Ausstellung

Schwarzer Humor aus spitzer Feder in Dreieich

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Tolle Auszeichnung für das Dreieich-Museum: Es hat den Museumspreis der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen gewonnen, der mit 25 000 Euro dotiert ist. Die aktuelle Sonderausstellung wurde verlängert.

Der Betrachter der Til-Mette-Ausstellung im Dreieich-Museum braucht einen etwas schwarzen Humor, um über die großartigen Comic-Zeichnungen Lachen zu können. Denn manchmal bleibt einem bei den scharfsinnigen Zeichnungen das Kichern gründlich im Halse stecken. Der Karikaturist des Stern-Magazins trifft den Zeitgeist mit den Comics so genau, dass es manchmal auch schon ein bisschen wehtut.

Da ist beispielsweise der Globus „Made in USA“, der einfach nur noch den amerikanischen Kontinent zeigt – mehr „America First“ geht wohl nicht. Oder auch das gestresste Kind, dessen wohlmeinender Vater ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest und vom Töchterlein nur ein „Ich hatte einen anstrengenden Tag. Kannst Du bitte draußen weiterlesen.“ erntet.

„Wir brauchten eine Ausstellung, die auch für die Besucher der Burgfestspiele ein Anreiz ist, in unser Haus zu kommen. Dazu sind die Arbeiten von Til Mette hervorragend geeignet. Die Leute konnten in den Festspielwochen vor den Vorstellungen schnell mal durch die Schau flanieren und ein bisschen lachen. Die Resonanz ist ganz großartig“, freut sich Museumsleiterin Corinna Molitor, dass so viele Besucher auch positive Kommentare im Gästebuch hinterlassen haben. Nicht jedes städtische Museum in der Größe von Dreieich kann die Bilder eines solch renommierten Künstlers zeigen. „Da sind wir auch ein bisschen stolz drauf, dass uns das in diesem Sommer gelungen ist“, verrät Molitor.

Noch großartiger war aber sicher die Nachricht, dass das Museum den Museumspreis der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen gewonnen hat. Eine bundesweit besetzte Fachjury hat sieben Museen, die in die Endausscheidung gekommen waren, persönlich besucht – und Dreieich hat letztlich das Rennen gemacht. Für den Träger, den Geschichts- und Heimatverein, ist neben der Ehre vor allem auch die Dotierung des Preises in Höhe von 25 000 Euro bedeutsam, die er für die Museumsarbeit verwenden kann. „Wir waren ganz schön aus dem Häuschen“, gibt Molitor zu.

Die Jury hat vor allem an der im Mai 2017 neu eröffneten Dauerausstellung im Obergeschoss Gefallen gefunden. Sie lobte die Bandbreite der modern und multimedial gestalteten Schau, welche die Geschichte vom frühen Mittelalter, als der Hayn noch Verwaltungsmittelpunkt des kaiserlichen Bannwalds war, bis hin zur Gebietsreform 1977, als alle Ortsteile zur Stadt Dreieich zusammengefasst wurden, spannend aufarbeitet.

Das Museum habe seit der Übergabe vom Kreis Offenbach an den Geschichts- und Heimatverein Dreieichenhain im Jahr 2011 eine bemerkenswerte Verwandlung erfahren. Das bis dahin sehr konventionell betriebene Haus habe kaum noch Besucher gehabt. Corinna Molitor sei es dann gelungen, den Vorstand von einer kompletten Neuausrichtung zu überzeugen. Die Dauerausstellung mit ihrem modernen Mix aus Texttafeln, Exponaten und Multimediastationen locke seit dem vergangenen Jahr deutlich mehr Besucher an. Natürlich tragen auch die spannenden Wechselausstellungen, wie eben die Cartoons von Til Mette dazu bei, dass das Museum sich wieder so großer Beliebtheit erfreut.

Der Preis soll in diesem Herbst in Dreieichenhain übergeben werden. Wie hoch der Stellenwert des alle zwei Jahre vergebenen Museumspreis der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen ist, beweisen wohl die bisherigen Preisträger am besten: Die Vorgänger des Dreieich-Museums sind das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt (2012) oder das Museum Judengasse ebenfalls in der Mainmetropole (2016).

Der Besuch des Museums lohnt sich also allemal. Und auch die Cartoon-Freunde können sich freuen. Die Til-Mette-Ausstellung wurde bis zum 21. Oktober verlängert. Das Museum ist während des Töpfermarkt, am Sonntag, 30. September, geöffnet, und auch am 3. Oktober öffnet das Team des Geschichts- und Heimatvereins das Haus von 11 bis 18 Uhr. Sonst hat das Museum immer samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Verein freut sich aber über Spenden.

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