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Schüler klären über Gefahren des Rauchens auf

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Von: Nicole Jost

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Mit dem überdimensionalen Modell einer Zigarette veranschaulichen sechs Heine-Schüler, welche Giftstoffe in einem Glimmstängel enthalten sind. Die Arbeit soll in der Schule einen besonderen Platz erhalten.

Schon jeder Grundschüler weiß heute, dass Rauchen und Zigaretten ganz und gar ungesund sind. Die Zehntklässler der Heinrich-Heine-Schule haben sich im Wahlpflichtunterricht im Fach „Service Learning“ in diesem Halbjahr detailliert mit den Inhaltsstoffen eines Glimmstängels auseinandergesetzt. Inspiriert von der Idee von Uwe Grünhäuser, Suchtpräventionsbeauftragter der Dreieicher Europaschule, und unterstützt von Sozialpädagogin Nicole Bondaug haben Danilo, Mert, Mehmed, Steven, Ali und Tyrone ein großes Modell einer Zigarette gebaut, die jetzt in der Gesamtschule ausgestellt wird.

In einer großen Plexiglashülle haben die Bastler einen Filter aus Styropor verbaut und gehäckselte Pappe als Tabak eingefüllt. „Natürlich wussten wir auch vorher, dass Rauchen ungesund ist“, sagt Danilo, „aber dass in einer einzigen Zigarette so giftige Stoffe sind, das hat mich schon erschreckt“, erzählt der Realschüler. Doch wie sollten sie die Inhaltsstoffe veranschaulichen? „Wir haben auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine gute Hilfe gefunden“, erzählt Mert bei der Präsentation des gelungenen Modells.

Und die Gifte des weit verbreiteten Suchtmittels sind wahrlich vielseitig: polyzyklische Kohlenwasserstoffe, wie sie in Abgasen von Verbrennungsmotoren aus den Auspuffen strömen, Blausäure, wie sie von Kammerjägern zum Töten von Schädlingen verwendet wird, oder N-Nitrosamine, wie sie in Ölen oder Schmierstoffen vorkommen. Die Giftstoffe haben die Schüler in der Plexiglashülle der Zigarette in Form von beschrifteten kleinen Zetteln verbaut. Aber sie veranschaulichen auch mit Gegenständen, welche Gifte enthalten sind. So zeigt das Innere der Plexiglaszigarette mit einem Duftbaum die aromatischen Amine, ein Haushalts-Desinfektionsspray steht für das Formaldehyd, das Plastik eines Spielzeugautos symbolisiert das Nitrobenzol und eine alte Batterie die Stoffe Blei, Cadmium und Nickel.

Sehr eigenständig

Bei der Entwicklung des Modells war die Gruppe sehr eigenständig, hat sich die Materialien selbst organisiert und die Zigarette gemeinsam im Unterricht zusammengebaut. „Ich war immer etwas hektisch, weil wir ja schon etwas Geld in die Materialien investiert haben und ich unbedingt wollte, dass es schön wird“, gibt Nicole Bondaug lächelnd zu. Die Stadt Dreieich hat das Projekt mit 200 Euro für die Materialkosten bezuschusst. Die Befürchtung von Bondaug, dass die Jungen schludern, war zudem unbegründet: „Es ist eine wirklich schöne Arbeit geworden“, lobt sie ihre Schüler.

Rainer Ummendorfer vom Suchthilfezentrum Wildhof ist ebenfalls begeistert von dem Arbeitsergebnis der Zehntklässler. „Wir haben im Zentrum auch ein solches Modell. Die Riesenzigarette weckt die Neugierde, fordert die Leute dazu auf, sie näher zu betrachten, und macht dann auch betroffen, wie giftig das Rauchen ist. Das hat schon eine abschreckende Wirkung“, sagt der Fachmann überzeugt. Uwe Grünhäuser ist froh, dass die Schüler ein so bleibendes Modell geschaffen haben: „Es ist gut für die Präventionsarbeit an unserer Schule, dass wir jetzt solch ein eigenes Anschauungsobjekt haben.“

Die Schüler hoffen ebenfalls, dass ihre Arbeit sinnvoll war. „Die Modell-Zigarette kann jetzt benutzt werden, um anderen, vor allem jüngeren Kindern die Nachteile und Auswirkungen des Rauchens auf den menschlichen Körper zu veranschaulichen“, erläutert Ali die Intension der Bastelarbeit.

Nachhaltiger Lerneffekt

Und wie sieht es denn jetzt mit dem nachhaltigen Lerneffekt aus dem Modellbau aus? Wer greift von den Jungs noch zur Zigarette? Alle schütteln artig den Kopf. „Aber das würden sie hier und jetzt auch niemals zugeben“, ist Schulleiterin Sigrid Harnischfeger überzeugt. Sie kündigt an, dass das Modell einen gut sichtbaren Platz in einer Vitrine bekommt, so dass alle Heinrich-Heine-Schüler immer sehen können, wie ungesund Zigaretten sind.

Das Fach „Service Learning“ ist für die Realschüler der Heinrich-Heine-Schule eine Alternative zur zweiten Fremdsprache. Statt Spanisch oder Französisch wählen sich die Schüler in „Lernen durch Engagement“ ein. Die Zigarette war dabei in diesem Schuljahr nur ein Projekt, andere Schüler hatten einen Disco-Nachmittag im Seniorenheim organisiert, und es gab schon Spielplatzprojekte im Sprendlinger Norden.

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