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Möhrchen für Rambo und die Schafdamen: Sibylle Ruppersberg hatte die von Naturschützern geretteten Tiere eigentlich nur zum „Mähen“ der Wiese angeschafft. Jetzt liefern ihre Schützlinge Wolle für handgemachte Kissen und Decken.

Schafbesitzerin

Sibylle Ruppersberg fertigt Kissen aus Rambos Wolle

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Vor fünf Jahren hat Sibylle Ruppersberg sich ein Haus im Seegewann gekauft und Schafe zugelegt. Schließlich tauschte sie den Schreibtisch gegen die Schafweide und hat daraus eine eigene Geschäftsidee entwickelt: Aus der Wolle von Rambo und Co. fertigt die 52-Jährige flauschige Kissen und Decken.

Erfreut blökend trabt Rambo gemächlich auf Sibylle Ruppersberg zu. Der große und sehr kräftige Schafsbock hat die frischen Karottenstückchen in der Hand der Sprendlingerin erblickt und kann es jetzt kaum erwarten, mit der Köstlichkeit gefüttert zu werden. Die Schafbesitzerin achtet genau darauf, dass der gierige Rambo nicht der einzige Nutznießer der Leckerchen ist. Auch seine Kumpanin Lisa und die vier Skudden-Schafe, eine seltene gewordene Hausschafrasse, sollen schließlich Möhrchen abbekommen.

Rambo und die fünf Schafdamen haben Tierschützer aus schlechter Haltung gerettet und der 52-Jährigen vermittelt. „Das hier draußen“, sagt Ruppersberg mit Blick auf die rund 6000 Quadratmeter große Wiese im Sprendlinger Seegewann, die an den Buchschlager Wald anschließt, „macht mich glücklich.“

Neue Geschäftsidee

Als sie vor fünf Jahren das Haus kaufte und mit ihrer Tochter und deren Lebensgefährten auf das Grundstück zog, war ihr noch nicht bewusst, dass ihr durch die „Schnapsidee“ der Schafhaltung – um die große Wiese zu bewirtschaften – eine neue Geschäftsidee kommen wird. Denn eigentlich war die gelernte Erzieherin nach einer beruflichen Umorientierung als stellvertretende Niederlassungsleiterin eines Bauingenieurunternehmens mehr als ausgelastet.

Doch eines Tages fragte sie sich, ob das schon alles war: Der Rücken machte ihr zunehmend Probleme, die langen Arbeitszeiten zermürbten sie. Dann ließ sie die Schafe von einem Schäfer scheren. „Er sagte, die Wolle sei nicht sonderlich wertvoll. Aber es widerstrebte mir, sie wegzuwerfen“, berichtet Ruppersberg. Also begann sie, sich einzulesen. Schnell stieß sie auf viele Quellen, die die Nutzung der Schafwolle als Naturheilmittel belegen. Schon unter Kaiser Nero hatten die alten Römer erkannt, welch gute Wirkung das Fell der Tiere habe. Muskelverspannung, Arthritis, Arthrose, rheumatische Erkrankungen – für all diese Probleme ist die Wärme des Echtfells lindernd und wohltuend. Also nähte Ruppersberg, die selbst nach einem Sportunfall als Teenagerin von Rückenschmerzen geplagt ist, Rambos Wolle in einen Kissenbezug ein und legte ihn sich auf den Rücken.

Luftdurchlässig

„Ich kann nicht genau sagen, wie viele Wärmepflaster ich in meinem Leben benutzt habe. Da ist die natürliche Schafswolle hilfreicher. Der Körper erwärmt sich durch die Wolle selbst, die Schurwolle ist luftdurchlässig und atmungsaktiv, mir verschafft es eine deutliche Linderung“, erzählt sie. Auch Schafwolle als Bettdecke verarbeitet habe sich längst bewährt, weiß sie. Das Schlaflabor in Graz habe untersucht, dass Menschen unter dem Fell ruhiger, entspannter und auch bestens temperiert schlafen.

Fortan beschenkt Ruppersberg alle Freunde und Bekannten. Die Kissen werden immer hübscher – und in schöne Stoffe verpackt. Ruppersberg kreiert Herzkissen für Regelschmerzen, winzige Kissen für Babys mit Blähungen, praktische Knie-Kissen, die wie eine Manschette um das schmerzende Gelenk geschnallt werden, und sogar Haustierkissen für ältere Hunde und Katzen. Ihren verantwortungsvollen Job in der Firma hat sie inzwischen gekündigt.

Irgendwann war sie so fasziniert von der Idee, ihre Wolle zu einem Geschäftsmodell zu machen, dass sie sich beraten ließ. Am Ostpol Gründercampus in Offenbach erstellte sie einen Businessplan. Bei den Social Business Women in Königstein präsentierte sie diese Idee und bekam ein Gründerinnenkapital und ein dreijähriges Coaching zur Unterstützung, damit das Geschäft ins Laufen kommt.

Seit einigen Wochen vertreibt sie ihre Kissen unter den Namen „Five Sheep“, zu deutsch fünf Schafe. „Five Sheep heißt das Unternehmen, weil es Lisa bei der Idee noch nicht gab. Der Name bleibt jetzt aber“, erzählt die Unternehmerin lachend. Natürlich reicht die Wolle von Rambo und den Schafdamen nicht für all die Bettdecken, Knie- und Haustierkissen. Um möglichst viel Wolle zu dem medizinischen Produkt verarbeiten zu können, bekommt Sibylle Ruppersberg jetzt auch unter anderem das Fell von den Klosterschafen in Seligenstadt und von den Tieren auf der Glückswiese in Frankfurt-Sindlingen. „Langfristig werden wir einen Verein gründen mit dem Namen Wollenland und wollen uns um die Wolle in der ganzen Region kümmern“, erzählt die Sprendlingerin.

Auch Vertriebswege für ihre Kissen hat Ruppersberg bereits aufgebaut Sie arbeitet mit einem Tierarzt in Erzhausen zusammen, die Dreieicher Tierheilpraxis Claudia Oehl und auch zwei Physiotherapeuten, die Praxis Genn, und das Café Vielfalt in der Eisenbahnstraße werden die Produkte aus medizinischer Schafwolle verkaufen. Seit neuestem gibt es auch eine Internetseite. „Aber eines Tages“, so träumt die Unternehmerin, „habe ich meinen Zirkuswagen und werde die Ware auch hier in Sprendlingen verkaufen.“

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