150-jähriges Bestehen

Parteigeschichte mit Höhen und Tiefen

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Die SPD in Dreieichenhain und Sprendlingen wird 150 Jahre alt. Nach erfolgreichen Anfangsjahren und einem Wiederaufblühen in der Nachkriegszeit musste die Partei auch einige Rückschläge einstecken.

Für die Sozialdemokraten gab es durchaus schon erfreulichere Zeiten in Deutschland mit mehr Zuspruch von ihren Wählern. „Aber keine Partei kann auf diese lange Geschichte zurückblicken. Und ich bin heute noch stolz auf die Männer, die sich vor 150 Jahren aufgemacht haben, um gegen Ungerechtigkeit und für mehr Sozialpolitik einzustehen“, sagt Gisela Schäfer. Die Dreieichenhainer und Sprendlinger Genossen haben eine gemeinsame Parteigeschichte: Am 27. Dezember 1868 trafen sich die Vertreter beider Städte im „Zum Wilden Mann“ – die heutige „Alte Burg“ in Dreieichenhain. „In Sprendlingen war kein Wirt bereit, den Sozialisten ein Dach zu bieten“, schildert Heinz-Georg Stöhs, ehemaliger Vorsitzender der SPD Sprendlingen, den Grund für diesen gemeinsamen Beginn.

Nur wenige Jahre später, 1878, wurde die politische Arbeit der Sozialdemokraten wegen der Sozialistengesetze Otto von Bismarcks unterbunden – auch in Dreieich war Schluss damit. 1895 flackerte die sozialdemokratische Flamme wieder auf, der „Wahlverein“ wurde gegründet und der Arbeitergesangverein Lasalle war der größte Verein der Stadt. Nach dem ersten Weltkrieg, 1919, wurde die SPD mit 52,7 Prozent der Stimmen in Dreieichenhain großer Wahlsieger und Wilhelm Köhres zum Bürgermeister erklärt. Er blieb es bis 1933 – als ihn die Nazis des Amtes enthoben.

Nach dem Nationalsozialismus blühte die SPD in Dreieichenhain wieder auf. Unter Bürgermeister Wilhelm Stroh entstand das Wohnbaugebiet in der Hainer Chaussee, die Ludwig-Erk-Schule wurde gebaut und das Feuerwehrhaus. 1960 freute sich die SPD mehr als 70 Prozent der Wählerstimmen, damals war Hans Pfrommer schon seit 1962 Bürgermeister und blieb es bis zur Gebietsreform 1977.

„Auch in Sprendlingen hatten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit“, erinnert Stöhs. In dem größeren, heutigen Dreieicher Stadtteil wurden die Wohnbauprojekte von Sozialdemokraten vorangetrieben. Unvergessen die Entstehung der Siedlung Hirschsprung-Breitensee, die damals einzigartig war. Der große Zuspruch für die SPD änderte sich mit der Gebietsreform schlagartig. „Wir wurden hart dafür abgestraft, dass die Landes-SPD für eine große Gebietsreform war. Da nutzte es auch wenig, dass der Stadtverordnetenvorsteher 2500 Unterschriften nach Wiesbaden brachte, dass es wenigstens eine kleine Lösung mit Offenthal und Götzenhain geben könnte“, erinnert sich Gisela Schäfer. Die Wahlergebnisse brachen ein und es folgten einige CDU-Bürgermeister.

Erst mit Dieter Zimmer zog die Sozialdemokratie 2006 wieder ins Rathaus nach Sprendlingen ein. „Dieter war ein Glücksfall für uns und für Dreieich“, sagt Heinz-Georg Stöhs. Und Schäfer ergänzt: „Gerade in Kombination mit unserem leider viel zu früh gestorbenen Rainer Jakobi war das ein großartiges Gespann, das sehr vermittelnd immer das Beste für unsere Stadt im Sinn hatte.“ Rückblickend seien die größten Erfolge der vergangenen Jahre die Verhinderung der Südumgehung für Buchschlag gewesen, die erfolgreichste Persönlichkeit aus der SPD war Uta Zapf. Sie war 1984 schon die erste weibliche Stadtverordnetenvorsteherin und die erste SPD-Bundestagsabgeordnete. „Eine mutige Frau und Politikerin, die sich auf dem Gebiet der Abrüstung bis zur UNO einen Namen gemacht hat“, so Schäfer.

Vor der SPD liegen schwierige Jahre – dessen sind sich Stöhs und Schäfer bewusst. Der Bundestrend habe auch Auswirkungen auf die Dreieicher Wahlergebnisse. Aber die Aktiven setzen sich weiter für die sozialdemokratischen Ziele ein. Für Dreieich bedeute das, dass gerade das Thema Kinderbetreuung und der soziale Wohnungsbau in den Fokus müsse. Jetzt steht aber die große Geburtstagsfeier am morgigen Samstag ab 16 Uhr im Dreieichenhainer Burgkeller an. Gastredner ist Hessens SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel.

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