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Alexander Deissler erntet in seinem Garten an der Lettkaut Auberginen. Er ist froh, dass es jetzt eine Zukunft für die Kleingartenanlage gibt.

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So reagieren Bürger und Politiker auf das Aus für die geplante Fußballakademie

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Nach der Entscheidung, dass die Fußballakademie doch nicht an der Lettkaut entstehen soll, atmen die Kleingärtner auf. Doch nicht alle sind über die Entscheidung froh.

Die Nachricht vom Ende der Planungen für das Sport- und Bildungscampus an der Lettkaut hat eingeschlagen wie ein Blitz. Nach langer Zeit der Debatten war das Aus für die Politik und auch die Gärtner durchaus eine Überraschung.

Hans Nolte, Initiator der Idee der internationalen Fußballakademie, erläutert seine Sicht, warum nach dem Aufstellungsbeschluss vor einem Jahr der Plan nicht weiterverfolgt wird: „Im April dieses Jahres wurde noch einmal auf die terminlichen Abhängigkeiten bei einer Realisierung der Campus-Idee hingewiesen“, erklärt der Unternehmer. Dabei seien Flächenbedarfe benannt und Vorschläge zur Anordnung von Gebäuden skizziert worden. „Es war spätestens jetzt klar, dass die bestehende Kleingartenanlage dem Projekt vollständig hätte geopfert und alle Kleingärten für die Pächter und die Stadt Dreieich kostenneutral hätten umgesiedelt oder abgefunden werden müssen. Hierüber ließ sich bis zuletzt, weder politisch noch materiell, keine Einigkeit herstellen.“

Er werde nun nach anderen Lösungen für die Internationale Fußballakademie suchen. Er verstehe die Gegner der „Campus Idee“, er fürchte aber, Dreieich habe eine „Zukunftschance bei seiner Positionierung als weltoffener Wohn-, Gewerbe- und Bildungsstandort im Frankfurter Süden vertan.“

Die Politik äußert sich zum Scheitern des großen Projektes ebenfalls: Hartmut Honka, Fraktionsvorsitzender der CDU, bedauert diese Entwicklung. Er kritisiert das Verhalten von Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) in dem politischen Prozess in den vergangenen zwei Jahren. „Vor allem seine einsamen Entscheidungen rund um die Kündigung der Pachtverträge haben die Diskussion und das politische Klima in Dreieich belastet.“ Die jetzt von Zimmer geäußerte Kritik von mangelnder Unterstützung durch die Parteien wies Honka von sich. Der CDU-Fraktionschef dreht den Spieß um, und wirft Zimmer vor, er müsse die Verantwortlichen der Verzögerungen schon im Rathaus suchen.

Holger Dechert, Fraktionsvorsitzender der SPD, ließ verlauten, dass seine Fraktion es schade findet, dass die Stadt Dreieich keinen Sport- und Bildungscampus in der Lettkaut bekommen wird. „Wir können verstehen, dass dieser Planungsprozess gezeigt hat, dass sich das Projekt nicht in der gewünschten Zeit realisieren lässt und dann eben andere Alternativen sinnvoller zum Ziel führen“, schreibt Dechert. Er sei froh, dass die Internationale Schule dennoch in Dreieich verbleibe und er hofft auf eine Internationale Fußballakademie in einer abgespeckten Variante.

Für Marco Lang, Fraktionschef der FWG, ist die „Beerdigung“ des Vorhabens überraschend. „Die Freien Wähler sind nicht nur enttäuscht über diese Entwicklung, sondern auch über die pauschale Aussage von Herrn Zimmer, ein „fehlendes öffentliches Bekenntnis der Politik“ habe zu diesem Ergebnis beigetragen“, sagt Lang. Gemeinsam mit CDU, SPD und FDP hätte sich seine Fraktion mehrfach für das Projekt ausgesprochen.

Für die Grünen ist es indes keine Überraschung, dass der Campus nicht realisiert wird. „Die Initiatoren inklusive Bürgermeister haben die Sache von Anfang an falsch angepackt und völlig unterschätzt“, meint Fraktionssprecherin Heidi Soboll. Für die Grünen war die Lettkaut der falsche Standort – sowohl für die Internationale Schule, als auch für die Fußballakademie. „Das Vorgehen der Initiatoren, bis hin zur unabgestimmten Kündigung für den Kleingartenverein durch den Bürgermeister, haben dem Projekt die öffentliche Akzeptanz entzogen“, meint Fraktionssprecher Roland Kreyscher.

Die großen Gewinner dieser Entscheidung sind die Kleingärtner: „Ich atme natürlich auf“, sagt Hartmut Schmitt, Kassenwart Kleingärtner Sprendlingen. „Die, die jetzt sagen ,Wir haben gewonnen’, kann ich allerdings nicht verstehen. Wir haben das Projekt wahrscheinlich mit unserem Widerstand verzögert. Aber ich vermute, dass hinter dem Scheitern eher die Untere Naturschutzbehörde steckt.“

Michael Vogel, kommissarischer Vorsitzender des Vereins, ist ebenfalls erleichtert: „Dass keine Internationale Schule bei uns an der Lettkaut gebaut wird, ist eine gute Nachricht.“ Er hofft jetzt, dass die Kleingartenanlage komplett erhalten bleibt. „Das wird auch die Gärtner wieder motivieren, denn viele haben in diesem Jahr nichts gemacht. Niemand wollte mehr Geld und Mühe in den Garten investieren, wenn wir möglicherweise bald ausziehen müssen. Jetzt kann es bleiben, wie es ist.“

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