Angeklager legt Teilgeständnis ab

Rockerkrieg um Drogenbar in Dreieich?

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Zwei dicke Überraschungen gab es gestern in einem Drogenprozess vor dem Landgericht Darmstadt. Einer der Angeklagten gestand einen Teilaspekt der Tat. Licht warf eine Zeugenaussage außerdem auf eine Auseinandersetzung unter Rockern vor zwei Jahren in Buchschlag-Sprendlingen.

Die Drogengeschäfte im „Club 62“, einem bekannten Rockertreff in Dreieich-Sprendlingen, liefen nur per Mundpropaganda. Das wurde am gestrigen Dienstag, dem dritten Verhandlungstag vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Darmstadt, deutlich.

Das änderte sich auch nicht, so die Ermittlungen der Polizei, als sowohl Name als auch Besitzer wechselten. Denn dieser Wechsel scheint teilweise nur auf dem Papier gestanden zu haben. Die Fäden der Drogengeschäfte scheinen in anderen Händen zusammengelaufen zu sein. Welche Rolle zwei Türsteher, Vater und Sohn, gespielt haben, ist unklar. Sie sind in diesem Verfahren nicht angeklagt.

Aufgrund der Fragen von Oberstaatsanwalt Joachim Bührer, er vertritt seinen Kollegen Joachim Hauschild – der an diesem Wochenende beim Hamburg Marathon seine sportlichen Qualitäten testet, wurde immer deutlicher, dass hier Drogenhandel im großen Stil aufgedeckt wurde.

Zwei Hartz-IV-Empfänger, ein 43-jähriger Familienvater aus Jordanien und sein zehn Jahre jüngerer Komplize aus Kasachstan, hatten laut Polizei ihre „Geschäfte wohl organisiert“. Sie gönnten sich ein luxuriöses Leben, „das auf keinen Fall mit Einkommen von Hartz-IV zu finanzieren war.“

Das zumindest sagte ein Kripobeamter als Zeuge. Er berichtete weiter, dass die beiden Männer in allen Bordellen des Rhein-Main-Gebietes gern und oft gesehene Gäste waren. Auch in Spielhallen waren sie bekannt.

Deshalb hätten sich die Observationen in diesem Fall ziemlich lange hingezogen, berichtete der Kripo-Oberkommissar. Und es habe noch eine viel größere Komplikation gegeben. Während der laufenden Ermittlungen kam es im Juni 2015 vor dem „Club 62“ zu einer brutalen Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern der beiden Rockergangs „Osman Germani“ und „Bandidos“.

Es ging, so Ermittlungen der Strafverfolger, um Drogen und leichte Mädchen. Nachdem die „Hells Angels“, eigentliche Betreiber der Bar, angeschlagen waren, versuchten die beiden Gangs, Lokal wie Kundenstamm zu übernehmen (wir berichteten). Das nimmt zumindest die Polizei an.

Am späten Vormittag des dritten Verhandlungstages wartete der 33-jährige Angeklagte mit einer Überraschung der besonderen Art auf. Er ließ von seinem Rechtsanwalt Martin eine Art „Geständnis“ verlesen.

Danach hat er einem angeblichen „Kenan“ angeboten, ihm Kokain und Heroin zu liefern. Er selbst habe im Club flüchtig den 43-jährigen Mitangeklagten kennengelernt. Der habe auch mit diesem „Kenan“ Geschäfte gemacht.

„Kenan“, den keiner der Zeugen genau beschreiben kann und dessen Identität von der Polizei streng geheim gehalten wird, gilt als V-Mann der Ermittler. Ob dieser „Kenan“ ein eingeschleuster Polizeibeamter undercover ist, oder ob er sich aus der Szene heraus bei der Staatsgewalt zur Verfügung gestellt hat, interessiert die Verteidigung ebenso brennend – wie erfolglos.

Alle Versuche, ihn zu einer Aussage zu bekommen, scheiterten bisher. Der Prozess geht am Donnerstag, 11. Mai, weiter.

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