„Rosis Dessous- und Strumpflädchen“,

Rosmarie Voß schließt nach 30 Jahren ihren Laden

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Die Kundinnen werden sie vermissen. Rosmarie Voß, Inhaberin von „Rosis Dessous- und Strumpflädchen“, hört nach 30 Jahren auf. Noch besteht aber die Chance, ein Schnäppchen zu machen.

Die großen Schaufenster auf die idyllische Fahrgasse hinaus sind beklebt: „Totaler Räumungsverkauf – Wir schließen, greifen Sie zu!“ So manch eine Dreieichenhainerin, die gut gelaunt durch die Altstadteinkaufsmeile flaniert ist, nimmt diese große Papierwand erschrocken wahr. Nach 30 Jahren „Rosis Dessous- und Strumpflädchen“ schließt Rosmarie Voß zum Ende des Jahres die Pforten ihres Ladens für immer. „Ich war selbst sehr überrascht, wie viel Resonanz ich auf diese Ankündigung, aufzuhören, bekommen habe“, berichtet die Einzelhändlerin. „Sogar manch ein Tränchen ist hier schon geflossen“, ist sie ganz berührt. Die Kundinnen bedauern es sehr, dass sie das Fachgeschäft nicht mehr als Anlaufstelle haben.

Sie habe sich die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Aber 30 Jahre hinter der Ladentheke stehen und die schweren Strumpfkisten im Lager hin und her zu schleppen haben deutliche Spuren hinterlassen. „Ich schaffe das einfach körperlich nicht mehr. Meine Bandscheiben schreien Juchhu, wenn sie die schweren Kisten sehen“, sagt die zierliche 57-Jährige und schmunzelt.

Geschont hat sich Rosmarie Voß in den vergangenen 30 Jahren wahrlich nicht. Jeden Tag stand sie selbst im Laden, mit wenigen Ausnahmen am Mittwoch. „Die Kundinnen möchten das auch, sie wollen die persönliche Beratung und die direkte Ansprache. Ich habe viel Stammkundschaft, ich kenne die Größe der Frauen, weiß, was sie sich wünschen und was ihnen steht“, erzählt die Ladeninhaberin aus ihrem Berufsalltag.

Mit gerade einmal 27 Jahren verwirklichte sich die Sprendlingerin ihren Traum von einem eigenen Geschäft. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt gerade einen tollen Arbeitsplatz als Buchhalterin. „Jeder erklärte mich damals für verrückt, als ich dann das kleine Geschäft in der Bogengasse übernahm, das gerade frei wurde“, erinnert sich Voß und muss noch heute über ihren damaligen Wagemut lachen. Gestartet ist sie mit Strümpfen – und schon damals nur in bester Qualität.

Als die Hersteller dann mit einer Unterwäschekollektion an den Markt gingen, stieg sie damit auch ein und vergrößerte sich nach zwei Jahren in dem Laden auf der Fahrgasse. „Unterwäsche ist mein absolutes Steckenpferd. Schöne Wäsche und Bademode – da kann ich selbst nicht genug davon bekommen“, sagt die Einzelhändlerin mit glänzenden Augen.

So manch eine Kundin begleitet Rosmarie Voß schon seit Beginn ihrer Selbstständigkeit. Und im Umkehrschluss kennt auch sie die Damen sehr gut. „Manchmal habe ich schon beim Ordern der Ware für ein bestimmtes Stück eine bestimmte Kundin im Sinn“, so Voß. Sie begleitet die Damen bei entscheidenden Momenten ihres Lebens, wenn es eben auf schöne Unterwäsche ankommt. Das kann das Spitzenseidenhöschen unter dem Hochzeitskleid sein, oder der passende Badeanzug, mit farblich harmonierender Tunika und Flipflops für die langersehnte Karibikschiffsreise.

Auch für mit Damenwäsche überforderte Männer hat Rosmarie Voß ein Herz. Sie kommen schon mal in den Laden und sagen, dass ihre Frau die gleiche Figur habe wie Romarie Voß oder eine ihrer Mitarbeiterinnen. „Wenn die Dame ihr Geschenk dann umtauscht, zeigt es sich oft, dass die Figur eben doch nicht ganz so ähnlich ist“, sagt Rosmarie Voß amüsiert.

Die Ankündigung auf ihren Ausverkauf hat einen wahren Ansturm zur Folge. Die Kundinnen stehen eng an eng, an einigen Tagen bis auf die Straße. Bis zu den beiden Samstagen zum Weihnachtsmarkt will sie auf jeden Fall noch öffnen. Ob es danach noch weiter geht, hängt davon ab, ob es noch genügend Strümpfe, schöne Wäsche und Badeanzüge zum Verkaufen gibt. Einen großen Abschluss mit Sekt und Schnittchen plant Rosmarie Voß nicht: „Ich hatte das vor, aber je näher der Termin rückt, desto mehr bin ich überzeugt, dass ich das mental nicht verkrafte“, sagt Rosmarie Voß.

Aber sie freut sich auch auf die Zeit danach. „In Ruhe mit dem Hund gehen, zum Sport, den Tag auf mich zukommen lassen. Ich träume davon, einen Fotokurs zu besuchen – mir fällt schon genügend Beschäftigung ein“, schildert sie ihre Pläne.

Wer jetzt bei Rosmarie Voß in der Fahrgasse 35 in Dreieichenhain noch ein Schnäppchen machen möchte, hat von Montag bis Freitag – außer Mittwoch – , von 10 und 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 14 Uhr die Gelegenheit dazu.

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