Tierheim Dreieich

Sie schenkt ihr Herz den Tierbabys

  • schließen

Für die Pflege gefundener Wildtiere hat Tanja Schäfer sogar ihren Job aufgegeben. Um dies noch intensiver tun zu können, ist sie auf das Gelände des Tierheims in Dreieich gezogen.

Bei Tanja Schäfer herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Vor vier Wochen ist sie mit ihrer Wildtierhilfe Rödermark – die künftig einfach nur noch Wildtierhilfe Schäfer heißen wird – auf das Tierheimgelände nach Dreieich gezogen. Bevor Mitte Februar ihre „Saison“ so richtig beginnt und die Telefone nicht mehr stillstehen, weil Passanten Jungvögel, Babyeichhörnchen oder Entenküken gefunden haben, hat sie Zeit, ihre Volieren und Unterkünfte für die Tiere herzurichten, den Entenweiher auszuheben und sich mit ihrem Mann häuslich im Bungalow einzurichten. Derzeit bringt sie nur ein paar zu kleine Igel über den Winter. „Das hat jetzt einfach gepasst. Das Tierheim hat einen Mieter gesucht, damit nachts jemand hier ist, und ich habe ein Haus mit größerem Grundstück gesucht. Das ist sozusagen eine Win-win-Situation“, freut sie sich.

Eigentlich ist Tanja Schäfer gelernte Bürokauffrau – bis sie vor vier Jahren einen verletzten, jungen Vogel im Wald gefunden hat. „Ich habe das Buntspechtbaby aufgepäppelt und anschließend ausgewildert – und dabei Freude daran gefunden“, erzählt die ursprünglich aus Langen stammende Tierfreundin mit einem Lächeln. Inzwischen hat sie ihre Arbeit aufgegeben und widmet sich voll und ganz den Tieren. „Zum Glück habe ich einen Mann, für den das in Ordnung ist“, erklärt sie.

Alle zwei Stunden muss ein noch ganz kleiner Vogel gefüttert werden, auch die Eichhörnchen brauchen regelmäßig ihre Milch – auch nachts. „Wer denkt, dass ich den ganzen Tag mit Eichhörnchen kuschele, ist definitiv falsch gewickelt. Ich füttere die ganze Zeit und mache Kisten, Volieren und Käfige sauber“, berichtet Schäfer von ihrem Alltag.

Gerade gestern habe sie ihre Bücher für das Veterinäramt für 2017 fertiggemacht. Alles muss genauestens dokumentiert werden. Wer hat das Tier abgegeben, in welchem Zustand, hat es überlebt, wann wurde es wieder ausgewildert. „Denn das ist natürlich mein größtes Ziel: Ich will die Tiere in die Natur zurück entlassen“, so Tanja Schäfer.

„Manchmal muss ich den Leuten leider auch sagen, die mir die Tiere bringen, dass sie zum Tierarzt gehen sollen und das Tier einschläfern lassen müssen. Das Leben in der Freiheit ist hart genug. Wenn die Jungtiere zu schwach sind oder behindert, dann erlösen wir sie lieber. Ein Leben in Gefangenschaft ist niemals eine Option.“

Wenn sie selbst tagelang um ein ihr anvertrautes Tier gekämpft hat und sich der Zustand dann verschlechtert und sie zum Tierarzt muss, um es von seinem Leid zu erlösen, dann muss sie auch nach vier Jahren immer wieder weinen. „Ich glaube, wenn es mich nicht mehr berührt, dann muss ich es lassen“, sagt Schäfer.

Aber die Überlebensquote sei gut: 2017 haben 95 Prozent der Eichhörnchen überlebt. Oft werden die kleinen, lustigen Kerle als kompletter Wurf gebracht. Sie sind bei Baumfällarbeiten vom Baum gefallen oder haben unliebsam auf einem Balkon gelebt. Auch Vögel, die aus dem Nest gefallen sind, päppelt sie als kleine, nackte Geschöpfen so lange auf, bis sie mit vollem Gefieder in den Wäldern ihre Flügel ausbreiten können.

Von Hand aufgezogene Eichhörnchen werden beinahe zahm und klettern auch schon mal auf Tanja Schäfer herum. „Bevor ich sie auswildere, setze ich sie vier bis sechs Wochen in die Voliere, gebe ihnen nur Futter, das sie auch in ihrem natürlichen Lebensraum finden. Wenn ich dann nicht mehr täglich im Körperkontakt mit den Tieren bin, ist es auch ganz schnell mit der Nähe zum Menschen vorbei“, sagt die Fachfrau. Ein junger Vogel kann oft schon nach vier Wochen wieder in die Freiheit entlassen werden, bei den Eichhörnchen dauert es mit 16 Wochen deutlich länger.

Die Anzahl der Tiere, die 2017 durch die Hände von Tanja Schäfer gingen, sind beachtlich: 424 Vögel, 95 Eichhörnchen, 29 Igel, 54 Enten, 16 Spechte. Dazu hat sie 12 Raben und 14 Tauben aufgenommen, die sie an Kollegen mit der entsprechenden Berechtigung weitergegeben hat. Denn alles ist vom Veterinäramt klar geregelt, und jeder Wildtierretter muss Prüfungen für die jeweiligen Tiere ablegen und die richtigen Haltungsbedingungen vorweisen können.

Abgesehen von der Arbeit geht das Retten der Tiere auch ins Geld: All die Vögel, Enten und Eichhörnchen fressen auch ordentlich – für 200 Euro in der Woche ordert Schäfer Insekten alleine für die Jungvögel. Das finanziert sie ausschließlich über Spenden. Auch Tierarztkosten können jederzeit dazukommen. „Wobei einige Tierärzte von mir kein Geld nehmen, wenn sie kleinere Blessuren flicken oder ein Tier erlösen“, berichtet Schäfer.

Wer Tanja Schäfer bei ihrer Arbeit unterstützen möchte, kann das mit einer Spende tun: Wildtierhilfe Rödermark, Sparkasse Dieburg, IBAN DE64 508 526 510 145 019 097 und BIC HELADEF1DIE.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare