Workshop

Wenig Interesse an Bürgerbefragung in Dreieich

  • VonNicole Jost
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Nur 20 Interessierte kommen zum Bürger-Workshop. Sie hadern vor allem mit dem Verkehr und der Lebensqualität in der Sprendlinger Innenstadt.

Das Bürgerbarometer wimmelt von roten Punkten zwischen den Ziffern eins bis drei: Die Sprendlinger waren dazu aufgerufen, ihre Zufriedenheit mit ihrer Stadt auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten. Das Ergebnis fällt also eher ernüchternd aus. Es gibt oft und laute Kritik an der Sprendlinger Innenstadt. Jetzt hat die Stadt Dreieich zu einem Bürger-Workshop zur Mitgestaltung an einem neuen Bebauungsplan eingeladen – und das Interesse ist leider eher mager. „Wir hatten mit etwas mehr Interesse gerechnet“, sagt Kerstin Langstroff, Projektleiterin im Fachbereich Planung und Bau.

Aber die rund 20 Bürger, die am Samstagnachmittag in den kleinen Saal der SKG kommen, sind motiviert und konstruktiv. Der Frankfurter Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn übernahm schon wie bei der Bürgerbeteiligung beim Projekt Bürgerpark die Moderation. Er lässt die Aktiven zunächst einmal daran arbeiten, welche Wege sie mit welchen Verkehrsmitteln benutzen, ob sie sich in der Freizeit in der Innenstadt aufhalten und ob sie die Einkaufsmöglichkeiten Sprendlingens nutzen. Das Ergebnis fällt recht klar aus: Die Anwesenden sind auf vielseitige Weise in ihrer Stadt unterwegs, mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto. Sie nutzen das Angebot zum Einkaufen zumeist gerne – aber ihre Freizeit verbringen sie lieber nicht in Sprendlingen.

Die kleine Meckerrunde zeigt, dass Sprendlingen zu wenige Grünflächen hat, zu wenig Sitzgelegenheiten existieren und der Verkehr – und die damit einhergehende Gefährdung für die Radfahrer und Fußgänger und die Feinstaubbelastung – schlichtweg eine Katastrophe ist. Aber auch der Leerstand im Einzelhandel und die Sauberkeit in der Stadt werden bemängelt. Es kommen kleine Diskussionen über die nicht so gelungene Umsetzung der Fahrradstraße und deutliche Kritik am Projekt Neue Mitte auf, die Schelhorn aber nicht zu weit kommen lässt, um den Fokus auf die konstruktive Arbeit nicht zu verlieren.

30 in der Innenstadt?

In der Runde mit den konkreten Anregungen tragen die Bürger viele Vorschläge zusammen: die Aufwertung des Egernberger Parkplatzes, die Verschönerung der Fassaden, der Wunsch nach mehr Grünflächen und Aufenthaltsqualität, mehr Mülleimer und mehr Fahrradbügel. Laszlo Borrofka vom Dreieicher Jugendparlament regt aus seiner Arbeitsgruppe „Freies W-Lan“ an, grundsätzlich Tempo 30 in der Innenstadt, ein Anlieger frei und Zufahrt für den Lieferverkehr und E-Autos oder wahlweise eine Einbahnstraßenlösung für die Frankfurter und Offenbacher Straße. Öffentliche Toiletten und grundsätzlich schönere, öffentliche Plätze sind weitere Wünsche für die Sprendlinger Zukunft.

Dirk Schelhorn fasst die Arbeitsergebnisse zusammen: „Die prägnantesten Themen sind der Auto-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr, die Aufenthaltsqualität in der Stadt und die Ästhetik des öffentlichen Raums. Das sind Dinge, die wir nicht in zwei Jahren hinbekommen, aber wir können Einfluss darauf nehmen und das Quartier kann sich verändern“, macht der Fachmann den Sprendlingern Hoffnung.

„Einfach Straße sperren“

Für die Lösung mancher Probleme brauche es keinen veränderten Bebauungsplan, die ließen sich schnell umsetzen, versprach der Landschaftsarchitekt. Aber für andere Schwierigkeiten, wie in der Innenstadt, brauche es durchaus Konsequenzen. „Dann muss man halt auch versuchsweise eine Straße sperren“, betont er.

Die Politik bekommt die Arbeitsergebnisse schon in der nächsten Ausschussrunde Ende Mai vorgestellt. Und auch die Sprendlinger, die am Samstag mitgearbeitet haben, bleiben mit der Stadt im Gespräch. „Wir werden ihnen die Ergebnisse noch einmal präsentieren und die möglichen Projekte dann besprechen“, versprach Erster Stadtrat Martin Burlon.

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