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Der Schlüssel zur Eigenverantwortung

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Von: Nicole Jost

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Der SV Dreieichenhain ist jetzt in Eigenregie für den Sportplatz „Im Haag“ zuständig. Die Stadt will damit vor allem Kosten sparen. Der Verein betrachtet diesen Schritt auch als Chance.

Jetzt ist es also beschlossen und vertraglich geregelt: Der Sportverein Dreieichenhain (SVD) übernimmt den Sportplatz „Im Haag“ künftig in Eigenregie. Die Stadt gibt damit die Verantwortung für die Pflege, die Belegung und mögliche Vermarktung der 10 500 Quadratmeter großen Fläche an den Vorstand des Vereins ab. Erster Stadtrat Martin Burlon war gestern in Dreieichenhain, um den Schlüssel symbolisch an die Verantwortlichen zu übergeben und die Verträge zu unterschreiben.

Hintergrund der Abgabe der Plätze an die Vereine ist die Haushaltssanierung und die ungeliebte Sportplatznutzungsgebühr, die aus der Schuldenbremse resultierte. Im Mai 2017 fiel die politische Entscheidung zur Abgabe der Plätze – damit ist die Sportplatznutzungsgebühr für alle Vereine vom Tisch.

Kontrovers diskutiert

Die Einsparung der Stadt allein für den SVD-Platz ist erheblich: Bislang lag das Budget für Pflege, Sachkosten und Personal für den Fußballplatz bei rund 37 000 Euro. Dabei ist das Vereinshaus mit Duschen und Umkleiden schon seit Vereinsgründung in den Händen des SVD. Ganz ohne Unterstützung lässt die Stadt den Verein dennoch nicht stehen. Für das Jahr 2018 können die Verantwortlichen noch mit 22 200 Euro rechnen, für 2019 sind 17 200 Euro geplant, und ab 2020 gibt es 11 500 Euro Förderung. Martin Burlon lobte die Kooperationsbereitschaft des SVD: „Der Verein kam sehr früh auf uns zu und wollte die Zukunft selbst aktiv sichern.“

„Natürlich waren wir nicht immer glücklich mit den Entscheidungen des Stadtparlaments und haben oft mit Bürgermeister Dieter Zimmer kontrovers diskutiert“, gibt Christoph Knittel, im Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, zu. „Aber am Ende ist es uns doch gelungen, Lösungen zu finden und Kompromisse zu schließen.“ Die Übernahme habe durchaus auch positive Seiten, es gebe jetzt „wesentlich mehr Optionen zur Gestaltung“. „Wir müssen uns nicht mehr damit auseinandersetzen, dass noch einmal gedüngt wird oder der Platz gesperrt ist. Das ist künftig in unserer Verantwortung“, betont Knittel.

Die Verantwortlichen seien auch schon in Gesprächen mit Experten der Rasenpflege, es werde über die Anschaffung eines Mähroboters diskutiert, und es gebe viel zu lernen. Auch von einer Flutlichtanlage träumt Jochem Liebermann, Vorsitzender der SVD-Fußballabteilung. „Mit einer Lichtanlage können wir die Trainingszeiten ausweiten“, erklärt Liebermann. Zwischen 50 000 und 100 000 Euro kostet eine solche Anlage – für die moderne LED-Beleuchtung gebe es etliche öffentliche Fördertöpfe. „Wir wollen diese Fragen bis zum Herbst gelöst haben“, so Liebermann.

An alle Mitglieder denken

Über all den Übernahmediskussionen sei es dem Vorstand immer am wichtigsten gewesen, die Kosten für den Verein kalkulierbar zu halten. „Wir haben 250 Mitglieder in der Fußballabteilung. Bei insgesamt 1600 Vereinsmitgliedern sind das 1350 Sportler aus den anderen Sparten – und denen müssen wir schließlich auch Rechnung tragen“, erklärt Christoph Knittel.

Das Jahr 2018 solle dann im Zeichen der Hallensportarten stehen. „Denn da sind die Kapazitäten so knapp, dass sich Stadt und Kreis dringend Gedanken machen müssen. Es ist immer noch das Turnen, über das wir die Kinder in den Verein und zum Sport bekommen“, fordert Knittel dafür die nötige Aufmerksamkeit. Der Neubau einer Halle mit Vereinsinitiative könne in Zukunft interessant werden.

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