Konzert

Liedermacherin Leonie Jakobi: Abschied mit persönlicher Note

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Mit vielen Wegbegleitern, Verwandten und Fans hat die junge Musikerin Leonie Jakobi bei einem Konzert vor ihrer persönlichen Traumkulisse der Heimat vorläufig Lebewohl gesagt. Dabei schickte sie ihr Publikum – und sich selbst – auf eine Achterbahn der Gefühle. Selbst ein Sommergewitter trug zur Dramaturgie des denkwürdigen Abends bei.

Auf eine Weise machte Dreieichs großes Talent Leonie Jakobi am Donnerstagabend auf der Burg Hayn dort weiter, wo die erfolgreichen Burgfestspiele noch am vergangenen Wochenende am gleichen Ort aufgehört hatten: Das Konzert mit ihrer Band und den musikalischen Freunden von Luger alias Christoph Langner und seiner Gruppe genügte mit dynamischen Stimmungswechseln und beachtlichem musikalischen Handwerk auch hohen Ansprüchen.

Und doch war es ein Auftritt, den es so nur einmal geben kann: Denn die 22-Jährige nahm damit vorläufig Abschied von ihrer geliebten Heimat Dreieich, die sie im September Richtung Liverpool verlässt, wo sie ein Studium an der renommierten Institute for Performing Arts beginnen wird.

So lag die Magie dieses Abend nicht nur in den Liedern auf der Bühne, sondern auch in den vielen persönlichen Details, die das Konzert begleiteten: In den Salaten, Brezeln und Würstchen, die Mama Jakobi für die Verpflegung der Künstler hinter der Bühne bereitstellte, den berühmten Frikadellen, die ihre Oma beisteuerte – wie es die beiden als „Catering Team“ schon taten, als die kleine Leonie noch mit ihrer Schülerband auftrat.

Der Zauber zeigte sich auch in den vielen Geschichten, die sich die Besucher vorher, nachher und in der Pause über „unsere Leonie“ erzählten. Ein sichtlich bewegter Bürgermeister Dieter Zimmer berichtete etwa von ihrem „großen Herzen“.

Konzertfotograf Gareth Tynan erinnerte sich an seine erste Begegnung mit der damals Zwölfjährigen auf einer Bühne in Götzenhain und ihrem vor drei Jahren gestorbenen Vater, der selbst Musiker war und geschwärmt habe: „Meine Leonie ist so eine Rampensau!“

Dabei waren es an diesem Abend weniger die Showqualitäten der Dreieicher Künstlerin, die das Publikum einzunehmen wussten als ihre sympathische Bodenhaftung und ungekünstelte Authentizität, gerade wenn sie zwischen ihren Songs ins Erzählen kam.

Etwa über die vielen Widrigkeiten, die sich zwischen ihr und dem letztlich erfolgreichen Vorspielen in Liverpool zu legen drohten. So hätte sie wegen einer Mittelohrentzündung eigentlich gar nicht über den Kanal fliegen dürfen. „Aber ich wäre auch nach Liverpool geschwommen.“

Die Worte, mit denen sie Einblicke in ihre Gefühlswelt gab: „Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was mir das heute hier bedeutet“, sagt sie, gerührt und doch strahlend in den Scheinwerfer blinzelnd. „Ich komme ja von hier um die Ecke.“ Und in den aufbrandenden Applaus hinein: „Ich habe das Gefühl, ich bin Euch das hier schuldig heute Abend. Der nächste Song ist für Dreieichenhain.“

Ihr Schlagzeuger und bester Freund Lukas Reiß, der sich mit einem seligen Dauerlächeln im Gesicht auf einer Glückswolke durch den Abend trommelt, gibt den Beat eines rollenden Güterzugs vor, Manuel Stolz breitet einen dichten Bass-Teppich aus, Gitarrist Langner legt die Wärme seiner babyblauen Stratocaster in den Klangmix und Leonie Jakobis volle Bruststimme bricht effektvoll in kurze Falsett-Töne: Ihr „Gold and Silver“ mit dem hymnischen, leicht schwermütigen Refrain, umwickelt wohlig das Publikum.

Ausnahmslos sind es Eigenkompositionen, mit denen die Dreieicherin ihr Abschiedskonzert bestreitet. Dabei wechselt sie mühelos zwischen E-Piano und Akustikgitarre oder deutet auch mal – von der Instrumentenlast befreit – allein mit dem Mikro ein kleines Tänzchen an. Mit dem einschmeichelnden Ohrwurm „Home“ bedankt sich Leonie Jakobi bei ihrer Mutter, „ohne die ich nicht so wäre wie ich bin“.

Ein wunderschöner Mitsing-Moment, den Saskia Malitz mit Vokalharmonien veredelt. Beim letzten Refrain weht eine kräftige Brise durch die Haare der Sängerinnen. Kurz danach setzt ein Gewitter ein, die Burgkirche nebenan wird vor einem blitzdurchzuckten Nachthimmel zur Silhouette. Regencapes machen die Runde, dann prasselt es auf das Publikum herunter. Als sich der Himmel ein paar Lieder später wieder beruhigt hat, sitzen fast alle noch da. Und genießen.

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