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Seit 25 Jahren besteht der Ausländerbeirat Dreieich. Das Bild zeigt einen Großteil der aktuellen Besetzung um Vorsitzende Fatma Nur Kizilok (rechts).

Ausländerbeirat

Sie sind Experten in Sachen Integration

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Es war ein hartes Stück Arbeit bis zur Gründung des Ausländerbeirats Dreieich: „Dass unser Gremium überhaupt zustande gekommen ist, werten wir bis heute als großen Erfolg“, sagt Vorsitzende Fatma Nur Kizilok. Mit einem Festakt im Stadtverordnetensitzungssaal hat der derzeit 13 Mitglieder zählende Beirat das 25-jährige Bestehen gefeiert.

Fatma Nur Kiziloks Rückblick fällt kurz aus. „Wir sind nicht diejenigen, die die Erfolgsgeschichte in den vergangenen Jahren bestimmt haben“, sagt sie. Aber in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten seien wichtige Schritte zu mehr Teilhabe, Toleranz und Respekt erreicht worden. Ein Beispiel dafür seien die Gesundheitstage, die der Ausländerbeirat organisiert. „Die Schwierigkeiten, die muslimische Frauen beim Besuch eines deutschen Arztes haben, sind auch heute noch relevant. Da bedarf es viel Aufklärungsarbeit“, sagte die Vorsitzende des Beirats.

Das Gremium ist heute sehr engagiert und mischt sich regelmäßig in die politischen Debatten ein. Die größte Krise in der Geschichte liegt gerade mal drei Jahre zurück. Der Ausländerbeirat stand kurz vor seiner Auflösung.

Ansprechpartner

„Es gab schlichtweg keine Menschen mehr, die sich zur Wahl aufstellen lassen wollten“, erzählt die Vorsitzende. Unter großen Anstrengungen, auch von der Geschäftsführerin des Kreisausländerbeirats in Dietzenbach, Semra Kanisicak, standen letztlich kurz vor Ablauf der Frist 15 Namen auf der Wahlliste. Mit einer unterirdischen Wahlbeteiligung von 3,5 Prozent wurde der heutige Beirat ins Amt gehoben.

Was so schwerfällig begann, hat sich in den darauffolgenden drei Jahren sehr gut entwickelt. „Wir sind ein wichtiger Ansprechpartner für Migranten. Wir geben den Menschen ohne Wahlrecht eine Stimme in unserer Demokratie und noch wichtiger: Wir helfen bei der Integration. Das ist unser Fachgebiet. Wir alle sind diesen Weg erfolgreich gegangen und kennen die Schwierigkeiten und vielleicht die eine oder andere Abkürzung“, sagt Fatma Nur Kizilok. Da kommt der Betreuung von Flüchtlingen eine besondere Rolle zu.

Mit regelmäßigen Sprechstunden und Veranstaltungen erreicht der Beirat aber nicht nur ausländische Bürger. Er bekommt auch positive Reaktionen von Dreieichern ohne Migrationshintergrund, zum Beispiel bei der alljährlichen Verteilung des Grundgesetzes oder am Stand beim Stadtfest.

Mehr bewegen

Der Vorsitzenden ist besonders die politische Arbeit in der Stadt ein wichtiges Anliegen. Es gab in den vergangenen drei Jahren keine Ausschusssitzung und keine Sitzung des Stadtparlaments ohne ein Mitglied des Ausländerbeirats. Kizilok betont die gute Zusammenarbeit mit den Parteien, von denen der Beirat eine große Kooperationsbereitschaft erfahre. „Natürlich träumen wir von einem Stimmrecht im Parlament“, sagt sie. Dafür setzt Kizilok sich öffentlich ein.

Größtes Anliegen der Gruppe ist ein Wahlrecht bei Kommunal- und Bürgermeisterwahlen. Unterstützung erfährt sie dabei von der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Uta Zapf, die in ihrer Rede zum Jubiläum erklärte, dass die Wahl zum Ausländerbeirat ein eher bescheidener, mangelhafter Ersatz für das bis heute fehlende kommunale Wahlrecht für Ausländer sei.

„Ich habe ein gutes Gefühl. Wir sind eine starke und motivierte Gruppe, die regelmäßig zusammensitz“, lobt Kizilok die Kollegen der Generation 2015, Zenah Badreddine, Tindaro Canciglia, Leyla Türk, Ignazio Fichera, Baris Güngör, Roberto Canciglia, Betül Ergün, Ilhami Ciftci, Sibel Erbey, Achilles Karailias, Süheyla Tas und Ümmühan Yassihüyük. „Unser wichtigstes Ziel ist es, bei der nächsten Ausländerbeiratswahl im November 2020 eine höhere Wahlbeteiligung zu erzielen. Wir werden mit viel Öffentlichkeitsarbeit weiter für den Ausländerbeirat und seine Wichtigkeit werben. Nur wenn sich mehr Menschen an der Wahl beteiligen, haben wir auch die Möglichkeit, mehr zu bewegen“, meint Kizilok.

Die nächste Veranstaltung ist am 9. Dezember um 13.15 Uhr im Viktoria Kino. Dort zeigt der Ausländerbeirat den preisgekrönten indischen Kinofilm „My name is Khan“. Der Eintritt ist frei.

In der öffentlichen Sitzung am 13. Dezember um 20 Uhr im Rathaus geht es um die Probleme und Bedürfnisse von Senioren mit Migrationshintergrund. Dazu erwartet der Beirat den Sozialdezernenten des Kreises, Carsten Müller.

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