Mittelalterliche Stimmung

Turnier, Feuershow und stampfende Musik beim Hayner Burgfest

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„So etwas ist nicht mehr oft zu finden“, sagte Roger Heil. Er und sein Organisationsteam haben einmal mehr ganze Arbeit geleistet – und Tausende Besucher dankten es.

Das Hufgetrappel war in dem tiefen Sand des Turnierplatzes vor dem Obertor kaum wahrnehmbar, umso lauter waren die aufeinanderprallenden Schwertklingen der kämpfenden Götter am frühen Samstagabend zu hören. Unter dem Titel „Belenus – das Licht der Sonne“ erlebten die Zuschauer auf dem Hayner Burgfest den etwas rabiaten Wettkampf zwischen Licht und Finsternis, Kälte und Hitze, den Wettstreit der Jahreszeiten.

Regisseur Herold Flynn brachte wieder einmal eine atemberaubende Turniershow zu Pferde auf die Dreieichenhainer Bühne. Die Mittelalterfreunde jubelten, als die Göttin des Frühlings mit ihrem wunderschönen Rappen im gestreckten Galopp über den Sand fegte und die Finsternis des Winters besiegte. Ob die strahlenden Gottheiten zu Pferde zielgenau die Ringe stachen oder den Morgenstern ins weiche Holz versenkten: Die große Pferdeshow war sicher wieder einer der stärksten Publikumsmagnete zwischen der Alten Burg, der Brücke, dem Burggraben und dem Untertor.

Mit den keltischen Traditionen war damit auch der Bezug zu Dreieichenhain hergestellt: Im Jahr des 300. Kerbgeburtstags passte das besonders gut. Stammen doch die Kerbtraditionen mit den Burschen, dem Baumaufstellen und der Kerbverbrennung schon aus der 4000 Jahre vergangenen Zeit der Kelten.

Roger Heil und sein Organisationsteam hatten einmal mehr ganze Arbeit geleistet: das Ritterspektakel in der Dreieichenhainer Altstadt lockte wieder tausende Mittelalterfans an die Burg. Edle Ritter, tapfere Soldaten, Burgfräulein, Bettler, Hexen und Tagelöhner tummelten sich zwischen den rund 100 Ständen von historischem Handwerk, Hökerern und Schankwirten.

Schon am Freitagabend war der Burggarten brechend voll, die Fans wollten „Saor Patrol“ erleben. Die markanten Schotten rockten den Garten mit druckvollen Trommeln, Dudelsäcken und mittelalterlicher Pracht. Ein ganz glückliches Gesicht machte da schon Olaf Wüst. Als er gegen zehn so, wie Gott ihn schuf, mit seinen Vereinskollegen in den großen Badezuber stieg, war für ihn die mittelalterliche Welt sehr in Ordnung. „Bei uns läuft es prima. Unser Lager steht, die Betten sind bezogen, das Feuer brennt. Und wir können uns über viele neue Mitglieder freuen“, berichtete Wüst über die erfreuliche Entwicklung der Freyen Gefolgschaft zum Hayn.

Markus Weidler, einer der neuen Ritter, hatte es sich in der heißen Wanne ebenfalls bequem gemacht: „Ich wurde wirklich in noch keinem Verein so herzlich und familiär aufgenommen wie hier“, genoss auch er das Leben fern von Laptop und Handy.

Das größte Spektakel aber wartete am Samstagabend im Burggarten. Da gab es dann auch kein Durchkommen mehr, alle Burgfestbesucher wollten die Feuershow der Gruppe „Lord of the Fire“ live erleben. Wer nicht da war, hat was verpasst. 15 athletische Feuerkünstler erzählten die Geschichte vom „Feuer des Waldes“ und der dämonenhaften Kraft der heißen Flammen. Dabei war die Erzählung beinahe zu vernachlässigen, viel mächtiger waren die gewaltigen Feuerbilder, die die jungen Leute auf der Bühne zeigten. Ob mit Springseilen, Fackeln, Feuerkeulen, Hanteln oder großen Toren: sie leuchteten, glühten, sprühten Funken. Dazu klassische, mystische Klänge und äußerst sportliche Körper, die sich anmutig bewegten.

Wie aufwendig die Show war, beweist nicht nur die perfekte Choreographie, auch die Maskenbildner hatten ganze Arbeit geleistet. Die barbusigen Mädels waren am Oberkörper nur mit einer Kunstmasse aus Orchideenmulch und Latexmilch bekleidet. Das Kostüm ließ die Künstler aber dennoch angezogen wirken. Schon morgens um sechs hatte das Team begonnen, sich auf diesen besonderen Auftritt vorzubereiten. Das hatte sich gelohnt, der Burggarten tobte, und Roger Heil hatte glänzende Augen: „So etwas ist nicht mehr oft zu finden. Eigentlich können wir uns solch einen Auftritt auch nicht leisten, aber die Gruppe wollte gerne hier spielen und wir sind auch nett zu unseren Künstlern.“ Heil zog denn auch eine positive Bilanz des Burgfestes. Viele Besucher, zufriedene Aussteller. Und für die Jubiläumskerbborschen gab es einen kleinen Auftritt nach den großen Jubiläumsfeierlichkeiten im Mai: Kerbvadder Robin Winkel zeigte mit seinen Jungs am späten Samstagabend noch einmal die traditionelle Kerbverbrennung auf dem Turnierplatz – ganz nach keltischem Vorbild.

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