Wettkampf

Working Equitation: Reiten wie die Cowboys

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Ringstechen an Bulle Osbourne oder auf dem Pferd sitzend ein Tor öffnen – auf dem Reitplatz An der Sandkaut wurde ein Turnier der etwas anderen Art veranstaltet. Für die Pferdefreunde Offenthal war’s eine Premiere.

Im taktreinen Tölt kommt Islandhengst Prins den Wall auf dem Offenthaler Reitplatz hoch. Souverän lenkt ihn seine junge Reiterin Jule Bechtel den Wiesenhügel wieder hinunter, um anschließend im Slalom durch ein paar junge Bäume zu reiten. Auch das Öffnen des Tors bereitet dem Mädchen auf dem wirklich ausgesprochen hübschen Islandpferd keine Probleme. Lediglich beim Ringstechen an Bulle Osbourne hat das so eingespielt wirkende Team seine Probleme. Als das Mädchen strahlend durchs Ziel töltet, ist ihr der Applaus des Publikums aber gewiss. Das Turnier, das die Pferdefreunde Offenthal am vergangenen Wochenende zum ersten Mal organisierten, ist selbst für manch passionierten Pferdefreund absolutes Neuland.

Gaited Working Equitation nennt sich die noch junge Sportart, in der Offenthal mit Franziska Reitz und Islandwallach Thor aktuell das Deutsche Meisterschafts-Paar stellt. Im sogenannten Trail, in dem sich Prins und Jule so fein präsentierten, geht es darum, die Pferde in klassischen Arbeitssituationen sicher, ruhig und immer in der gewählten Gangart taktrein den Richtern vorzustellen. So muss der Reiter beispielsweise ein Tor öffnen und das Pferd dabei so geschickt dirigieren, dass das Tier stets mit seinem Körper das Tor verschließt. Man denke an einen Viehtrieb. Wenn die Tiere eingefangen sind, sollen sie ja möglichst aus der Umzäunung nicht mehr entweichen.

Aber auch

Dressur- und Gangprüfung

en stehen am Pfingstsonntag in Offenthal auf dem Programm. Da sind Pferderassen aus der ganzen Welt unterwegs. Zum Beispiel ein schöner Schimmel aus Brasilien, ein sogenannter Mangalarga Marchador, einige Islandpferde, die mit ihren wilden Mähnen den so sitzbequemen Tölt zeigen, und auch ein Tennessee Walking Horse, eine amerikanische Rasse, die mit dem sogenannten Walk ebenfalls eine besondere Gangart hat. Aber auch ganz „normale Warmblutreiter“ mit ihren Hannoveranern, Oldenburgern oder Westfalen hatten die Gelegenheit, sich der Gaited Working Equitation zu nähern. „Für uns ist das auch absolut aufregend“, sagt Alfred Köppen, Vorsitzender der Offenthaler Pferdefreunde. „Dieses Turnier ist eine Premiere. Mit Franziska Reitz haben wir natürlich eine Fachfrau hier, die uns diesen besonderen Pferdesport näherbringt“, so Köppen.

Reitz hat an diesem Sonntag alle Hände voll zu tun. Sie steigt von Pferd zu Pferd und nutzt die Chance, den Jungpferden, die sie in Ausbildung hat, die Turnieratmosphäre zu zeigen. Da ist so manch aufgeregter Jungspund dabei, der der etwas polternden Brücke, die es zu überqueren gilt, mit aufgerissenen Augen und nervösem Schnauben begegnet. Aber das ist wohl auch das Besondere an dieser Sportart – es geht nicht um Zeit, die jungen Pferde haben schon die Gelegenheit, sich an die ungewohnte Situation zu gewöhnen. Franziska Reitz belohnt die Island Schimmelstute Meyja ebenso mit einem beruhigenden Mähnenkraulen, wie auch den braunen Islandnachwuchs Tyrfingur, der seine Sache ausgesprochen gut macht.

Für Nina Beidl, eine Reitschülerin vom Offenthaler Eichenhof, war die Turnierpremiere besonders erfolgreich. Sie wurde mit Zion, dem Pferd ihrer Reitlehrerin Kerstin Maas, mit einem ersten und zwei zweiten Plätzen Gesamtsiegerin in der leichten Klasse.

Für die Offenthaler Pferdefreunde ist das Turnier ein weiterer Höhepunkt in ihrem

Jubiläumsjahr

. Der Verein, der vor allem im Fahrsport mit Alfred und Thomas Köppen erfolgreiche Sportler in seinen Reihen hat, wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Die nächste Veranstaltung auf dem Reitplatz An der Sandkaut ist am 26. Juni, dann kommt der Nachwuchs bei einem Reitturnier mit Reiterwettbewerb, Dressurprüfungen und Allroundwettbewerben wieder zum Zug. njo

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