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Vom Spaß, sich zu verwandeln

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Von: Nicole Jost

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Aus dem ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus kamen die Besucher zur 26. Dreieich Convention. Das Rollenspieltreffen begeisterte an zwei Tagen rund 1700 Fans.

Der Alien tobt am Rande des Bürgerparkweihers entlang, so dass die Enten verwundert schnattern. Das schwarz-glänzende Viech wird von zwei gruseligen Prädatoren mit zotteligen Haaren und riesigen Mäulern gejagt, die ihm nach dem Leben trachten. Doch das ist nicht alles: Das Trio wird von Scharfschützen der Marines mit schweren Gewehren aus dem Hinterhalt ins Fadenkreuz genommen.

Am Nachmittag klicken am Rande des Sprendlinger Bürgerparks die Kameras, die Besucher der Dreieich Convention genießen die bewegten Bilder aus einer phantastischen Welt. Miriam Gerstenlauer, die als Marine am Rande des Sees entlang pirscht, ist eigens aus Stuttgart nach Dreieich gereist, um mit ihrem Freund, dem Alien, diese Show zu liefern.

„Es ist unser Hobby, und es macht uns vor allem Spaß, die Kostüme zu bauen und sie ständig zu erweitern. Damit wir sie auch mal zeigen können, fahren wir auf drei bis vier Conventions im Jahr“, erzählt die junge Frau. Im normalen Leben ist sie Webdesignerin und ihr Freund rettet als Rettungsassistent Leben. Den Film „Alien“ mit Sigourney Weaver haben sie bestimmt 50 Mal gesehen. Die gruseligen Figuren sind eigentlich nur ein Nebenschauplatz der 26. DreieichCon, die der Jugendclub Wiric aus Buchschlag mit rund 60 ehrenamtlichen Helfern organisiert hat.

Größtes Treffen

Die Veranstaltung hat sich längst als wohl größtes Rollenspieltreffen Deutschlands etabliert. Die Spieler kommen aus dem ganzen Bundesgebiet, der Schweiz und auch aus Holland und Belgien angereist. Insgesamt laufen rund 1700 Conventionbesucher durch die Ausstellung der Spiele, des Spielzubehörs und bunter, detailreicher Zeichnungen aus der phantastischen Welt.

36 Stunden am Stück wurde im Bürgerhaus, den Clubräumen, in der Kegelbahn, in der Stadtbücherei, der städtischen Galerie und erstmals auch im Stadtcafé Dreieich gespielt, gelesen und über die Welt der Elfen, Orks und überirdischen Helden diskutiert. „Mit dem Stadtcafé konnten wir jetzt einen zusätzlichen Platz schaffen, an dem die Fans nach einer Lesung noch einmal in Ruhe bei einem Kaffee mit den Autoren diskutieren können. Das wird bislang auch gut angenommen“, freut sich Thorsten Schreck, der als Organisationsmitglied diese Option mit den Cafébetreibern ausgehandelt hat. Rein quantitativ könne die DreieichCon nicht weiter wachsen. „Wir bemühen uns aber, unsere Veranstaltung qualitativ immer weiter zu verbessern, dazu trägt der Kaffeeklatsch bei“, sagt Schreck zufrieden.

„Das Herzstück unserer Veranstaltung sind aber immer noch die Spiele und ihre Spieler“, betont Christian de Ahna, von Beginn an Mitorganisator der Convention. In jedem Winkel der Veranstaltungsräume sitzen Gruppen an den Tischen und erleben Abenteuer in den Spielewelten. Dabei werden gemeinsam Gefahren bewältigt, Stärke getankt, Kämpfe ausgefochten und Siege gefeiert – der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

„Es ist einfach wunderbar, zehn Stunden am Stück in eine völlig fremde Welt abzutauchen und vielleicht Charaktereigenschaften zu besitzen, die ich im wahren Leben gar nicht habe“, erzählt Carsten Weller, der aus Heidelberg schon seit vielen Jahren zu DreieichCon kommt. „Sonst gehe ich jeden Morgen im Anzug in die Unternehmensberatung und muss diplomatisch sein – hier kann ich ein starker Haudrauf sein, der dann auch manchmal mit üblen Konsequenzen leben muss“, erzählt der Mittdreißiger lachend.

Das schwarze Auge

Einer, der seit fast 20 Jahren zur DreieichCon kommt, ist Erfolgsautor Bernhard Hennen. Mit gleich drei Stunden Programm, der Lesung eines seiner Elfen-Romane, der neuen „Phileasson-Saga“ und einer Podiumsdiskussion, bietet er seinen Lesern einen Einblick in seine phantastische Geschichten, sein Arbeiten und stellt sich den Fragen. „Ich komme so gerne hier her, weil ich selbst über das Rollenspiel den Einstieg als Autor geschafft habe. Außerdem schätze ich Christian de Ahna als Mensch, der diese riesige Veranstaltung mit einer großen Professionalität und Ruhe organisiert“, erklärt der Autor.

Hennen war selbst Spieler der ersten Stunde von „Das schwarze Auge“ – Deutschlands renommiertestes Rollenspiel _ und hat als Student die Abenteuer mitgestaltet und geschrieben. Jetzt kehrt er zurück zu seinen Wurzeln und entwickelt mit seinem Kollegen Robert Corvus mit der Phileasson Saga eine ganze Romanreihe mit geplanten zwölf Bänden.

„Diese Serie basiert eben genau auf den Rollenspielabenteuern, die ich vor 25 Jahren geschrieben habe. Es ist schön, diese alten Geschichten wieder zu besuchen. Wenn ich zu Robert fahre, der in Köln lebt, ist das ein Déjà-vu-Erlebnis, weil ich nur 100 Meter Luftlinie entfernt studiert habe und die Spielabenteuer in dieser Zeit entstanden sind. Das macht echt Spaß.“ Die Serie wird die beiden Autoren auf Jahre miteinander verbinden, die Chemie stimmt zwischen den beiden. „Und die Lektorin konnte nicht unterscheiden, wer von uns welches Kapitel geschrieben hat. Das ist auch schon mal sehr gut“, berichtet Hennen lachend.

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