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Özlem und Zeki Pek: Ihre Existenz ging in Flammen auf

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Von: Nicole Jost

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Direkt nach der aufwendigen Renovierung und kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft traf der Brand ihres Telekommunikations-Geschäftes das Inhaber-Ehepaar mitten ins Mark – ans Aufgeben denken die beiden trotzdem nicht.

Immer noch fassungslos schauen Özlem und Zeki Pek auf die Brandruine in der Hauptstraße 55 in Sprendlingen. Der Brandgeruch liegt auch eine Woche nach dem Unglück noch in der Luft. Das Dach des kleinen Fachwerkhauses ist völlig zerstört, im Inneren sind nur noch verschmorte Ladenreste zu erkennen – alles kaputt nach dem verheerenden Brand am 23. November. Die berufliche Existenz des Isenburger Ehepaars ist im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen aufgegangen. Seit 2015 haben sie in dem kleinen Sprendlinger Laden einen Unitymedia Partnershop betrieben. „Wir haben mit einem Laptop und einem Drucker angefangen. Wir kamen aus dem Nichts. In den vergangenen Monaten hat der Laden endlich auch gute Gewinne abgeworfen“, ist die 39-Jährige enttäuscht.

Die lang geplante Renovierung ihrer Verkaufsfläche wurde erst zwei Tage vor dem Brand beendet. Mit neuen Böden und auffälligen dreidimensionalen Tapeten wollte das Unternehmer-Paar in die umsatzstärksten Monate des Weihnachtsgeschäfts starten. „Ich habe das Ergebnis gar nicht gesehen. Ich war zwei Tage nicht da“, bedauert die dreifache Mutter.

„Kann es kaum fassen“

Den Brandmorgen wird der 43 Jahre alte Zeki Pek so schnell nicht vergessen: „Der Nachbar hat mich angerufen. Er war vom Rauch aufgewacht. Ich bin in mein Auto gesprungen und nach Sprendlingen gesaust“, berichtet Zeki Pek. Als er die Tür öffnete, kamen ihm schon dicke Rauschschwaden entgegen. Die vom Nachbar bereitgestellten Wassereimer richteten nichts mehr aus – da konnte nur noch die Feuerwehr helfen. Viele Stunden waren die Retter beschäftigt, die inzwischen meterhohen Flammen zu löschen. Die Hauptstraße war sogar gesperrt und trotzdem gab es nichts mehr zu retten. „Ich trauere um unser Geschäft und kann es kaum fassen“, sagt Zeki Pek.

Die Brandursache sei inzwischen geklärt, sagt der Mieter des Ladengeschäftes. Vermutlich habe ein Kurzschluss im Dach den Brand verursacht. „Wir haben unsere Vermieterin seit zwei Jahren immer wieder gebeten, das Dach endlich sanieren zu lassen“, erzählt der Familienvater. Bei starkem Regen trat Wasser durch fehlende oder kaputte Dachziegel des kleinen Hauses. Mit zwei Eimern fingen die Peks den Regen im Inneren auf.

„Wir haben das wiederholt angesprochen, weil auch die Stromleitungen durch das Dach liefen“ erläutert der Ladenmieter. Im Juli sei eine Plastikfolie aufs Dach gekommen, die das Wasser sammeln sollte. „Vor zwei Wochen, als unsere Renovierung anstand, habe ich das kaputte Dach erneut angesprochen. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Ziegel gleich mit zu ersetzen – aber mein Wunsch wurde wieder abgelehnt“, sagt Zeki Pek. Das Feuer sei genau in der Ecke des Daches entstanden, wo die Ladenpächter immer die Eimer abgestellt hatten. Die Beamten vom Polizeipräsidium Südosthessen hatten zur Untersuchung der Brandursache einen Gutachter im Einsatz. Die Polizei in Offenbach bestätigte einen technischen Defekt als Auslöser für den Brand. Ob der Kurzschluss unmittelbar mit dem undichten Dach in Verbindung gebracht werden könne, müssten die Untersuchungen noch zeigen.

Nur die Ruine bleibt

Den größten Schaden hat sicher die Hauseigentümerin, der nichts bleibt als eine Ruine. Aber auch die Familie Pek hat einen finanziellen Verlust erlitten. „Wir sind vor allem sehr, sehr froh, dass keinem Menschen bei diesem großen Feuer etwas passiert ist. Aber unser Schaden beläuft sich mit der Einrichtung, der Ware und dem Verdienstausfall auch zwischen 50 000 und 80 000 Euro“, schätzt der Unternehmer. Das Ehepaar hat auch einen Anwalt eingeschaltet. „Der Laden ist die Grundlage unserer Existenz, wie haben Familie, drei Kinder. Wir arbeiten alle beide hier“, sorgt sich Özlem Pek. Ihr Mann richtet den Blick indes nach vorne. „Ich könnte mich natürlich auch hier hinsetzen und herum heulen. Aber das bringt uns nicht voran. Es muss ja irgendwie weitergehen“, so Zeki Pek.

Mustafa Sevile, Betreiber des Lotto-Ladens in der Frankfurter Straße, hat ihnen einen Platz in seinem Geschäft frei geräumt, wo Zeki Pek die nächsten Wochen mit seinem Angebot zu finden ist. Der Isenburger hat sich aber auch um eine neue Unterkunft gekümmert. Bis zum 1. Januar möchte er für seine Kunden wieder in einem eigenen Laden präsent sein. „Wir bleiben in Sprendlingen, haben auch schon ein Geschäft in unmittelbarer Umgebung in Aussicht. Wir hoffen, in der nächsten Woche den Vertrag unterschreiben zu können. Dann könnte es im neuen Jahr direkt wieder losgehen.“

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