Nachbar in Aufregung

Wohnungsdurchsuchung beim "Reichsbürger": 61-Jähriger will Waffen nicht zurückgeben

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Ein 61-Jähriger aus Sprendlingen wollte erst seine Waffen nicht zurückgeben, dann nötigte er Landrat Oliver Quilling. Jetzt gab es eine Durchsuchung seiner Wohnung. Die Nachbarn sind in Aufregung.

Die Nachbarn staunen nicht schlecht, als am Freitagmorgen gleich mehrere Polizeibusse in der sonst eher beschaulichen Robert-Koch-Straße haltmachen. Mehr als zwei Stunden gibt es kein Durchkommen durch die Sprendlinger Straße – die Polizei ist mit mehr als 20 Beamten zur „Amtshilfe“ von Landrat Oliver Quilling ausgerückt. Mit einem Durchsuchungsbefehl unterstützen die Polizisten an diesem Morgen die Waffenbehörde des Kreises Offenbach. Mit Schusswesten gesichert holen die Beamten aus dem Sprendlinger Haushalt vermutlich mehrere Waffen.

Anfang Oktober war einem Sprendlinger am Amtsgericht in Langen der Prozess gemacht worden. Der „Reichsbürger“ hatte bereits Anfang Mai die Aufforderung des Kreises bekommen, die acht Lang- und sieben Kurzwaffen, die er in seinem Haus in Sprendlingen hat, bis Juni zurückzugeben. Dieser Aufforderung kam er nicht nach.

Der 61-Jährige legte Einspruch ein. Er forderte damals vom Landrat eine Legitimation für den Widerruf der Waffenbesitzkarten. In einem zweiten Schreiben machte er Oliver Quilling mit 100 000 US-Dollar persönlich haftbar. Für diese Nötigung wurde der Reichsbürger in diesem Monat zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Kreissprecherin Cordula Egenolf äußerte sich gestern nicht zum aktuellen Fall. Sie bestätigt aber, dass die Polizei im Auftrag der Waffenbehörde am Freitag in Dreieich unterwegs war. „Es wurde eine waffenrechtliche Erlaubnis widerrufen. Nachdem die Waffen nicht freiwillig abgegeben wurden, hat die Waffenbehörde ein Waffenverbot verhängt“, erläutert die Pressesprecherin. Es sei ein normaler Vorgang, dass bei solchen Hausdurchsuchungen die Polizei zur Unterstützung hinzu gerufen wird. Auch zum Schutz der Mitarbeiter des Kreises.

Bei einem Waffenbesitzer, der seine Waffen freiwillig nicht herausgeben will, sicher die richtige Entscheidung. Wie gefährlich solche Einsätze sein können, beweist die Gerichtsverhandlung gegen einen Polizistenmörder aus Nürnberg, der gestern zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Er hatte bei dem Einsatz, bei dem er seine Waffen herausgeben sollte, einen Polizisten getötet.

Die Nachbarn in Sprendlingen sind auch in Aufregung. Niemals hätten sie vermutet, dass sich in ihrer unmittelbaren Umgebung ein „Reichsbürger“ mit Waffen aufhält. Es habe zwar keinen intensiven, aber durchaus einen freundlichen Umgang mit dem Nachbarn gegeben, berichtete einer der Anwohner auf Anfrage dieser Zeitung.

(njo)

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