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Schaden in Millionenhöhe: Wohl geringe Strafen für Steuerhinterzieher-Trio

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Von: Walter Scheele

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© sebra; Fotolia

Der Prozess am Landgericht Darmstadt um drei Brüder, die Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben sollen, neigt sich dem Ende zu. Beobachter erwarten eine geringe Strafe.

Der Frust bei den Steuerfahndern im Kreis Offenbach und in den neuen Bundesländern ist groß. Drei Brüder haben in einem geschickt ausgeklügelten System den Staat um mindestens 2,2 Millionen Euro Steuern betrogen. Andere Quellen sprechen sogar von einer zweistelligen Millionensumme. Wichtigstes Zentrum der Betrügereien war eine Wohnung in Dreieich. Von hier aus agierten zwei Brüder, 40 und 31 Jahre alt, als Bosse eines weit verzweigten Firmennetzes, das angeblich mit Textilien handelte (wir berichteten mehrfach). Der dritte Bruder, angeblich der Kopf der Bande, hat sich nach Lahore im fernen Pakistan abgesetzt. Dort verwaltet er das Geld des Familienbetriebs.

Druck falscher Belege

Kopf des „deutschen Zweigs“ der weit verbreiteten Betrügereien ist der 40-Jährige aus Dreieich. Sein im gleichen Haus mit ihm wohnender Bruder (31) gilt als Computer-spezialist, der den Druck der fal-schen Rechnungen und Belege erst ermöglicht haben soll. „Der hätte mit seiner Intelligenz die Chance, in der deutschen Wirtschaft Karriere zu machen“, wusste ein Insider des Prozesses zu berichten. Warum der Mann bei den Betrügereien mitgemacht hat? Das sei nur auf Familienbande zurückzuführen. Wobei dieser Begriff einen völlig neuen Klang bekommt.

Die Zeugen, die bisher gehört wurden, machten keine Aussagen. Nicht zuletzt, weil sie um ihre Gesundheit fürchteten oder weil sie selbst Verfahren in dieser Sache am Hals haben.

Ein aus der Untersuchungshaft vorgeführter Zeuge sagte vor Gericht aus, er habe nur auf Bitten eines Freundes seinen Namen für die Gründung einer Firma in Erfurt hergegeben. Was und wie da gehandelt wurde, davon hatte er „keine Ahnung“. Auch nicht von Scheinrechnungen, mit denen Vorsteuer kassiert wurde. Allerdings räumte der 44-Jährige ein, in verschiedenen Textilhäusern eines Mittelsmannes der Angeklagten Geschäftsführer gewesen zu sein.

Nachdem es, ohne Beteiligung des Gerichtes, zu einem Gespräch zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft gekommen war, zeichnet sich am dann bereits 15. Verhandlungstag endlich ein Abschluss des Verfahrens ab.

Bauchgrimmen

Staatsanwalt Tobias Stevens stimmte zu, von den 84 Anklagepunkten etliche einzustellen. Damit könne er einem Strafmaß von mindestens einem Jahr und zehn Monaten bis zweieinviertel Jahren für den älteren der Brüder „nicht entgegenstehen“. Für den 31-jährigen Computerspezialisten fand er einen Strafrahmen von 10 bis 16 Monaten angemessen.

Nur der Verteidigerin des 31-Jährigen bereitete das „etwas Bauchgrimmen“. Denn, fürchtet sie, bei über einem Jahr Haftstrafe könnte er aus Deutschland ausgewiesen werden.

Das Urteil wird am 12. Dezember erwartet. Ein Steuerfahnder stellte sarkastisch fest: „Solche Strafen sind doch eine glatte Einladung für Straftäter. Die Strafen für diese Form der Steuerhinterziehung sind viel zu gering.“

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