wir nichts mehr verstanden haben“, führt Marcus Schönbach aus.

Harald Meixner hat ebenfalls einen dicken Hals. „Wir haben vor circa acht Jahren dreifach verglaste Fenster eingebaut. Diese sind jetzt im Winter meist komplett geschlossen und haben eine enorm positive Schalldämmwirkung erzielt. Aber gegen die Bremsakustik der neuen Dreieichbahnen sind sie machtlos“, ärgert sich der Offenthaler.

Regelmäßige Ausfälle

Der Lärm ist aber nur ein Problem. Etliche Nutzer berichten von Verspätungen und Ausfällen. Wer um 18.15 Uhr von Frankfurt aus nach Hause fahren will, muss sich oft eine Alternative suchen. In schöner Regelmäßigkeit fallen Züge aus, ähnlich wie bei den alten Triebwagen. „Ich würde Ihnen sehr gerne meine Erfahrung mit den neuen Zügen mitteilen. Leider ist dies aufgrund des fortwährenden Ausfalls wegen technischer Probleme nur sehr eingeschränkt möglich“, so Ralf Hellfritsch aus Sprendlingen. Von fünf Abenden sei er nur am Mittwoch in den Genuss der Rückfahrt mit einem polnischen Zug gekommen. Der Sprendlinger fragt: „Was bringt mir eine im Vergleich zu den alten Zügen bessere Ausstattung, wenn die Modelle aus unserem Nachbarland nicht fahren?“

Ähnliche Erfahrungen hat Robin Janak gemacht. „Leider hat sich seit der Einführung der neuen Züge nichts verändert. Zweimal mussten wir am Hauptbahnhof wieder aussteigen, nachdem man zwei Triebwagen gekoppelt hatte. Daraufhin ging dann gar nichts mehr. Also hieß es eine Stunde warten auf die nächste Bahn, die logischerweise vollkommen überfüllt war.“ Man sitze zwar sehr gemütlich und die Wagen sähen schick aus. „Ich sitze aber lieber in einer Bahn, die pünktlich fährt.“

Daniel Steinbrecher ist ebenfalls ernüchtert. „Die 15 Jahre alten Triebfahrzeuge der Bahn sind immer noch mit Abstand besser als die neuen Züge“, meint der Götzenhainer. Die ganzen Pannen und Unzulänglichkeiten seien eigentlich ein Grund, wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. „Dann ist mir klar, dass es Stau gibt, aber es geht wenigstens voran.“

Ein Schüler, der namentlich nicht genannt werden will, hatte jüngst Glück, dass ihn eine Klassenkameradin mit dem Auto abholte, nachdem der Zug 15 Minuten im Bahnhof gestanden hatte. Er hätte sonst eine Klausur verpasst.

von FRANK MAHN

Kommentar von Frank Mahn:

Können sich so viele Menschen irren? Unwahrscheinlich! Aus etlichen Kommunen entlang der Dreieichbahnstrecke kommen Klagen über die unverhältnismäßig laute Geräuschkulisse durch die neuen Triebwagen aus Polen. Doch leider ist das nicht das einzige Manko des Pesa Link, den die Bahn und ihre Partner vor ein paar Wochen bei der Vorstellung groß angepriesen hatten. Nach Schilderungen unserer Leser sind es Probleme mit der Elektronik, die den Fahrplan durcheinander wirbeln. Abends gucken Pendler in die Röhre, weil Verbindungen gestrichen werden. Für was waren eigentlich die Testfahrten gut? Ein Zugausfall sollte die Ausnahme sein. Hier ist er die Regel. Unfassbar!

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