+
Will Bürgermeisterin von Dreieich werden: Bettina Schmitt (CDU)

Stadtverordnete

CDU will Bettina Schmitt ins Rennen um das Bürgermeisteramt schicken

  • schließen

Der Vorstand der Dreieicher Christdemokraten will Stadtverordnete Barbara Schmitt ins Rennen um das Bürgermeisteramt am 28. Oktober schicken. Sie wäre der erste weibliche Rathauschef der Stadt. Damit ist auch klar, dass die CDU nicht die Kandidatur des Ersten Stadtrats Martin Burlon (parteilos) unterstützen wird – der reagierte indes gelassen auf die Nachricht.

Was für Beobachter der Dreieicher Polit-Szene wenigstens eine kleine Überraschung sein dürfte, ist für die designierte Bürgermeisterkandidatin Bettina Schmitt letzlich nur ein konsequenter Schritt – zumindest, nachdem der gesundheitlich angeschlagene Amtsinhaber Dieter Zimmer (SPD) Anfang Februar die Reißleine gezogen und angekündigt hatte, für die Bürgermeisterwahl Ende Oktober nicht mehr zu kandidieren.

„Das hat mir den letzten Schub gegeben“, bekannte die 54-Jährige gestern. Gegen Zimmer hätte sie wegen der „sehr guten Zusammenarbeit“ wohl nicht kandidiert. Umso klarer fällt nun ihn Bekenntnis für ihre Entscheidung aus: „Ich möchte Bürgermeisterin von Dreieich werden, weil ich der Stadt und den Menschen hier sehr verbunden bin“, sagte sie gestern auf einer Pressekonferenz ihrer Fraktion im Rathaus. Durch ihre Ehrenämter in der evangelischen Kirche und der Stadtverordnetenversammlung habe sie Dreieich als liebens- und lebenswert kennengelernt.

„Viele Ideen kann man aber nur umsetzen, wenn man hauptamtlich und damit in Vollzeit und mit voller Kraft an ihnen arbeiten kann.“ Den nötigen Rückhalt für einen Wechsel in die Berufspolitik erhalte sie von ihrem Mann, der bereits vor einem dreiviertel Jahr die Geschäfte der gemeinsamen Immobilienfirma übernahm. Schmitt ist seit 2006 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und leitete in der vergangenen Wahlperiode den Haupt- und Finanzausschuss. Als Stadtverordnetenvorsteherin war sie zuletzt unter anderem maßgeblich bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Stadtjubiläum beteiligt.

Die Nominierung Schmitts muss im April noch von den 243 CDU-Mitgliedern auf einer Versammlung abgesegnet werden. Erst dann wolle sie „die Katze aus dem Sack lassen“ und auch über ihre politischen Ziele und Schwerpunkte reden.

Entlocken ließ sie sich aber jetzt schon, dass ihr die Stadtentwicklung mit der Infrastruktur, etwa mit Kita- und Betreuungsplätzen „ganz wichtig“ sei. Ihr sei bewusst, dass die anstehenden Aufgaben nicht nur eitel Sonnenschein mit sich bringen werden – so hängt der Haussegen zwischen Stadt und Vereinen beim Thema Lettkaut seit langem schief.

Doch das schreckt die Diplom-Kauffrau nach eigenen Worten nicht: „Ich bin lösungsorientiert und kann zuhören,“ beschreibt sie sich und führt ihre Stärken mit leichtem Augenzwinkern bis zu ihrer Kindheit und Jugend in Biebesheim im hessischen Ried zurück: „Da habe ich fünf Pferde, zwei Hunde und sieben Nachhilfeschüler domptiert.“ Bestätigt in ihrer Entscheidung habe sie auch die wiederholten Fragen vieler Bürger, „ob ich es denn nicht machen wolle.“

Die Entscheidung für Bettina Schmitt als Bürgermeister-Kandidatin, betonte CDU-Fraktions- und Parteivorsitzender Hartmut Honka, sei „keine Entscheidung gegen Herrn Burlorn.“ In vielen Punkten habe man mit dem parteilosem Ersten Stadtrat übereingestimmt, sagte Honka, ergänzte aber mit einem kleinen Seitenhieb: „Wenn auch nicht in allen, wie in seiner unbedingten Liebe zur Fahrradstraße, die wir nicht teilen.“

Der Erste Stadtrat war auf Anfrage dieser Zeitung nach eigenen Angaben weder überrascht noch enttäuscht durch die Ankündigung von Bettina Schmitts Kandidatur. Sie unterstreiche vielmehr, „dass meine eigene Bewerbung in der Tat eine unabhängige Bewerbung ist, die gerade nicht in Verbindung steht mit vorherigen Unterstützungen und Zusagen von Parteien. Es sei vollkommen legitim, dass sich jede Partei jetzt überlegt, wie sie sich für die Bürgermeisterwahl aufstellt. Seine eigene Entscheidung, nach über acht Jahren als parteilos und unabhängig agierender Erster Stadtrat den Hut in den Ring zu werfen, sei davon stets unabhängig gewesen.

Wie bewertet Burlon den Konkurrenzdruck durch eine Kandidatur Schmitts, die sich in den letzten zwei Jahren mit ihrer pragmatischen Art in der Stadt profilieren konnte? Der Erste Stadtrat erinnert an die vergangene Bürgermeisterwahl, als insgesamt sechs Kandidaten angetreten waren. „Von daher weiß jeder, der sich zur Wahl stellt, dass es mehrere Kandidaten und Kandidatinnen geben wird.“

Neben Bettina Schmitt und Martin Burlon hat derzeit auch der unabhängige Bewerber Christian Kurz Ambitionen auf das Amt des Stadtchefs angemeldet. Die Wahl wird voraussichtlich zusammen mit den Landtagswahlen am 28. Oktober stattfinden. Im Februar 2019 beginnt die Amtszeit des neuen Bürgermeisters – ob er nun weiblich oder männlich sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare