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Kim Bagus zeigt in der Volksbank eine Werkschau ihres Vaters Wolfgang Bagus mit dem Titel ?Decollagen?.

Kunst

Werkschau des Künstlers Wolfgang Bagus aus Buchschlag in der Volksbank-Filiale

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Der 2011 verstorbene Künstler Wolfgang Bagus experimentierte mit vielen Techniken. Einige seiner Werke entstanden auch, weil der Buchschlager an Plakatwänden etwas abriss.

Ein echter Frankfurter, als Vater und Großvater aber ein echter Buchschlager und als Künstler ein echter Europäer – so wird Wolfgang Bagus von seiner Tochter beschrieben. Er schuf „l’art pour l’art“ – Kunst um der Kunst willen. „Ein weltoffener Mensch, der in seiner Kunst frei war. Der aber auch die Freiheit genoss, seine Kunst ganz aus seinem freien Willen heraus zu machen“, so seine Tochter Kim Bagus. Mit einer Werkschau präsentiert sie im Rahmen der Reihe „Vorsicht Kunst!“ der Volksbank Dreieich in der Filiale Buchschlag Werke ihres Vaters, der 2011 verstarb.

Geboren wurde Wolfgang Bagus am 1. Januar 1933. Schon früh begann er, künstlerisch zu arbeiten, es entstanden erste Holzschnitte, Lithographien und Zeichnungen. 1959 schloss er das Studium in Köln als Ingenieur ab, anschließend war er als Röntgen-Ingenieur bei der Firma Agfa in Düsseldorf tätig. Künstlerisch fokussierte er sich auf Fotografien und Porträtzeichnungen. Er hatte viele Kontakte zu den Kunstszenen von Köln und Düsseldorf. 1974 zog Wolfgang Bagus mit seiner Familie nach Frankfurt, kurz darauf nach Buchschlag. Stetig entwickelte er sich künstlerisch weiter und experimentierte mit Techniken. Nach und nach verlegte Bagus seinen Schwerpunkt auf die Decollagen. Den Ursprung der Decollage und des Affichismus kamen bei Bagus, wie es seine Tochter bezeichnet, durch eine Jugendsünde. In den Ruinen einer ausgebombten Frankfurter Kirche fand er eine gotische Holzschnitzerei und ließ sie mitgehen. Das war zwar mehr eine Demontage als eine Decollage, doch immerhin eine „Fundsache“.

„Eine Decollage, von französisch décoller: abreißen, trennen, abkratzen, bezeichnet eine Technik, die im Gegensatz zur Collage steht, die etwas zusammenfügt. Bei der Decollage werden Bilder zerstört mit dem Zweck aus den Überresten neue Werke zu erschaffen“, beschreibt die Kunsthistorikerin Esther Erfert das Schaffen der Affichisten, denen sich auch Wolfgang Bagus zugewandt hat. „Der Künstler findet sein Material auf der Straße: an alten Wänden, Zäunen, Mauern, Litfaßsäulen, überall dort, wo ständig neue Plakate, Zettel, Annoncen und Bilder über alte geklebt werden. Dort reißt der Künstler Teile der neuen Schichten ab, legt dadurch Teile von älteren Schichten frei, und die entstehende Mischung ist ein gewollter künstlerischer Eingriff, nicht eine Abbildung von Vorgefundenem“, so Erfert weiter. So entsteht ein neues Nebeneinander und Übereinander, das schon am nächsten Tag wieder verschwunden sein kann.

Die meisten der nun von seiner Tochter Kim Baus präsentierten Werke sind Fotografien von Decollagen. Levanto I ist als Decollage eine Plakatwand, an der Wolfgang Bagus gerissen und sie dann fotografiert hat. Bei Levanto II hat er den Prozess jedoch noch weiter getrieben. Auf das fertige Foto der gerissenen Wand hat er nochmals gerissenes Papiermaterial aufgeklebt. „Kunst hat auch eine Berechtigung, wenn man sie nicht versteht – wenn man nicht weiß, warum man trotzdem fasziniert ist“, betonte die Kunsthistorikerin Esther Erfert.

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