Bahnhofsgelände

Keine Lösung für den Schmuddelplatz in Sprendlingen

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Die Deutsche Bahn hat kein Interesse daran, in das Sprendlinger Bahnhofsareal zu investieren. Die Stadt hingegen schon und will das Gelände von der Bahn kaufen. Noch wird verhandelt.

Das Gelände rund um den Sprendlinger Bahnhof ist in diesen tristen Januartagen wahrlich keine Augenweide: Fiese Schlaglöcher sammeln das Regenwasser der vergangenen Tage, im Gebüsch liegen ein paar achtlos abgelegte, alte Autoreifen, und überhaupt ist der Eindruck eher schmuddelig als einladend. Viel Plastikmüll fliegt umher, das Gebäude der alten Güterhalle ist beschmiert. Kein schöner Anblick, über den sich die Sprendlinger auch ärgern.

Die Freunde Sprendlingens hatten im vergangenen Jahr einen ersten Anlauf genommen, das Bahnhofsareal zu verschönern, und auch die Stadt ist inzwischen dran, mit der Bahn zu verhandeln.

Dabei sind die Eigentumsverhältnisse nicht so ganz einfach: Das alte und unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgelände wurde vor einigen Jahren veräußert und von einem Dreieichenhainer Besitzer schmuckvoll saniert. In dem Gebäude ist heute ein Bahnhofskiosk und in der ehemaligen Halle ein Restaurant untergebracht. Dem Besitzer gehört auch ein Drittel des Vorplatzes. Der Rest des Vorplatzes, die alte Güterhalle und ein Teil des Zufahrtswegs vor der Güterhalle befindet sich im Besitz der Deutschen Bahn. Demnach ist das Unternehmen auch zuständig für das Erscheinungsbild. Ein letzter Teil der Zufahrt vor der Güterhalle und die Zufahrt von der Rostädter Straße aus gehört der Firma Berthold.

Wilhelm Ott, Vorsitzender der Freunde Sprendlingens, hat den Mitgliedern des Bauausschuss der Stadt Dreieich in der vergangenen Woche einen Überblick über den Zustand des Sprendlinger Bahnhofs gegeben. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Ecke der Pflastersteine, gut fünf Quadratmeter, wieder aufgepflastert“, erklärt Ott. Schon lange habe ihn der ausgebrochene Schotter gestört. Schließlich sei das 1905 verlegte Kopfsteinpflaster das letzte sichtbare Pflaster im „

Dorf der Pflasterer

“, wie Sprendlingen einst genannt wurde.

Die Kosten für diese Schönheitskorrektur hatte im Mai 2017 die Bahn auch mitgetragen. Inzwischen habe der Pächter der ehemaligen Güterhalle, der die Halle zum Unterstellen für Geräte für den Winterdienst nutzt, vor der Halle schon ein wenig aufgeräumt, die Bäume zurückgeschnitten und entrümpelt. Dieser Anblick ist also schon ein bisschen besser.

Für den großen asphaltierten Vorplatz, der mit Schlaglöchern übersät ist, sieht es allerdings derzeit nicht nach einer Veränderung aus. Der Platz wird zum Teil als Parkfläche genutzt – aber nur geduldet, nicht offiziell. Die Bahn habe kein Interesse dort Geld zu investieren. „Sie hat aber ihrer Verkehrssicherungspflicht mit noch recht neu gepflasterten Wegen zum Bahnsteig Rechnung getragen“, berichtet Wilhelm Ott.

Und jetzt kommt die Stadt ins Spiel: „Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich dort etwas tut“, sagt Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) in der Ausschusssitzung. Allerdings, und das sagt Burlon zu den Parlamentariern sehr deutlich, habe die Stadt kein großes Interesse daran, Geld in fremdes Gelände zu investieren. „Wir sind in Verhandlungen mit der Bahn. Das letzte Gespräch war im November, bei dem wir auch ein Kaufangebot vorgelegt haben, aber wir haben noch keine Einigung erzielt“, erklärt Burlon.

Ein großes Anliegen der IG Dreieichbahn ist die Öffnung des Bahnsteiges in Richtung der Rostädter Straße. „Und das war augenscheinlich schon mal geplant. Denn der asphaltierte Weg endet abrupt, danach sind die 88 Meter bis zur Straße wildes Gestrüpp – aber Straßenlaternen sind dort montiert“, erklärt Ott. Die Bahn habe kein Interesse diesen Weg auszubauen.

Für Frank Hedderich, Inhaber der benachbarten Firma Berthold, sind die Planungen unverständlich. Mit ihm habe noch niemand über diesen Ausbau gesprochen. „Dabei gehört dieser Streifen mir. Außerdem sehe ich jeden Tag vielleicht höchstens 15 Leute diese Strecke nutzen. Ich weiß nicht, ob man dafür extra einen Weg ausbauen muss“, so Hedderich.

Für Martin Burlon sind die Besitzverhältnisse indes klar: „Der Firma Berthold gehört die Zufahrt, aber der schmale Streifen zwischen Bahngleis und dieser Zufahrt ist im Besitz der Bahn. Und dieses Stück würden wir gerne als Zugang zum Bahnsteig ausbauen, wenn uns das Gelände gehört.“

Für die Freunde Sprendlingen ist es wichtig, falls die Verhandlungen mit der Bahn scheitern, dass es eine andere Lösung gibt: „Wir möchten verhindern, dass das Gleiche passiert wie in den vergangenen 20 Jahren – nämlich nichts. Vielleicht wäre ein Pachtvertrag dann eine Lösung“, hofft Ott auf gute Nachrichten aus dem Rathaus.

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