Historische Gebäude

Villenkolonie im Stadtteil Bruchschlag genießt besonderen Schutz

40 Jahre Dreieich: Einmal wöchentlich stellt diese Zeitung die Entwicklung von damals bis heute in den fünf Stadtteilen vor. Heute: Buchschlag.

Jungspund mit historischem Kern: Buchschlag ist zwar der jüngste Stadtteil Dreieichs, aber das ist der 1904 entstandenen Villenkolonie nicht unbedingt anzusehen. Der Grund dafür ist der mühsame Weg zum hart erkämpften Denkmalschutz.

Waldgemeinde, Gartenstadt, Landhaussiedlung, Villenkolonie – diese Bezeichnungen für Buchschlag unterstreichen den idyllischen Charakter des naturnahen Stadtteils, dessen Beschaulichkeit höchstens von aufgeregten Autofahrern an der einer gewissen Berühmtheit nicht entbehrenden, Bahnschranke unterbrochen wird. Allerdings könnte die gartenartige Wohnsiedlung heute ganz anders dastehen, hätten maßgebliche Eingriffe nicht abgewehrt werden können. Die Rede ist weniger vom Zweiten Weltkrieg, den Buchschlag mit der Zerstörung von sieben Häusern immerhin so glimpflich überstanden hatte, dass sich die Amerikaner derart wohlfühlten, dass die Häuser bis zu 15 Jahre lang besetzt wurden. Tatsächlich gab es Ende 1949 konkrete Pläne, im Buchschlager Wald eine Trabrennbahn zu bauen, mit Tribüne, Stallungen, Restaurant und Jockey-Wohnungen. Wären die umfangreich verhandelten Pläne nicht in letzter Instanz vom zuständigen Ministerium abgelehnt worden, hätte das für Buchschlag – damals rechnete man mit bis zu 40 000 Personen an großen Renntagen – Besucherströme bedeutet.

Eines der bekanntesten Ereignisse der Waldgemeinde ist der Rathausbrand, der am 30. März 1968 zwei Drittel des Bauwerks zerstörte. Während sich damals noch die „Aktionsgemeinschaft Rathaussaal“ gründete, um den Abriss des historischen Gebäudes – erfolglos – zu verhindern, rief gut zehn Jahre später die um einen Wertverlust ihrer Immobilien fürchtende „Bürgerinitiative gegen den Denkmalschutz Buchschlag“ zum Widerspruch gegen selbigen auf. Denn 1979 erhält die Gesamtanlage Buchschlag den Status eines Kulturdenkmals, der alte Ortskern steht unter Ensembleschutz, und 93 Häuser wurden ins Denkmalbuch eingetragen.

Dass der Charakter der Villenkolonie erhalten bleiben konnte, ist der Durchsetzung des Denkmalschutzes, auch mit der 1984 vom Ortsbeirat Dreieich verabschiedeten Gestaltungssatzung, zu verdanken.

Buchschlag ist ein Kleinod historischer Gebäude und trotzdem bezeichnend dafür, dass manche Veränderung sehr willkommen ist: Die 1992 stillgelegte Mülldeponie, ehemals eine der größten Europas, hat sich in der Stadtgeschichte zu einer umweltfreundlichen Photovoltaikanlage gewandelt.

(nab)

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