Wertschätzung geht vor Leistung

Neuer Direktor der Ricarda-Huch-Schule will alle Schüler fördern

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Der neue Schulleiter der Ricarda-Huch-Schule ist ambitioniert, das Dreieicher Gymnasium weiterzuentwickeln. Dabei setzt er auf flache Hierarchien und die Einbeziehung aller Beteiligten in Entscheidungsprozesse. Seine Erfahrung in der Führung von Gesamtschulen sieht er als Vorteil.

Seit Anfang Dezember hat die Ricarda-Huch-Schule einen neuen Schulleiter. Studiendirektor Torsten Lampert fühlt sich offensichtlich schon ganz wohl in seiner neuen Position. Jedenfalls wirkt der 51-Jährige sehr motiviert, voller Pläne und Ideen und ganz und gar bereit, sein neues Team bei der Entwicklung des Gymnasiums mitzunehmen.

Lampert, der als stellvertretender Schulleiter an der Adolf-Reichwein-Schule in Langen und danach an der Darmstädter Eleonorenschule schon Führungserfahrung sammeln konnte, sieht sich als Teamplayer. „Meine Tür steht immer offen, und mit mir müssen die Kollegen auch nicht unbedingt einen Termin vereinbaren, um mich zu sprechen“, betont der Pädagoge.

Er habe zu seinem Amtsantritt an dem Dreieicher Gymnasium eine Schule im Aufbrauch vorgefunden, an der bei Lehrern und Schülern eine sehr gute Grundstimmung herrsche. Das Schulleitungsteam und das Kollegium hatte ihm schnell den Eindruck vermittelt, dass sie ein großes Interesse daran haben, die Schule weiterzuentwickeln. Er empfinde das als sehr positiv, wenn die Initiative bei den agierenden Menschen vorhanden ist und jeder bereit ist, seinen Teil dazu beizutragen.

„Wir wollen die Schulentwicklung auf eine breite Basis stellen, so dass auch die Kollegen, der Personalrat, aber auch die Schüler und Eltern die Strukturen mittragen. Ich möchte weg von der Haltung, ,der Schulleiter entscheidet, und das wird dann gemacht’. Alle Entwicklungen haben eine sehr viel höhere Akzeptanz, wenn wir sie gemeinsam gestalten“, stellt der neue Schulleiter klar. Inhaltlich müsse immer wieder an der Unterrichtsqualität gearbeitet werden. Unterricht müsse weiterentwickelt und aktiver gestaltet werden. Schüler können mit mehr Binnendifferenzierung und individuellem Lernen sehr viel besser gefördert werden, und das sei das Ziel an dem Dreieicher Gymnasium.

„Wir machen schon sehr viel für Schüler, die vielleicht etwas schwächer sind, ihnen bieten wir sehr viel Unterstützung. Jetzt wollen wir ein spezielles Projekt für die Begabtenförderung an der Schule verankern – im Unterricht, aber auch darüber hinaus“, kündigt Torsten Lampert an. Ein weiterer Ansatz müsse es sein, die Berufs- und Studienorientierung der Gymnasiasten zu intensivieren. Damit habe er viel Erfahrung an der Eleonorenschule sammeln können, welche die Berufsorientierung fest im Schulprogramm verankert habe.

Die Ricarda-Huch-Schule, so betont Lampert, habe einen klaren Bildungsauftrag und sei leistungsorientiert. „Wir möchten den Schülern eine hohe Studierfähigkeit mitgeben und haben an dieser Schule auch die Schüler aus der Bildungsbürgerschaft und Eltern, die das mittragen“, hat er schnell einen Überblick gewonnen. Bei allem Leistungsanspruch muss aber auch die menschliche Komponente in den Mittelpunkt gerückt werden.

„Ich finde die Wertschätzung den Menschen gegenüber sehr wichtig. Auch wenn die Leistung vielleicht in meinen Augen nicht erfüllt ist, muss ich mein Gegenüber immer wertschätzend behandeln. Das gilt für Kollegen ebenso wie für Schüler“, so der Pädagoge. Verständnis für die persönliche Situation und die Bereitschaft zu einem Gespräch sei motivierend und habe seiner Erfahrung nach meistens anschließend eine positive Auswirkung auf die Leistung und die Bereitschaft zu Verännderung.

Um auch als Schulleiter nah dran zu sein und selbst noch zu erleben, was in den Klassenräumen geschieht, steht Torsten Lampert für vier Stunden in der Woche vor einer siebten Klasse und hält den Deutschunterricht.

Seine eigene Karriere war übrigens nicht so ganz gradlinig. Schon als Abiturient, begeisterter Leichtathlet und Jugendtrainer im Verein, wollte er Lehrer werden. Nach seinem Abitur in Friedberg in der Wetterau waren die Aussichten als Pädagoge aber nicht sonderlich rosig. So entschloss er sich zu einer Banklehre und anschließend für ein BWL-Studium. Nach dem Vordiplom traf Torsten Lampert die sehr bewusste Entscheidung, dass das doch nicht so „seine Sache“ ist.

In Gießen studierte Lampert Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Deutsch und Sport. Nach dem Referendariat war er an der Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, einer integrierten Gesamtschule. Anschließend wechselte er als Förderstufenleiter und später als stellvertretender Schulleiter an die Adolf-Reichwein-Schule in Langen und dann eben an die Eleonorenschule in Darmstadt. „Die Erfahrungen an den Gesamtschulen möchte ich keinesfalls missen. Das war eine gute Zeit und gibt mir eine gute Grundlage, auch für die Herausforderungen an einem Gymnasium.“, so Lampert.

Als verheirateter Familienvater von drei Kindern im Teenageralter (12, 16 und 18) kann er die Rolle der Eltern übrigens auch sehr gut verstehen. Torsten Lampert wohnt mit seiner Familie im benachbarten Langen, und in seiner Freizeit geht er laufen und liest gerne skandinavische und hessische Krimis, um sich von seinem ausgefüllten Alltag zu entspannen.

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