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Zufällige, aber bedeutsame Fundsache: eine persönliche Erkennungsmarke.

Wald

Kolpingfamilie legt ehemalige Flak-Scheinwerferstellung in Sprendlinger Gemarkung frei

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Zunächst hatte Heimatforscher Wilhelm Ott östlich von Neu-Isenburg eine alte Flak-Abwehrstellung gefunden. Dann entdeckte er auf Sprendlinger Gemarkung eine zugehörige Scheinwerferstellung. Beim Freilegen derselbigen half nun die Kolpingfamilie „Zum Heiligen Kreuz“.

Dass um diese Jahreszeit Motorsägen im Wald kreischen, ist nichts Außergewöhnliches, mit dem Herbst beginnt auch hier die Erntesaison. Dass jedoch Neu-Isenburger auf Sprendlinger Gemarkung einen Einsatz leisten, ist schon mehr als ungewöhnlich – widerspricht dies doch dem traditionellen, aber freilich nur humorvoll gemeinten missliebigen Verhältnis beider Kommunen. Also machten sich am Samstag viele freiwillige Helfer der Kolpingfamilie „Zum Heiligen Kreuz“ – also echte Isenburger – auf in die zu Sprendlingen gehörende Waldgemarkung, um dort einen ehemalige Flak-Scheinwerferstellung vom Bewuchs frei zu legen. Damit kamen sie einem Wunsch von Wilhelm Ott, engagierter Heimatforscher und Vorsitzender der Freunde Sprendlingens, nach.

Wilhelm Ott hatte, ohne Rücksicht auf Gemarkungsgrenzen, bei seinen Nachforschungen auch bereits die Flak-Abwehrstellungen am östlichen Ortsrand von Neu-Isenburg erkundet und sogar erreicht, dass die noch am besten erhaltene von der Denkmalschutzbehörde unter besonderen Schutz gestellt wurde. Doch Ott hat weitere Erkundungen angestellt und ist dabei auf den Flak-Batterien zugehörige Scheinwerferstellungen gestoßen. Solche hat er im Wald südlich der L 3117, der Verbindungsstraße von Neu-Isenburg nach Heusenstamm, entdeckt. „Ich bin im Geschichtsbuch von Heimatforscher Karl Nahrgang auf die Existenz solcher Scheinwerferstellungen gestoßen“, gibt Ott den Anlass seiner nun genaueren Nachforschungen preis.

„Solche mit einem Erdwall umgebenen Bunkerstellungen lagen etwas abseits der eigentlichen Flak-Stellungen und sollten die anfliegenden gegnerischen Flugzeuge am Himmel anstrahlen, damit diese besser als Ziel für die Flugabwehr erkannt werden konnten“, erläutert Ott. Zum Ende des Krieges seien solche Stellungen mit jungen Frauen besetzt gewesen, da alle Männer im Krieg waren oder für schwerere Aufgaben herangezogen worden seien.

Ott hat direkt neben der Schneise den noch recht gut erhaltenen Erdwall der Flak-Scheinwerferstellung entdeckt, dazu noch eine kleinere Stellung in einem ehemaligen Hügelgrab und etwas abseits eine Plattform, die wohl für den Betrieb des Stromaggregates genutzt wurde. „Solche Scheinwerfer mit einem Spiegeldurchmesser von anderthalb oder sogar zwei Metern haben ganz schön Energie verbraucht“, betont der Heimatforscher, der kürzlich die „Wehrtechnische Studiensammlung“ im Militärmuseum in Koblenz besucht hatte, um genau solche Scheinwerfer zu begutachten.

Die inzwischen stark zugewachsene Scheinwerferstellung sollte nun vom Bewuchs, darunter schon recht starke Bäume, befreit werden. Im Gespräch mit dem zuständigen Revierförster Andreas Keller, der in Neu-Isenburg sitzt, fand Wilhelm Ott eine mögliche Lösung. Die Kolpingfamilie „Zum Heiligen Kreuz“ stellt ihre Arbeitskraft seit vielen Jahren zweimal jährlich für Waldeinsätze zur Verfügung, ganz nach den Wünschen des Försters. Mal stehen Aufräumarbeiten zur Vorbereitung von Neuanpflanzungen auf dem Programm, mal das Birkenknicken, um der übermächtigen Pionierpflanze dort Einhalt zu gebieten, wie sie junge Bäumchen zu sehr bedrängt. Wieso also nicht auch mal eine Flak-Scheinwerferstellung vom Bewuchs befreien?

Mit zwei Motorsägen ging es dann den jungen Bäumen an den Stamm. Nach und nach wurden auch Büsche und Brombeersträucher, die sich rund um den Erdwall breitgemacht hatten, beseitigt – und bald war die ehemalige Flak-Scheinwerferstellung mitten im Wald unverkennbar. „Ich bin da schon öfters vorbei gelaufen, und für mich war es ein normaler Bombenkrater, aber jetzt bin ich erstaunt, was wirklich dahintersteckt“, meinte Holger Derigs, der ebenfalls kräftig mit anpackte. Wilhelm Ott selbst machte bei den Aufräumarbeiten einen interessanten Fund: eine persönliche Erkennungsmarke, wie sie alle im Militärdienst stehenden Personen mit sich führen mussten. „Vielleicht lässt sich ja irgendwie herausfinden, wem diese gehörte“, stellte sich Ott einen neue spannende Aufgabe.

Die Helfer der Kolpingfamilie leisteten ganze Arbeit, so dass Wilhelm Ott den vorbereiteten Pfosten mit dem QR-Code einbetonieren konnte. „Über diesen Code kommt man direkt auf meine Internetseite mit den vielen dazugehörigen Informationen“, lädt der Heimatforscher alle Interessierten ein, doch mal einen Herbstspaziergang zur nun freigelegten Flak-Scheinwerferstellung zu machen. Diese ist am besten vom Parkplatz an der L 3117 zu erreichen (die erste Waldeinfahrt rechts nach Überquerung der A 661). Von dort sind es nur 400 bis 500 Meter zu der jetzt nicht mehr zu übersehenden ehemaligen Schweinwerferstellung.

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