Verkauf der "weinenden Werke"

Ein Platz für junge Künstler

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Die Künstlerin Tanja Hoffmann verlässt das Atelier über dem Hofgarten im alten Ort von Götzenhain. Beim Aufräumen sind dort viele schöne Bilder aufgetaucht, die zu schade zum Wegwerfen sind. Margarete Habernoll hatte eine zündende Idee, was mit ihnen passieren könnte.

Rechts neben dem Kircheneingang am Dorfplatz in Götzenhain ist die „Wunschwand“ von Margarete Habernoll mittelgrau überstrichen. Von dem vierseitigen Kubus lächeln jetzt bunte Mona Lisas, prunkvolle Könige oder von Kinderhand auf Leinwand gemalte Selbstbildnisse.

Die „weinenden Werke“ sollen der Auftakt zu der neuen Götzenhainer Kommunikationsplattform am Dorfplatz sein. Margarete Habernoll, Initiatorin der Götzenhainer Kunstweihnachtsbäume und seit mehr als 25 Jahren Patin des Dorfplatzes, erfüllt sich damit den langgehegten Wunsch einer „Wandzeitung“ mitten im alten Ort. „Ich möchte hier einen Ort der Kommunikation schaffen, einen Platz für junge Künstler, aber auch für alle Götzenhainer, die eine gute Idee haben“, sagt Margarete Habernoll. Die Vereine können die Seiten der Wandzeitung ebenso füllen, wie die nah gelegene Grundschule, die auf der Fläche ihre Projekte für die Öffentlichkeit sichtbar machen könnte. Sie hatte sich im Sommer etwas mehr von der Wunschwand versprochen, von vielen Briefen geträumt. „Das ist nicht so ganz eingetreten, aber die Fläche wurde doch ganz oft benutzt, beschrieben und bemalt“, sagt Habernoll.

Die Projektionsfläche soll deswegen künftig auch erhalten bleiben – aber eben als Kunst- und Informationsort für die Götzenhainer. Alles soll unter dem Motto „Sehen und Gehen“ stehen. Eben ein kurzer Blickfang, eine Kunstfläche, wo die vorbeilaufenden Menschen einfach nur einen kurzen Blick drauf werfen können, aber eben auch stehen bleiben können und dann die Kunst genießen sollen.

Der Auftakt ist gleich ein gutes Werk: Die Götzenhainer Künstlerin Tanja Hoffmann, „Miss Goldfinger“, zieht nach neun Jahren aus dem alten Festsaal über dem Hofgarten, aus. Über 30 Feriencamps für Kinder hat sie dort veranstaltet, unzählige Malkurse für Kinder und Erwachsene dort gegeben und natürlich ihre eigenen Kunstprojekte verwirklicht. Ob es die Heimat-Herzen waren, die großartigen und großformatigen Künstler-Porträts oder auch zuletzt die „goldigen Nymphen“ aus dem Burgweiher – all diese Kunstwerke sind in dem 130 Quadratmeter großen Atelier entstanden.

„Meine Kinder sind hier aufgewachsen, ich habe den Raum geliebt und es hängen viele Erinnerungen und Emotionen an diesem Saal“, betont die Künstlerin, die über dem Hofgarten auch sehr erfolgreiche Vernissagen gefeiert hat. Beim Ausräumen hat Tanja Hoffmann so einiges hervorgekramt aus den vergangenen neun Jahren. „Die 27 Bilder von den Kindern, die wir jetzt auf der Wandzeitung aufgehängt haben, sind schlichtweg übriggeblieben – niemand hat sie abgeholt“, erläutert „Miss Goldfinger“. Für Margarete Habernoll war der Gedanke unerträglich, dass die Kunstwerke, die mit so viel Herzblut von den kleinen Malern gefertigt wurden, achtlos in den Müllcontainer fliegen. „Ich musste sie einfach retten. Und da ist mir meine Idee wieder eingefallen, wie wir die Wunschwand weiter nutzen können.“ Mit der Unterstützung von Klaus Wagner und Hans Werner hat Habernoll die kunterbunten Kunstwerke jetzt auf dem Dorfplatz aufgehängt.

Eine Serie sind Selbstporträts aus einem Kinderkurs, den einst der Lionsclub für Kinder gesponsert hatte. Zu den Mona-Lisa-Bildnissen kann Tanja Hoffmann auch noch eine lustige Geschichte erzählen. „Leonardo da Vinci war ein Projekt bei einem der Camps. Ich hatte den Kindern erzählt, dass Marcel Duchamp (ein französisch-amerikanischer Künstler im 19. Jahrhundert) immer betont hat, dass Leonardo da Vinci keine Mona Lisa gemalt hat, sie keine Frau war. Er war der Überzeugung, da Vinci wollte mit dem weltbekannten Bild einen Jüngling darstellen. Deswegen haben einige der Götzenhainer Mona Lisas jetzt einen Bart.“

Am Sonntag, 29. Oktober, um 16 Uhr bekommen die „weinenden Werke“ jetzt noch mal einen großen Auftritt. Die Bilder werden bei einer Vernissage vorgestellt. Bei Wein und einem Stück Streuselkuchen kann über Kunst und künftige Ideen für die Kommunikationsplattform in Götzenhain geplaudert werden. Und natürlich wird über die Preise gefeilscht – denn Margarete Habernoll hat schon eine Idee, was sie mit den Einnahmen machen möchte: „Wir brauchen für den Dorfplatz neue Pflanzen – da kann ein bisschen Geld für die Kinderkunst helfen.“

Und Tanja Hoffmann? Wie geht es für die Götzenhainerin weiter? Sie bleibt dem Ortsteil erhalten und wird vom Tanzboden in den Heuboden umziehen. Mehr will sie noch nicht verraten. Die nächste Zeit hat sie wenige Ressourcen für neue Kunst, weil sie erst einmal ihr Atelier einrichten muss. Aber dann wird Götzenhain wieder von ihr hören, verspricht sie.

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