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Alexander Götting (15), Moderator der Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion

Politische Elefantenrunde in der Ricarda-Huch-Schule

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Bildung, Gleichstellung und Populismus waren Themen, zu denen die eingeladenen Politiker in der Ricarda-Huch-Schule befragt wurden. Zwei Zehntklässler moderierten die Podiumsdiskussion.

Politik zum Anfassen und prominente Köpfe: die Ricarda-Huch-Schule holte für ihre Oberstufenschüler die Landespolitik nach Dreieich. Mit SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, dem Vize-Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir (Grüne), dem Dreieicher Landtagsabgeordneten Hartmut Honka (CDU), dem Spitzenkandidaten der FDP, René Rock, und Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, hatten die Gymnasiasten eine wahre Elefantenrunde vor sich sitzen.

Im Politik- und Wirtschaftsunterricht hervorragend mit Fragen vorbereitet ließen die beiden Moderatoren Noah Fremann und Alexander Götting aus der zehnten Klasse die Politiker Stellung zu den Themen Bildung, Gleichstellung, die Probleme der Volksparteien und dem aufkommenden Populismus mit der erstarkenden AfD nehmen.

Zum Thema Bildung gab es von den Oppositionsparteien für Honka und Al-Wazir Gegenwind. Während Thorsten Schäfer-Gümbel leicht ironisch sagte, dass manch einer glaube, dass mit einem WhiteBoard an den Schulen das Kreidezeitalter überwunden sei, kritisierte René Rock, dass immer noch viel zu wenig Geld in die Bildung fließe. Honka erinnerte daran, dass noch keine Landesregierung so viele Lehrerstellen geschaffen habe wie die derzeitige, und auch Tarek Al-Wazir kündigte an, dass er gerne die zusätzlichen 750 Millionen Euro für Kita, Schule und Universitäten noch einmal in diesen Bereich investiert. Er sagte aber deutlich, dass das Geld vor allem an Schulen fließen müsse, an denen die Probleme besonders groß seien. „Wir müssen es einfach verhindern, dass junge Leute ohne Schulabschluss von den Schulen gehen. Das ist gesellschaftlich wichtig und auch ökonomisch wichtig“, so der Spitzenkandidat der Grünen.

Bei den 90-Sekunden-Kurzinterviews drängte Janine Wissler auf mehr Gerechtigkeit. „Eine Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich nicht so weit auseinanderklafft, ist die glücklichste“, so die Fraktionsvorsitzende der Linken. Al-Wazir sagte zum Thema Flughafen, dass er als Grüner immer für eine visionäre Klimaschutzpolitik stehe. „Ich glaube aber, dass man Ökologie und Ökonomie zusammenbringen muss.“

Die Moderatoren fragten Honka und Schäfer-Gümbel nach den Fehlern ihrer Parteien, die jetzt den großen Absturz in Bayern zur Folge hatten. Honka sah die Schwierigkeiten im Konflikt zwischen Bayern und Berlin. Thorsten Schäfer-Gümbel gab sich sehr selbstkritisch nach den „dramatischen Ergebnissen der SPD in Bayern“. Die große Koalition in Berlin habe große Probleme: „Bei der Affäre um Herrn Maaßen haben wir einen kapitalen Fehler gemacht, den so in der Partei niemand richtig versteht. Außerdem muss die SPD viel erkennbarer in ihren Positionen werden.“

Aus der Schülerschaft kam auch die Frage, warum die AfD in der Diskussionsrunde nicht vertreten sei. Die offizielle Antwort lautete, dass nur die derzeit im Landtag vertretenen Parteien eingeladen worden seien. Inoffiziell war es wohl eine bewusste Entscheidung, den Populisten keinen Platz auf dem Podium in einer Schule zu bieten.

Alle Kandidaten betonten, dass sie mit der AfD diskutiert hätten. „Lassen Sie sie reden – dann schaden sie sich am meisten selbst“, sagte Al-Wazir. Rock argumentierte ähnlich: „Die Ideen dieser Partei sind von vorgestern, diese Lösungen, die sie nicht bieten, will keiner. Lasst sie reden, damit die Menschen das erkennen.“

Honka befürchtete, dass die Partei nicht so „schnell verschwindet, wie wir uns das alle wünschen“, und Janine Wissler warnte vor den offen rassistischen Parolen der Partei. Schäfer-Gümbel sagte, wenn in Köthen Leute durch die Straßen ziehen und schreien, „Nationaler Sozialismus, jetzt, jetzt, jetzt“, dann müsse die Gesellschaft aufhorchen. Und dann hielt er ein flammendes Plädoyer für die Demokratie: „Lasst nicht zu, dass andere mit euch machen, was ihr nicht wollt. Hängt euch rein, mischt euch ein und seid laut!“

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