1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Offenbach
  4. Dreieich

Werbeagentur findet Programmier-Genie

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Eigentlich könnten Michael Heinz und die Firma Chimonas & Ebert rundum zufrieden sein. Der gebürtige Saarbrücker hat nach langer Suche in Dreieich seinen Traumjob gefunden. Die Werbeagentur löst damit ihr Fachkräfteproblem. Doch eine Wohnung findet der 29-Jährige hier nicht. Für ihn und seinen Arbeitgeber eine schwierige und unbefriedigende Situation.

„Wir haben uns gesucht und gefunden“, beschreibt Niko Chimonas, Geschäftsführer der Dreieicher Werbeagentur Chimonas & Ebert das Zusammentreffen mit seinem jüngsten Angestellten. Im Herbst 2017 suchte er händeringend einen 3 D-Artist, um einen Auftrag für einen wichtigen Kunden umsetzen zu können. 50 Bewerber hatten die Aufgabe erhalten, einen animierbaren 3 D-Roboter zu entwerfen.

Die Arbeit von Michael Heinz aus Saarbrücken überzeugte den Firmenchef am meisten. Er lud den studierten Kommunikationsdesigner zum Vorstellungsgespräch ein und ließ ihn nicht wieder gehen. „Michael hatte und konnte genau was wir suchten. Also habe ich ihm ein Zimmer besorgt. Dann haben wir Zahnbürste und Wechselklamotten für ihn gekauft und drei Tage und Nächte an seinem Roboterentwurf gearbeitet. Alle waren begeistert von Michael, und die Präsentation vor dem Kunden war ein voller Erfolg“, erinnert sich Niko Chimonas. Es habe fachlich und persönlich auf ganzer Linie gepasst.

„Ein kleines Abenteuer“

Der 3 D- und Charakterdesign-Experte, der zuvor ein Jahr auf Jobsuche war, absolvierte darauf im Dezember ein Praktikum in Chimonas’ Agentur und hat seit Anfang des Jahres eine unbefristete Festanstellung. „Ich war erst völlig überrascht, dass ich gleich hier bleiben sollte. Aber dann war ich vor Freude total aus dem Häuschen. Für mich begann ein kleines Abenteuer“, sagt der 29-Jährige mit ghanaischen Wurzeln. Für ihn ist es nach dem Studium der erste feste Job. Und ein Traumjob, wie er freudestrahlend aber dennoch leise und zurückhaltend erzählt. Trotz seines hohen Ansehens, das er aufgrund seiner Fähigkeiten in der Firma genießt, ist Michael Heinz ein Mann der leisen Töne geblieben.

„Michael ist nicht nur eine Bereicherung unseres Teams. Er wirkt mit seiner ruhigen, ausgeglichenen und besonnenen Art auch beruhigend auf mich“, sagt sein Chef, der voll des Lobes für seinen neuen Mann ist. Mit seiner spontanen und unkonventionellen Entscheidung für Michael Heinz schlug er drei Fliegen mit einer Klappe: Die Firma hat ihren Experten bekommen, Michael Heinz einen Job und das Job-Center in Saarbrücken hat einen Klienten weniger. Chimonas’ Werbeagentur ist spezialisiert auf Produktvisualisierungen und besteht aus einem Team von acht Mitarbeitern.

„So eine kleine Firma habe ich mir immer gewünscht“, schwärmt Michael Heinz, der in seiner Freizeit gerne zeichnet, auf Marvel-Comics steht und am liebsten mal einen TV-Werbespot mit animierten Charakteren entwickeln möchte.

Bitterer Beigeschmack

Alles eitel Sonnenschein, sollte man also denken. Und dennoch liegt ein Schatten über Michael Heinz’ Neuanfang in Dreieich. Denn eine Wohnung ist für ihn einfach nicht zu bekommen. Seit Dezember lebt er in einem Zehn-Quadratmeter-Zimmer im Neu-Isenburger Naturfreundehaus aus dem Koffer – ohne Kochgelegenheit, ohne Fernseher und mit einem Gemeinschaftsbad auf dem Flur. „Mein größter Wunsch ist eine eigene, kleine Wohnung“, sagt Michael zu dieser Zeitung. „Doch es hagelt nur Absagen.“

Sein Arbeitgeber unterstützt ihn bei der Suche nach allen Kräften. Zu zehn Besichtigungen hat Niko Chimonas seinen Schützling begleitet. Der Firmenchef lebt selbst in Neu-Isenburg und weiß, wie schwer es ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dass Michael Heinz keine Bleibe findet, kann er aber nicht nachvollziehen: „Er verdient sein eigenes Geld, hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Ich bürge für ihn. Da liegt der Verdacht nahe, dass Michaels Hautfarbe der Grund für die Absagen ist“, sagt er. „Michaels Integration in den Arbeitsmarkt bekommt durch die unbefriedigende Wohnungssituation jedenfalls einen bitteren Beigeschmack.“

Auch Michael Heinz ist von der erfolglosen Wohnungssuche frustriert. „Meine sozialen Beziehungen leiden natürlich darunter. Und manchmal fühle ich mich auch diskriminiert. Aber ich kann ja nicht die Hautfarbe wechseln“, seufzt er. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf.

Auch interessant

Kommentare