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„Sehr guter Unterricht war mir wichtig“

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Sieben Jahre hat er die Weibelfeldschule geleitet, nun geht Gerhard Kemmerer in Pension.

Das kann wohl auch nicht jeder von sich behaupten: „Ich hatte ein großes Glück, ich bin jeden Tag sehr gerne zur Schule gegangen“, sagt Gerhard Kemmerer. Nach 36 Jahren als Pädagoge und 24 Jahren als Schulleiter – davon 7 Jahre an der Dreieicher Weibelfeldschule – wurde der Oberstudienrat am Donnerstagnachmittag mit großem Bahnhof verabschiedet.

„Der Abschied vom Berufsleben fällt natürlich ein wenig schwer. Ich habe diese Arbeit mit viel Begeisterung getan und es war für mich immer etwas Besonderes, meine eigene Leidenschaft für den Sport und die Musik an die Schüler weiterzugeben“, sagt Kemmerer. Andererseits sei dieser Schritt absehbar und planbar: „Und schon in meinem ersten Staatsexamen habe ich mich mit Altensport und dem erfolgreichen Altern beschäftigt – da kann ich meine Forschungsergebnisse jetzt wohl selbst anwenden“, meint der Schulleiter lachend.

Mit Spenden realisiert

Gerhard Kemmerer blickt zufrieden auf eine erfolgreiche Zeit an der Gesamtschule zurück: „Wir, und damit meine ich auch all meine Kollegen, haben einiges erreicht. Gemeinsam mit den Schülern und auch den Eltern haben wir es geschafft, den besonderen Spirit der Weibelfeldschule zu leben.“ Damit spricht er beispielsweise die Schulhofgestaltung an, die mit vielen Spendenaktionen realisiert werden konnte. Heute zieren den einst kargen Hof viele Zonen, die zum Bewegen, aber auch zum Relaxen einladen. „Das war nur mit hohem Engagement aus der Elternschaft möglich. Das ist auch nicht selbstverständlich“, betont Kemmerer.

Dazu kommt die erfolgreiche Kooperation mit Stadt und Kreis mit der Verwirklichung der Stadtteil- und Schulbücherei auf dem Gelände der Gesamtschule. „Bibliothekarin Linda Hein unterstütz die Schüler mit Methodentraining und Leseförderung, es ist ein Platz zum Arbeiten für die Schulgemeinde. Zum Glück ist es uns gelungen, diese Stelle langfristig zu sichern. Noch nie hat eine Schule den Hessischen Lesepreis gewonnen, der Weibelfeldschule ist das gleich zwei Mal gelungen“, sagt der Schulleiter nicht ohne Stolz.

Er habe oftmals mit einer Marathonläuferqualität für die Schule gekämpft. „Manche bezeichnen es auch als Sturheit“, so Kemmerer augenzwinkernd. Beständig wurde am Schulprogramm gearbeitet, immer lag der Fokus auf der Bildungsqualität. Bläserklasse und Naturwissenschaftliche Klasse gehören inzwischen zum Standard – die Themenklassen in der Förderstufe mit zusätzlichem Sport, Medien oder Theaterschwerpunkt werden jetzt eingeführt.

Empathie vonnöten

Die Gesamtschule hat das Gütesiegel Hochbegabung, ist MINT-freundliche Schule und ist in der Gewalt- und Suchtprävention gut aufgestellt. „Mir war es immer das Wichtigste, Bedingungen zu schaffen, die guten und sehr guten Unterricht ermöglichen.“ Die Grundvoraussetzung für einen Lehrer sei aber, Empathie und Sympathie für die Schüler zu haben.

Eines gab es aber doch, was dann nicht so gut gelaufen ist – das hat Gerhard Kemmerer auch schwer getroffen: „Unser Kompetenzzentrum Neue Sprachen wurde zerschlagen. Eine Entscheidung des Kultusministeriums, die wir sehr bedauern.“ Als Kompetenzzentrum war die Weibelfeldschule Treffpunkt für viele Lehrer aus Hessen für Fortbildungen mit Professoren. Die Gesamtschule war das erfolgreichste Zentrum überregional und alle hätten von dem fachlichen Austausch sehr profitiert.

Doch jetzt beginnen für Gerhard Kemmerer neue Zeiten. Der Vater von drei Kindern, der mit seiner Frau in Heusenstamm lebt, hat so manch einen Schatz im Bücherregal, der noch einmal gelesen werden will. Auch die Musik und der Sport lassen ihn nicht los. Der 62-Jährige spielt mit Begeisterung Piano in einer Big Band und ist viele Kilometer auf seinem Fahrrad unterwegs. Das Wohnmobil vor dem Haus verrät auch, dass er mehr Zeit auf den Straßen verbringt, um schöne Winkel Deutschlands und Europas zu entdecken. Ein Traum ist es, einmal mit dem Rad die Alpen zu überqueren und dabei einige Hürden der Tour de France zu überwinden, wie die Strecke nach Alpes d’huez. „Wenn das mit dem Rad nicht mehr klappt, muss ich wohl zu Fuß gehen. Aber vielleicht klappt es ja mit dem Rad.“ Langeweile, so viel ist sicher, wird Gerhard Kemmerer nicht haben.

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