+
Einige Privilegien gegenüber dem motorisierten Verkehr genießen Pedaleure in der Fahrradstraße. Die Fraktion BfD fordert Nachbesserungen, um die Sicherheit zu erhöhen und Anwohner zu entlasten.

Sicherheit

BfD-Fraktion fordert bei der Fahrradstraße Nachbesserungen, weil Radler gefährdet werden

Fahrradstraßen sind ein heiß diskutiertes Thema. Seit Kurzem sorgt eine solche Piste, die Pedalrittern Vorteile gegenüber dem Autoverkehr einräumt, in Offenbach für Irritationen. Auch in Dreieich fremdeln Autofahrer noch immer mit der Fahrradstraße. Die Fraktion BfD fordert deshalb Nachbesserungen.

Zunächst einmal gibt’s Lob. Mit der Fahrradstraße zwischen dem Buchschlager Bahnhof und der Sprendlinger Innenstadt habe die Stadt hessenweit ein Projekt mit Pilotcharakter angestoßen, sagt Natascha Bingenheimer, Vorsitzende der Bürger für Dreieich (BfD). Nach ihren Beobachtungen wird die knapp drei Kilometer lange Straße, die längste ihrer Art in Hessen, von Radlern rege genutzt.

„Dennoch gibt es Klagen, weil das Verhalten der Autofahrer weiterhin in großen Teilen zu wünschen übrig lässt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wird regelmäßig ignoriert, es wird mit viel zu geringem Abstand überholt und nach wie vor oft gedrängelt. Radler werden gefährdet, zum Beispiel Kinder, die nebeneinander fahren“, moniert Bingenheimer.

Haarige Situationen

Dabei sei dies ausdrücklich erlaubt. Zudem komme es zu haarigen Situationen, wenn Autofahrer beim Öffnen der Tür nicht auf die Radler achteten. Die BfD sieht daher Nachbesserungsbedarf, der allein durch verkehrserzieherische Maßnahmen nicht abgedeckt werden könne. „Nicht umsonst ist bei der Einrichtung von Fahrradstraßen die Anwohnerstraße als Standard anzusehen, der auch in Dreieich umgesetzt werden sollte“, sagt Bingenheimer. Für die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie am morgigen Mittwoch (Rathaus, 19.30 Uhr) hat die Fraktion einen Antrag formuliert. Sie schlägt vor, die Ernst-Ludwig-Allee und die Liebknechtstraße bis hin zur Auestraße als Anwohnerstraße auszuweisen, um die Streckenabschnitte von „überflüssigem, nicht direkt ortsansässigen Individualverkehr zu entlasten“.

Um die anderen Fraktionen zu überzeugen, haben Bingenheimer und ihr Kollege Tino Schumann Argumente gesammelt. In der Ernst-Ludwig-Allee sei dauerhaft ein erhöhtes anwohnerfremdes Verkehrsaufkommen zu registrieren, das durch die S-Bahn-Station in Buchschlag und auch den nahe gelegenen Flughafen bedingt sei.

Zu schnell unterwegs

Insbesondere in den Stoßzeiten morgens und abends sei das Fahrzeugaufkommen sehr hoch, weil Pendler nach Parkplätzen suchten und die Ernst-Ludwig-Allee als alternativen Schleichweg nutzten, obwohl es einen Parkplatz und eine Busanbindung für die Bahnstation gebe. Zudem sei die Mehrzahl der Autos zu schnell unterwegs. Das alles beeinträchtige nicht nur die Sicherheit von Radfahrern, sondern belaste auch die Anwohner.

Die Liebknechtstraße ist laut Bingenheimer als Schleichweg bekannt und diene als Alternative zur Eisenbahnstraße. Die Fahrzeugdichte in den Stoßzeiten sei nicht durch den Anwohnerverkehr erklärbar. Und: Auch hier werde viel zu schnell gefahren.

„Die Förderung des Radverkehrs muss vor dem Hintergrund der ansteigenden Autodichte ein besonderes Anliegen der Kommunalpolitik auch in Dreieich sein und einen prioritären Status erhalten. Eine Anliegerstraße könnte die Verkehrsdichte verringern und damit die Sicherheit der Radfahrer sehr erhöhen“, ist die BfD überzeugt.

Jede Straßenneuplanung müsse sich daran messen lassen, ob die Politiker es ernst meinten mit der Verkehrswende. Das gelte auch für die Umgestaltung der August-Bebel-Straße.

„Wir erwarten, dass die nicht automobile Fortbewegung, die Rückeroberung des öffentlichen Raums, bei den Verantwortlichen als Zukunftsthema endlich angekommen ist.“

(fm)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare